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geführten Altären jener für die Familien-
gruft des Fürsten Lamberg, zugleich
mit Leuchter, Kanontafel und Ampel,
dann ein zweiter für Budweis, acht
Klafter hoch, mit Ornamenten in Gold;
— ferner ein geschnitztes Chor für die
fürstliche Begräbniskapelle zu Nesamislih,
über di.e dabei befindliche Statue der
schmerzhaften Mutter Gottes hat der als
Kunstkenner anerkannte NovellistAdalbert
St i f ter einen begeisterten Bericht ver-
öffentlicht. — Nun aber folgte sein eigent-
liches Meisterstück, der sogenannte „Nai-
skrbrcher", den R. in den Jahren 1862 bis
1364 gearbeitet und der seinem Namen
im Auslande erst Anerkennung verschaffen
sollte. Den Pokal fertigte der Künstler
aus Einem Stücke Bucksbaum; er ist
zwei Schuh hoch und entzückt durch seine
sinnige Comuosition. Der Hauptkörper
enthalt in vier mit äußerster Reinheit
durchgeführten Reliefs Darstellungen aus
der deutschen Kaisergeschichte, und zwar
die Krönung Karl 's des Großen; die
feierliche Nebergabe der Reichskleinodien
an den Sachsenherzog Heinrich den
Finkler; die Demüthigung der Lombar-
den durch Friedrich den Rothbart und
Rudolph'S von Habsburg Begeg.
nung des Priesters, der mit der h. We^
zehrung zum Kranken eilt. Diese Bilder
sind durch Slabnischen von Laubdachern
in gothischer Form überdeckt, von ein«
cmder geschieden und in den Nischen
stehen- die Statuetten der Kunst, der
Wissenschaft, der Industrie und des Han»
dels als Symbole des regen deutschen
Culturlebens. Auf einer von natürlichen
Stäben überscbnittenen S>'drägflache
(Biseau) oberhalb jenen Medaillons und
Figuren ruhen, mit den entsprechenden
Fürstenhüten geziert, die in Basrelief
geschnittenen Wappen der sechs deutschen
G-oßherzogthüiner, umschlungen von einem Eichenkranze und omamentalen
Schriftbande, während der Griff des
Bechers die heraldischen Schilde der vicr
freien deutschen Städte tragt und auf
dem Fuße des Pokals noch weitere zwölf
Wappen souveräner deutscher Fürsten
zwischen Stabwerk und Schriftbändem
künstlerisch angeordnet zu sehen sind.
Ueber einen dichten, mit Bandern um-
wundenen Wulst von Lorbeern baut sich
der neun Zoll hohe. der Form der alten
Kaiserkrone ähnlichst nachgebildete Deckel
auf, der nach außen den kaiserlichen
Doppeladler, rings umgeben von den
Wappenschildern der fünf deutschen Ki>
nige, trägt; während nach innen in der
kunstvoll durchbrochenen Höhlung dieser
Arabeskenkcone die Standbilder der Be-
kehrer und Apostel Deutschlands sichtbar
werben und sich daS ganze, so reich»
geschmückte Kunstwerk mit der Figur der
mit Schild und Schwert gerüsteten Ger»
mania schließt und krönt. Der Becher
wurde in einer zu Gunsten des Präger
DombaU'Vereins veranstalteten Lotterie
ausgespielt und der Künstler mußte ein
Anerbieten von mehreren tausend Tha«
lern. das ihm gemacht worden, in Folge
dessen ablehnen. Nach diesem Pokale
wendete sich
der.Künstlcr der Ausführung
von Schmucksachen in Holz zu. und ein
Halsschmuck mit Ohrgehangen befindet
sich im Besitze Ihrer Majestät der Kai.
serin Elisabeth; ein Werk von einer
nicht zu beschreibenden Feinheit und Zier»
lichkeit in der Ausführung. Von spateren
Arbeiten des Künstlers ist auch eine lebens«
große Statue d'es h. Johannes bekannt
geworden, welche im Jahre 1866 im
österreichischen Museum aufgestellt gewe-
sen. Sonst find dem Herausgeber dieses
Lexikons bekannt eine Flucht nach Egyp"
ten, Tellergröß?. ou.il mit ornamentaler
Rah mein faffung aus Nußholz, das Bild:
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Band 26
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rhedey-Rosenauer
- Band
- 26
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1874
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 436
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon