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Kitter 492 Bitter
Ueberdieß war er ein warmer Patriot
der wohl wußte, was seinem veiwahv
losten Vaterlande uoththat, und sich
vornehmlich um die Förderung seiner
Muttersprache, sowie durch die erwähnte
Errichtung der Druckerei ein um so grö
ßeres Verdienst erwarb, als er in dieser
Beziehung manche Hindernisse zu besei>
tigen und mit mönchischem Zelotismus
der gröbsten Art zu kämpfen hatte. Vieles
ist noch nicht aufgeklärt in dem Leben
dieses Mannes, der in semer Zeit eine
bedeutende Rolle gespielt und wohl ein
Opfer ebenso seines ungebändigten Ehr»
geizes, wie fremder rücksichtsloser Caba»
len geworden ist.
Paul Ios. 8llfa5ik's Geschichte der südslavi,
schen Literatur. Aus dessen handschriftlichem
Nachlasse herausgegeben von Ios. I ireoek
(Prag 1865. Frledr. Tempsky. 8«) I I . Il ly.
risches und croatisches Schkiftthum. S. 307
313, 326, 227, 334. 330, 34t. — Sartori
(Franz Dr.), Historisch«ethnographische Ueber»
ficht der wissenschaftlichen Cultur, Geistesthä.
tigkeit und Literatur deS österreichischen Kai,
serstaates u. s. w. (Wien 4830, Carl Gerold.
t«.) i . (u. einziger) Theil. S. 94. — Engel
( I . Ch. Y.), Geschichte des ungarischen Reichs
und seiner Nebenländer (Halle 17U7 u. f.. 4<>.)
Theil I , S. 288—290; Theil I I , S. 140.
!53—l57. —
2ar2 i836, 8°.) x. 268.
Noch sind folgende Personen des Namens Rit»
ter anzuführen: 1. Ernst Ri t ter , der
Pseudonym für eine schriftstellernde Dame,
die. keine geborne Oesterreicherin, doch seit
Jahren in Oesterreich, und zwar in Wien,
Aussee, wo sie eine Villa besaß, welche jrtzt
im Besitze des Herzogs von Braunschweig ist.
und in Linz lebte. Ihr eigentlicher Name
ist Binzcr und nach einer im Besitze des
Herausgebers dieses Lexikons befindlich en Vi«
sitenkarte ist ste eine „Baronin (?) B inzer
geborne von Gerschau". Heinrich Kurz
im 4. Bande seiner „Geschichte der deu Ischen
Literatur" schreibt sie Pinzer, was unrich»
tig ist. Nach Kurz hätte sie längere Zeit bei
der Herzogin Dorothea von K u r l a n d
gelebt, und die Frankl'schen „Sonntags« blätter", welche ihrer Zeit zuerst auf diese
Dame aufmerksam gemacht, nennen sie die
in Augsburg lebende Gattin des Herrn von
Binzer, der ebenfalls alF Schriftsteller
unter seinem Namen mit dem Buche: „Vene»
dig im Jahre 1843" und mit „Novellen"
unter dem Pseudonym Beer aufgetreten ist.
Allem Anscheine nach ist sie also die Gattin
des als Verfasser des Studentenliedes „Wir
hatten gebaut ein stattliches Haus" bekann»
ten August von Binzer, der über ein
Vierteljahrhundert im Sommer in Alt<Aussee
und im Winter in Linz lebte und am 20. März
1868 zu Neisse in Schlesien gestorben ist.
Die uon Ernst Kei l herausgegebene „Garten,
laube" brachte im Jahrgange 4868, Nr. 25,
S. 389, in dem Aufsatze: „Wieder Einer von
der eisernen Jugend", einen sehr anziehenden
Aufsatz über ihn mit ftinem Bildnisse. Um
zu Frau von Binzer zurückzukehren, so ist
es bekannt, daß sie seit Jahren mit dem
Dichter v. Zedlitz in freundschaftlichen Bc,
ziehungen stand und denselben während seiner
letzten Krankheit bis zu seinem Tode mit der
größten Hingebung pflegte. Jetzt soll sie nach
Steiermark sich zurückgezogen haben. Sie
trat so ziemlich gleichzeitig als Novellistin
und dramatische Dichterin, beides unter dem
Pseudonym Ernst Ri t ter , den sie auch
für die Folge beibehalten 'hat, auf. Sie gab
im Jahre 1846 „Mohnkörner. Gesammelte
Novellen". 2 Bände (Pesth, Heckenast, 80.)
heraus, welche eine sehr beifällige Aufnahme
fanden, aber von ihren späteren „Erzählun»
gen" (ebd. 1850) übertroffen wurden. Auf
die Bühne brachte sie drei größere Stücke;
alle drei: „Die Gauklerin", Drama in fünf
Acten nach Heinrich König's Roman „Ni l ,
liam's Dichten und Trachten", dann im
Jahre 1847 das Drama: „Karoline Neuber"
und nach mehr als zehnjähriger Pause im
Jahre 1868 das idyllische Schauspiel „Ruth",
wurden auf dem Wiener Burgtheater gegeben.
Die ersten zwei fanden einen sogenannten
3uoeö8 6.'6stiln<2, das letzte einen durch
die Unempfanglichkeit eines katholischen Pu-
blicums für dramatisch bearbeitete biblische
Stoffe veranlaßten Mißerfolg. ^Frankl (3.
A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8".) 1846.
Beilage Nr. 34: „Kein Ritter". — Grenz»
boten, herausg. von I . Kuranda (Leip'
zig. 80.) 1847. Bd. I, S. 169, in der „Corre>
spondenz 2". — Kurz (Heinrich), Geschichte
der deutschen Literatur mit ausgewählten
Stücken aus den Werken der vorzüglichsten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Band 26
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rhedey-Rosenauer
- Band
- 26
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1874
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 436
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon