Seite - 203 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rhedey-Rosenauer, Band 26
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Rizl), Franz Theobald Freiherr von
(Rechtsgelehrter, geb. zu Wien im
Jahre 4807). Beendete in Wien die
philosophischen und rechts Wissenschaft'
lichen Studien, erlangte daselbst Ende
Mai 1831 die juridische Doctorwürde,
und durch seine Schriften über den
„Haupteid" und die „Verbindlichkeit zur
Beweisführung im Civilprocesse — die
bibliographischen Titel derselben folgen
auf Ceite 203 — richtete sich die Auf-
merksamkeit der juridischen Professoren
auf den strebsamen Nechtsgelrhrten,
der am -16. November 1838 die Stelle
eines Supplenten der Lehrkanzel des
österreichischen bürgerlichen Rechtes an
der Hochschule zu Wien erhielt. Vier
Jahre versah R. diescn Posten, dann
wurde er am 11. April 1842 zum Hof»
und GerichtS-Advocaten in Wien er-
nannt. Im Jahre 1848 befand sich R.
unter den Mitgliedern der damaligen
Gemeindevertretung und war in dicser
Stellung, in jener Zeit, wo Alles außer
Rand und Band ging und in dem Ueber-
muthe des abgeschüttelten Despotismus
über alles Necht und Gesetz eine Begriffä»
Verwirrung ohne Gleichen herrschte, ins»
besondere auf energische Aufrechterhaltung
der gesetzlichen Ordnung bedacht. NlS
noch im nämlichen Jahre eine Ministe«
rial-Commission zusammengestellt wurde,
deren Aufgabe es war, die in den deut«
schen Rheinländern geltenden Rechtsinsti»
tutionen zu studiren und im Hinblicke
auf deren praktische Anwendung einer
sorgfältigen Prüfung zu unterziehen,
wurde R. als Mitglied in dieselbe be-
rufen und nach Rückkehr von dieser Mis»
fion den wichtigsten Gesetzgebungsarbei«
tcn beigezogen, mit ah. Entschließung
vom ?. August 1849 aber zum General«
Procurator bei dem Oberlandesgerichte
deS Kronlandes u. d. E. ernannt. Es war also Or. R i z y der e r st e G e n e r a l-
P r o c u r a t o r NiederösterreichS und
wurde diese Ernennung von der conser«
vativen Partei, deren unverfälschter Aus-
druck damals im „Oesterreichifchen Cou»
rier" (unter verändertem Namen Bauer«
le's „Theater-Teitung") 1849, Nr. vom
13. August, zu suchen, mit Freude be«
grüßt. Im folgenden Jahre begründete
Dr. R. die „Allgemeine österreichische
Gerichts Zeitung", welche unter seiner
unmittelbaren Zeitung und Mitwirkung
ein volles Decennium verblieb, und wel-
cheS Fachblatt in einer für die Entwicke-
lung der Rechtspflege entscheidenden Pe.
riode zur richtigen Auffassung und An»
Wendung der Gesetze wesentlich beitrug.
In die Sphäre der richterlichen Thätig-
keit ging R. über, als er mit ah. Ent»
schließung vom 23. Juli 1856 zum Vice-
Präsidenten des österreichischen Ober«
landesgerichts ernannt wurde. Vier Jahre
später, am 21. December 1860. wurde
R. mit der Führung des eben erledigten
Oberlandesgerichts'PrasidiumS und der
damit verbundenen Geschäfte betraut,
aber schon im folgenden Jahre mit ah.
Entschließung vom 16. Februar 1861 in
daS k. k. Justizministerium als provisori»
scher Sectionschef einberufen und wegen
dauernder Erkrankung des Iuslizmini»
sters durch ah. Entschließungen vom
23. Juli und 9. September 1861 beauf-
tragt, in Gemeinschaft mit dem proviso-
rischen Ehef der administrativen Zection
die Leitung der Geschäfte deS Justiz-
ministeriums und die Vertretung des'
selben im Reichsrathe zu übernehmen.
Anfangs September 1861 wurde Dr. R.
nach Hannover entsendet, um bei der
dort zur Ausarbeitung einer allgemeinen
Civilproceß'Ordnung für die deutschen
Bundesstaaten tagenden Bundescommis»
sion als Verireter Oesterreichs mitzuwir»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Band 26
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rhedey-Rosenauer
- Band
- 26
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1874
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 436
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon