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sein Vorhaben aufgab, um seinem Gön»
ner nach Trieft zu folgen. Dort trat er
in daö HandlungShauS Strohlen»
doi f , in welchem R. bald eine solche
Geschicklichkeit und Verwendbarkeit an
den Tag legte, daß er gleich nach Been-
digung des Kruges, durch den die ver»
einigten Staaten ihre Unabhängigkeit er»
kämpft hatten, ungeachtet seiner Jugend
zum Superkargo eines Schiffe« ernannt
wurde, welches von dem Hause Stroh»
lendoi f mit verschienenen Producten,
deren Verkauf Rey e r anuerlraut ward,
nach Baltimore gesendet wurde. Näh»
rend seines mehrmonatlichen Aufenthal«
teS in Amerika fand R. nicht nur Gele»
genheil, seine Kenntnisse in Handels»
fachen in wesentlicher Art zu bereichern,
sondern auch mehreren bedeutenden Per»
sönlichkeiten der jungen Republik, unter
Anderen dem berühmten Benjamin
Frank! in , näherzutreten. Bald nach
seiner Rückkehr nach Trieft errichtete er
selbst ein Handlungshaus, welches, wie»
derholt seine Firma wechselnd, seit Be>
ginn des laufenden Jahrhunderts jene von
Reyerund Schlick führte und alsbald
den Ruf eineS der ausgezeichneten Groß»
Handlungshäuser der Monarchie zu sein,
durch die Solidität seines Gebarens er>
langte. Nachdem also R. schon im Jahre
1783 bötsemäßiger Handelsmann in
Trieft geworden, gewann er durch sein
solides Vorgehen in Mercantilsachen so
sehr die Achtung und das Vertrauen
sowohl, der Behörden wie seiner Mit»
bürger, daß er im Jahre 1898 zum Mit»
gliede der HandelSconsulta, im Jahre
1806 zum Assessor bei dem k. k. Apella»
tions», Mercantil» und Wechselgerichte,
im Jahre 1807 einstimmig zum dirigi-
rmden ersten Borsendeputirten erwählt
wurde. Diesen Posten bekleidete er zu
wiederholten Malen, wurde überdieß
v. Würzbach, biogr. Lenlon. XXV. sNeor. häufig zur Theilnahme an Commissionen
für öffentliche Zwecke berufen. Im Jahre
1808 ernannte ihn die Stadt Trieft auS
eigenem Antriebe und einhellig zum Pa»
trizier und Mitgliede des großen <üon8i-
ßlio nodile. Zu verschiedenen Malen,
wie in den Jahren 1808, 1810 und auch
spater, fiel auf ihn die auszeichnende
Wahl, Mitglied von Deputationen zu
sein, welche die Huldigungen der Stadt
Triest zu den Füßen des Thrones über»
brachten. Als im Jahre 1809 Trieft in
französische Hände überging, übersiedelte
R. mit seinem Geschäfte nach W'ien, wo
ihm wesentlich das Verdienst gebührt,
dem großen Tlansitc>»Handel die Bahn
gebrochen zu haben. Zuerst von ihm näm>
lich war und in ausgedehntester Weise
der bedeutende Waarenzug von Amerika
und England anfangs durch die russischen
Häfen und Polen, dann durch die Türkei
und Ungarn nach Wien und von da
durch Deutschland, ja selbst nach Frank»
reich, was unter den damaligen Umstän»
den mit nicht geringen Schwierigkelten
und Gefahren verbunden war, eingeleitet
und fortgeführt worden. Durch dieses
Unternehmen, ebenso kühn als großartig,
hat Reyer seinem Namen in der Ge»
schichte des europäischen MercantilwesenS
eine bleibende Stelle gesichert. Nachdem
Triest wieder in den Besitz Oesterreichs
gelangt war, kehrte auch R. dahin zurück
und förderte nun mit gleicher Energie
den Aufschwung des überseeischen Han»
dels ebenso durch Auffindung neuer
Wege, wie durch vervollkommnete Ve>
nühung der alten. Zur Centralifirung
der ausgedehnten transatlantischen Cor»
respondenz errichtete R. in London eine
eigene Filiale, stellte eigene Agenten in
Amerika, Westindien und anderen fernen
Ländern auf und unterhielt in den bc»
deuiendsten Handelsplätzen angesehene
22. Februar l8?3.) 26
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon