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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
Seite - 376 -
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Niuay 376 dadurch, daß er sich wegen Bewerbung um die Kanzlcrstelle an der Preßburger Akademie das Mißfallen seines Bischofs zugezogen hatte, der ihn nun gar aus seiner Diöcese entließ. R. begab sich nun nach Wien, wo er zunächst Schritte that. um daS Lehramt der Dichtkunst am Gym. nasium in Gran zu erlangen, waö er auch erreichte. Bald jedoch erfolgte seine Uebersetzung in gleicher Eigenschaft nach Komorn, wo er bis zum Jahre 4800 thätig war, dann aber seiner leidenden Gesundheit wegen um Versetzung in den Ruhestand bat. Die erste Zeit brachte er bei seinem Freunde Paintner in Ra> thöt zu, und damals beschäftigte er sich im Auftrage der ungarischen Statthalterei mit einer wiffenschafllichen Prüfung der ungarischen Grammatik von Vä l y i ; in dem darüber gegebenen Gutachten be» handelte er jedoch den Gegenstand, mit seiner geschwächten Gesundheit sich ent» entschuldigend, nur oberflächlich, indem er, wie Daniel ik und Ferenczy berichten, das Ergebniß seiner langjähri» gen sprachlichen Forschungen nicht an der Arbeit eines anderen darthun, sondern eS, um sich daS Eigenthum seiner selbst» ständigen Forschung für immer zu sichern, in einem besonderen Werke niederlegen wollte. Auf einem im Jahre 1802 unter» nommenen Besuche Wiens setzte er seine Studien und Forschungen in den dortigen Bibliotheken fort und nahm den Antrag, die Tochter des Grafen Forgach, eine Enkelin des Fürsten Grassalko wich. in der ungarischen Sprache zu unterrich« ten an, wofür er fürstlich honorirt wurde. Um diese Zeit starb Vä l y i , der bisher das Lehramt der ungarischen Sprache an der Pesther Universität bekleidet hatte. Obwohl nun R6vay's Freunde ln ihn drangen, sich um diese Stelle zu bewer» ben. war er doch nicht zu diesem Schritte zu bewegen. Als aber die betreffende Hofstelle Wolfgang Toth's Gutachten über Verleihung dieses Lehramtes ein» holte, empfahl dieser vor Allen Nikolaus Rävay, der auch im Jahre 1802 auf diesen Posten berufen wurde. Nun war R. ganz in seinem Elemente. Neben seinem Berufe beschäftigte cr sich mit der Herausgabe verschiedener Werke, darun» ter der ^.ntiyuitatks litsrawras und sei» neS Hauptwerkes, das seinen Ruhm in der Geschichte der ungarischen Sprache bleibend feststellt, der Nkdorktiol Vram- ruatioa knnFarioa. R. behielt sein Lehr> am! bis an seinen im Alter von 88 Iah» ren erfolgten Tod. R6r>ay war ein Polyhistor in deS Wortes vollkommenster Bedeutung, wobei jedoch nicht Vielwifsen, sondern vieles und gründliches Wiffen darunter zu verstehen ist; er war Pädagog, Poet, Mathematiker, Zeichner, Architekt, Sprachforscher und Aesthetiker. DaS Er» spließlichste jedoch leistete er als Poet und Sprachforscher: als ersterer schrieb er Gelegenheitsgedichte in ungarischer und lateinischer Sprache, beide durch die Reinheit der Form und Sprache ausge> zeichnet, veröffentlichte Uebelsetzungen auS Catull, Tibull, Properz und Horaz, eigene Gedichte, bestehend in Elegien, Liedern u. dgl. m. Ohne eben poetische Schöpferkraft zu besitzen, ist er doch reich an poetischer Empfindung, hat, wie Toldy bemerkt, Leidenschaft und über» trifft seine Mitkämpfer im geläuterten Geschmacke. Seine Elegien durchweht elegischer Hauch. Wie es sich auS seinem vielbewegten LebenSlaufe herausstellt, befriedigt ihn weder daS Leben noch der selbsterwählte Lebensberuf und die viel> fachen kleinen Leiden, die in keinem Berufe fehlen, verletzen seine feinfühlende Seele tiefer, als es bei Anderen der Fall ist. Dabei ist er Patriot durch und durch
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Rasner-Rhederer, Band 25
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Rasner-Rhederer
Band
25
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1868
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
446
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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