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Nößler 254 Msiler
ober kostbare Schätze zu Tage förderte.
Zu diesem Zwecke durchforschte er fleißig
Bibliotheken und Archive und begann
im Jahre 1843 die Herausgabe der
deutschen Rechtsdenkmaler aus Böhmen
und Mahren. Der erste, mit einer Vor-
iede von Jacob Gr imm eingeleitete
Band führt auch den besonderen Titel:
„Nll3 ültsiraglr Stadtrecht ans dem XIV. Jahr-
Hunderte, nach den vorhandenen HllndHriktrn
Mn er5ten Male hrrllnsgrgrben nnd erläutert"
<Prag 1846. Fr. TempSky). R. führte
darin der Erste den urkundlich festgestell«
ten Beweis. daß Prag eine ganz
deutsche Stadt und aus der ersten
Niederlassung der Deutschen auf dem
Poricz die ganze Stadtgemeinde allmälig
erwachsen ist. Zur Zeit, als Rößler
dieses Werk herausgab, war es mit dem
Studium der Rechtsgeschichte an den öster-
reichischen Universitäten übel oder, richti-
ger, gesagt, gar nicht bestellt, dieser Gegen-
stand stand nicht auf demLectionskataloge,
und so ist es als ganz besonderes Ver-
dienst R.'S anzusehen, daß er bei der k. k.
Studien-Hofcommission um die Versuchs»
weise Gestattung rechtsgeschichtlicher Vor-
lesungen an der Wiener Hochschule ein»
schritt, welche er auch anstandslos erhielt.
R. übersiedelte im Jahre 1846 nach
Wien und hielt auch diese Vortrage, die
große Theilnahme fanden und nicht blos
von Studirenden, sondern auch von an»
deren Gebildeten, ja selbst von hock-
gestellten Staatsbeamten besuckt wurden.
Diese Vortrage hat N. unter dem Titel:
„Veber die Neüeutung nnii Behandlung l>er Ge-
schichte des Nrchts in Oesterreich" heraus'
gegeben. Bei seinen Vorstudien zu die»
sen Vortragen war er mit den Werken
von Sav igny. I . Gr imm, Sien«
zel, Hormayr u. A. bekannt gewor<
den, und dieß weckte sein Verlangen, den
»Geist der deutschen Hochschulen, an wel. chen solche Männer wirkten, aus eigener
Anschauung kennen zu lernen. Er ver«
wirklichte dieses Verlangen im Jahre
1847, in welchem er die wichtigeren
Hochschulen Deutschlands besuchte, man«
chem bedeutenden Forscher und Manne
der Wissenschaft näher trat, zugleich aber
für seine eigenen Zwecke Archive und
Bibliotheken durchforschte. Nachdem er
noch an der ersten Versammlung der
Germanisten in Frankfurt a. M. theil«
genommen, kehrte er im Herbste d. I .
nach Wien zurück, im Herzen ein Ande-
rer, denn er hing mit demselben an
Deutschland. In Oesterreich begannen,
von Niemand unmittelbar angeregt, nur
durch die chaotischen, geistmörderischen
Zustande der vormärzlichen Zeit geweckt,
die Vorbereitungen zum Anbruche einer
neuen Zeit. Und in solche Perioden
finden sich Naturen von N.'s Eigenart
nicht hinein. Wohl betheiligte sich R. im
Anbeginne lebhaft daran, aber bald
nahmen die traurigen Zustände in seinem
Heimatlande seine ganze Aufmerksamkeit
in Anspruch, der von den Oechen gegen
die Deutschen ausgeübte Terrorismus
führte diese letzteren zur Vereinigung,
welche in dem in Wien von den dort
lebenden Deutschen gebildeten „Verein
der Deutschen auS Böhmen" einen le»
bendigen Ausdruck erhielt. N., bald
in'S Comits gewählt, betheiligte sich leb«
hast an den vom Vereine begonnenen
Arbeiten, als die Ausschreibung der
Wahlen für das Frankfurter Parlament
ihn auf andere Bahnen lenkte. Einer
Einladung seiner Vaterstadt Brüx fol«
gend, trat R. als Candidat im Wahl-
bezirke Saaz auf und wurde auch wirk-
lich gewählt. R. begab sich nun an seine
Bestimmung und legte dort durch seine
politische Haltung den Keim zu jenen
Mißerfolgen in allen seinen späteren
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Band 26
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rhedey-Rosenauer
- Band
- 26
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1874
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 436
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon