Seite - 190 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rhedey-Rosenauer, Band 26
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Nitter Nitter
tage. der damals zu Oedenburg statb
fand. und in den zwei folgenden Jahren
begab er sich als Abgesandter der Stadt
Zengg an den kaiserlichen Hof nach
Wien. Sem Auftreten daselbst schildert
und charakterifirt die von dem Heraus
geber dieses Lerikons benutzte Quelle
folgendermaßen: „Um in seinem Vater
lande seine literansch'politischen Zwecke
beffer verfolgen zu können, mußte er
seinen wahren Vorsatz anfangs unter der
Maske literarischer Charlatanerie vcr«
stecken. Da er sah. daß der Familienstolz
sehr weit ausgebreitet war, so sing er
von der Heraldik an und fadricirte
Stammbäume aus seinem Kopfe, aus
etymologischer Wortdeutung, aus der
Poesie und Redekunst. Wenn er mit
diesem Redekram die interessirten Farm
lien aufmerksam gemacht und an sich
gefesselt und es nun zum scharfen juri-
dischen Beweise kommen sollte, so ließ er
sich die Archive zeigen, brachte dieselben
in Ordnung und machte sich Anmer»
kungen zu seinem literarifchen Behufe.
Besonders beliebt machte er sich in Wien
durch Lobgedichte und Anagramme auf
den Kaiser und seine Minister, und so
gewann er auch die Gunst des einfluß-
reichen Bischofs Ladislaus Grafen Kol-
lonitsch." Nach längerem Aufenthalte
in Wien kehrte er nach Agram zurück,
wo er sich ein Haus und das Gut 8it»
jarevo kaufte, aber von Zeit zu Zeit in
Privatgeschäften als Vertreter Anderer
nach Wien reiste. Im Jahre 1687, zur
Zeit des Preßburger Reichstages, wohnte
er der Krönung Joseph'S I. bei und
ward daselbst zum Ritter vom goldenen
Sporn geschlagen: im Jahre 1691 wurde
er Vicegespan von Lika und Krbava,
dann königlicher Rath und zuletzt Frei«
Herr. (Ein seine freiherrliche Würde be-
treffendes Diplom war nicht aufzufinden.) Er beredete die Stande der drei Reiche
zur Errichtung einer Druckerei in Agram.
Unter Kaiser LeopoldI . erhielt erden
Auftrag zu Nachforschungen in den Ar-
chiven nach Allem, was zum Erweis der
Rechte des ungarischen Reiches auf die
illyrischen Länder dienlich wäre. Aber»
so stdnell, wie sein Glückstern aufgestie»
gen, ebenso schnell begann er zu sinken.
Die Ursachen, die diesen plötzlichen
Glückwechsel hinreichend erklären, sind
nicht bekannt. Kurz, sobald Kaiser Leo»
pold I. gestorben (3. Mai 1703), bra-
chen die Unwetter über den bisher Be<
günstigten los, er mußte Haus und Gut
in Croatien verkaufen und das Land
verlassen. Indem er in Wien Zufiucbt
vor seinen Verfolgern suchte, hatte ihn
dort, ehe er seine Geschäfte in Ordnung
gebracht, der Tod ereilt swie Kerce li ö
berichtet, „priuZ Knem vitas hunm no
AOtiorum Luoruw. Lortitus"^. Die nach-
sten Ursachen dieses auffälligen Glück»
Wechsels sind in den Umtrieben des Adels
und der Geistlichkeit zu suchen. Sein
Verhältniß zum Hofe und zu den Wür«
denträgern der Krone wurde von den
Wortführern und dem Adel im Lande,
mit scheelen Blickm betrachtet; seine Auf«
klärurigsversuche,, insbesondere aber die
Errichtung einer Druckerei in Agram,
die Ausübung der Schriftstellern in der
Nationalsprache der Weltlichen, welches
Befugniß die Mönche und Priester als
ein ihnen allein zustehendes ansahen,
ferner die Ausdehnung der Literatur auf
profane Gegenstande, in einem Lande, in
welchem die Geistlichkeit sich ihren sehr
zweifelhaften wissenschaftlichen Nimbus
nicht so leicht rauben ließ, machten ihm
die im Lande herrschende geistliche Partei
zum Widersacher, wozu noch manch
Anderes gekommen sein mag. was nicht
geeignet war, sein Ansehen zu stärken
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Band 26
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rhedey-Rosenauer
- Band
- 26
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1874
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 436
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon