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die Pferde des kaiserlichen Wagens scheu,
rannten, keinem Zügel mehr gehorchend,
davon und die Gefahr wuchs von Se»
cunde zu Secunde. Graf Reviczky,
der neben dem Kaiser im Wagen saß,
sprang nun, ohne sich langer zu besinnen,
auS dem Wagen und faßte die Pferde,
um sie aufzuhalten. Wohl war ihm die
That gelungen, aber eineS der Pferde
hatte ihn mit dem Hufe so heftig in die
Seile geschlagen, daß er zeitlebens daran
litt. Eine der wichtigsten Handlungen,
wodurch er sich den Kaiser Franz zu
lebenslänglichem Danke verpflichtete, ist
aber die folgende, die ebenso ein Zeichen sei»
ner staatsmännischen Genialität wie seiner
Geistesgegenwart ist. Graf Reviczky
hatte auf dem ungarischen Landtage bei
den Verhandlungen an Stelle der bis»
herigen lateinischen Sprache die unga»
rische eingeführt; zudem wollte sich der
Landtag nicht herbeilassen, mehr als die
üblichen zwölf Regimenter zu votiren.
Als der Landtag wieber sich versammelte,
gelangte eine Cabinetsordre an denGra»
fen Reviczky, worin eine Erhöhung
deS Militäretats und die Wiedereinfüh»
rung der lateinischen Sprache bei den
Verhandlungen befohlen ward. Der Graf
hatte diese königliche Ordre gerade wäh>
rend der Sitzung erhalten. Nachdem er
sie gelesen, erhob er sich und theilte mit.
daß er sich freue, einen der hochherzigsten
Acte Sr. Majestät der Versammlung zur
Kenntniß zu bringen, nämlich, daß Se.
Majestät weder auf der Vermehrung der
ungarischen Regimenter, noch auf der Wie»
dereinführung der lateinischen Sprache
bei den Landtagsverhandlungen bestehen.
Ein donnerndes Eljen ertönte und der
Jubel nahm kein Ende. Graf Reviczky
aber reiste ohne Verweilen von Preß»
bürg nach Wien und stellte sich dem Mon>
archen mit den Worten vor: Majestät, ich habe den Kopf verwirkt, ich lege mein
Haupt zu Ihren Füßen". Darauf setzte er
klar seine Handlungsweise auseinander,
gab auch die Motive derselben an und
der Kaiser Franz gab ihm in seiner
Gemüthlichkeit zur Antwort: „Recht Hast'S
gemacht, mein lieber Adam". — In sei»
ner Stellung als ungarischer Hofkanzler
gerieth er mit dem obersten Kanzler, dem
Fürsten Metternich, in manchen Con>
ftict, und die feindselige Stimmung,
welche zwischen beiden Männern herrschte,
mochte bei dem vorwaltenden Einflüsse,
den Fürst Metternich nach dem Tode
deS Kaisers Franz in allen Dingen
nahm, wohl die nächste Ursache gewesen
sein, daß Graf R. nicht mehr bei Hofe
erschien, obwohl man die Ursache darin
wissen wollte, daß vornehmlich er dahin
agitirt habe, an Stelle des Kronprinzen
Ferdinand den Erzherzog Franz
Kar l auf den Thron zu bringen. Später
erhielt er einen Gesandtschaftsposten'an
den italienischen Höfen in Florenz, Parma
und Modena. AuS dieser Periode, in
welche eben die Umtriebe der Earbonari
fallen, erzählt man sich, daß der Graf
sich in eine Art Verschwörung verwickelt
habe und später in Venedig längere Zeit
von der geheimen Polizei förmlich über»
wacht worden sei. — Der Graf wird als
ein großer Freund der Künste und Wis»
senschaften, als geistvoller, vielseitig ge>
bildeter Staatsmann geschildert, der
durch sein humanes, herablassendes Ne>
nehmen sich die Zuneigung Aller, die mit
ihm verkehrten, namentlich aber der Un>
gärn gewann; doch auch seines ercentri»
schen Charakters, der ihn zu allerlei
Sonderbarkeiten verleitete, geschieht Cr-
wähnung. Mit Diplom ääo. Wien
9. September 1828 ist R. vom ein-
fachen Edelmann in den Grafenstand
erhoben worden. Außer der ungarischen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon