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Neviykn 39N
über welche in den Quellen S. 392 nähere
Nachrichten folgen. Adam kam in die
Theresianische Ritter-Akademie nach Wien,
aus welcher er nach beendeten Studien
zur kais. Hof> und Kammerprocuratur
in Galizien kam, worauf er im Jahre
1,89? bei dem galizischen Gubernium
und im folgenden Jahre bei der k. k.
vereinigten Hoftanzlei in Wien als Con>
cipist angestellt wurde. AlS dann im
Jahre 1809 die kriegerischen Ereignisse
Viele zu den Fahnen riefen, trat auch R.
als Lieutenant im Infanterie-Regimente
Graf Sztaray ein, in welchem er mit
Auszeichnung in den Schlachten bei Re>
genSburg. Aspein und Wagram focht
und nach dem Abschlüsse des Friedens
in den Staatsdienst zurückkehrte. Er
wurde nun im Jahre 1811 Assessor bei
der königlich ungarischen GerichtStafel
und im nämlichen Jahre k. k. Kämmerer.
Im Jahre 1814 zum wirklichen Gube»
nialrath in Venedig ernannt, wurde er
im folgenden Jahre als Proviant-Com»
missär der kaiserlichen und sardinischen
Armee nach Frankreich beordert, wo er
in den Departements Montblanc, Iftre
und Rhone die Verwaltung in so auS>
gezeichneter Weise führte, daß er mit dem
Ritterkreuze deS Leopold-Ordens decorirt
wurde. Nun kam er seiner einnehmenden
und gewandten Manieren wegen alü
Kammerherr zu dem damaligen Vice-
könig der Lombardei, Erzherzog Rainer.
Der Graf erfreute sich bald der Gunst
des Erzherzogs, durch einen unglücklichen
Sprung aber, den er gethan, brach er
den Fuß, und ungeachtet der sorgsamsten
Pflege blieb er doch nach der Genesung
lahm. Mit diesem Leibesgebrechen konnte
er nicht in seinem Dienste als Kammer»
Herr verbleiben, und so empfahl der Crz>
herzog den lahmen Grafen der Gnade
des Kaisers, der ihm sofort eine Verwen» düng im politischen Dienste gab. Im I .
1822 wurde er Vice-Präsident des galizi»
schen Guberniums, kam dann in gleicher
Eigenschaft, nachdem er noch vorher wirk»
licher geheimer Rath geworben, zu der da»
maligen „Kammer" (allgemeinen Hof»
kammer), wo er sich durch seine Umsicdt
und Kenntnisse so hervorthat, daß der
Kaiser dem noch im blühendsten Alter
stehenden Grafen die Würde eines ober»
sten HofkanzlerS des Königreichs Ungarn
verlieh. Auf diesem Posten erwarb er sich
bald so sehr das Vertrauen des sonst
schwer zugänglichen Kaisers Franz, daß
ihm dieser in Schönbrunn ein eigenes
Gebäude anwies, von wo aus ein ge»
deckter Gang unmittelbar in die Ge-
macher des Monarchen führte, bei dem
der Graf zu jeder Stunde deS Tages
freien Zutritt hatte, und der zuletzt nichts
unternahm, ohne vorher den Rath seines
bewährten Grafen R. eingeholt zu haben.
Graf Adam war prunkliebend und
erzählt man sich nach dieser Richtung
manchen Zug auö seinem Leben, der
ebenso die Liebenswürdigkeit als Dank»
bnrkeit deS ungarischen Magnaten kenn»
zeichnet, der AlleS, nur nicht hauSzuhal»
ten verstand, und in seinen pecuniären
Verhältnissen ganz zerrüttet war. Sein
Gönner, der Kaiser Franz, soll mehr»
mals mit nicht unbedeutenden Summen
ihm beigesprungen sein, nichtsdestoweni»
qer kam er zeitlebens nicht aus der
Sequestration heraus, >md der Tag. an
welchem er endlich in den vollen Genuß
seines gesammten Einkommens gelangen
sollte, war sein — Sterbetag. Hatte ihn
schon in seinen jungen Jahren ein unglück»
licher Sprung lahm gemacht, so sollte er
durch einen anderen Unglücksfall noch
schlimmer beschädigt weiden. Der Graf
begleitete den Kaiser öfter auf seinen
Spazierfahrten. TineS TageS wurden
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon