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edelster Bedeutung. Was ihn aber in
der Unterrichtsfrage zunächst beschäftigte,
war die Aufgabe, welche Stelle bei dem
in den österreichischen Lehranstalten Herr»
sehenden deutschen Unterricht die na«
tionale Sprache — in seinem Schul,
bezirke war es die slovenische —ein-
zunehmen habe. Ts bestand dafür in
Oesterreich weder eine Vorschrift, noch
war die Sache bisher durch Erfahrung
geregelt; er beschloß demnach die Gin«
richtung derjenigen Lehranstalten im Aus«
lande durch eigene Anschauung kennen
zu lernen, wo wegen der beisammen be»
stehenden deutschen und slavischen Volks-
elemente beide Sprachen in den Unter-
richt einbezogen sind. Solche Lehranstalten
bestehen zunächst in Preußisch.Schlesien
und in Sachsen. Er unternahm deßhalb
im Juli 4830 eine Reise und hatte die
Schulen in Ratibor, in Gleiwitz, Oppeln,
Brieg, Neisse, Breslau, dann in Bautzen,
Görlitz, Leipzig, Dresden, endlich in
Leitmeritz, Prag, Brunn und Olmütz, im
Ganzen 18 Gymnasien, besucht, und sich
mit 37, darunter bedeutenden Schul»
männern, wie mit Meh lhorn , Ka>
bath, Sp i l le r , Zastra, Peschke,
Dr. Ochmann, Krömer, Notter,
Dr. Po HI. Dr. F. W. Hof fmann.
Dr.Nobbe, vr .Wagner. Oberlehrer
Hel lw ig , in unmittelbaren Verkehr
gesetzt, und die Frage, um deren Lösung
es sich handelte, mit ihnen eingehend
erörtert, wie auch den auf den einzelnen
Anstalten bestehenden UsuS aufmerksam
studirt und darüber ein detaillirtes
Tagebuch geführt. Das Ergebniß seiner
Forschungen theilt, er in einer Stelle
seines Tagebuches mit; sie lautet: „über
die große Frage, wie das Slovenische
gegenüber dem Deutschen an meinem
Gymnasium zu behandeln sein würde,
fand ich keine genügende Lösung. Daß der Beamte, der Seelsorger, den fein
Loos bestimmt, mit dem slovenisch
sprechenden Volke zu verkehren, dieser
Sprache selbst mächtig sein soll, und
zwar als der Gebildete, in einem höheren
Maße als das Volk. darüber stimmen
Alle überein. Allein ebenso fest steht es,
daß die deutschen Regierungen, die über
slavische Landestheile herrschen, dahin
arbeiten, der deutschen Sprache und Ge»
sittung überall Eingang und Uebergewicht
zu verschaffen. Ja , es steht sogar fest,
daß das Volk als Masse und Gesammt-
heit diesem Eindringen der deutschen
Sprache und Gesittung keineswegs fühl«
baren Widerstand leistet. Es erblickt in
der deutschen Sprache und Gesittung die
Vermittlung zur höheren geistigen Aus»
bildung, zur größeren Tüchtigkeit im
Geschäftsleben, zu vielseitigem Vortheil»
haftem Verkehre mit den deutschen Pro»
vinzen. Ihm ist daher der Unterricht im
Deutschen praktisches Bedürfniß, der
Slave will die nöthige Kenntniß des
Deutschen besitzen, und wenn er höhere
Zwecke verfolgt, eine mehr als nöthige,
vollkommen ausreichende und ihn dem
Deutschen gleichstellende Kenntniß. Daß
letzteres Ziel dadurch erreicht würde, wenn
das Deutsche an den slavischen Gymnasien
nur als Unterrichtszweig mit der erfor»
derlichen Stundenzahl gelehrt würde, ist
sehr zweifelhaft: daß aber jene für den
künftigen Beamten und Seelsorger noth»
wendige Sprachfertigkeit im Slavischen
dadurch erreicht werden könne, wenn am
Gymnasium die Muttersprache der slavi«
schen Gymnasiasten zweckmäßig gelehrt
würde, weil es ja eben Muttersprache ist
und somit nicht eigentlich als etwas
Fremdes angelernt, sondern nur dem
Bewußtsein näher gerückt und besser ent»
wickelt und ausgebildet werden soll,
daran zweifelt Niemand. Somit stände
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Band 26
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rhedey-Rosenauer
- Band
- 26
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1874
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 436
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon