Seite - 256 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rhedey-Rosenauer, Band 26
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Wßler 256 Nößler
gen scheiterten, wenn nicht mehr an poli»
tischen Motiven, so an seiner katholisckm
Confession! So arbeitete der arme Ge<
lehrte, im Umgänge mit der Jugend voll
Freundlichkeit und uneigennütziger Hin-
gabe, in der Wirklichkeit darbend und oft
das Nöthigste entbehrend. I n diese Lei-
denszeit fallt die Herausgabe einer Schrift,
für welche er in der Göttinger Bibliothek
die reichsten, bisher unbeachtet gebliebe-
nen Materialien aufgefunden und benützt
hatte, und die unter dem Titel: „Nie
Gründung der V.tüllersit'ät (Mtingrn. Gine
Sammlung bisher ungedrnckter Ontmnrke, Ne>
richte nnd Nrietr nun G.A.n. MünH Hansen,
I. 3. n. Mosheim, Albert u. Hall er,
G. O. Aühmer und anderen ^eitgrno32rn.
Zur Geschichte des deutschen misZenZchMichen
Dbeu5 im XVlll. Jallchunderte" (Göttingen
181)8, 8".) erschien. „Wer Rößlcr in
in Göttingen", schreibt einer seiner Bio«
graphen, „mit seinen Freunden in der
munteren liebenswürdigen Art, die ihm
eigcn war. verkehren sah. konnte glauben,
daß er die Trostlosigkeit seiner Lage nicht
begreife, nur. wer ihn naher kennen
lernte, überzeugte sich bald, daß hinter
dem scheinbaren Frohsinn eine trübe,
melancbolische Stimmung sich barg. die
in einsamen Stunden die Herrschaft über
ihn gewann". Während seines Anfent-
Haltes in Göttingen trug sich,N. aucl>.
mit dem Plane einer Herausgabe der
noch ungedruckten Werke von Leibnitz.
R. hatte nämlich auf der Bibliothek in
Hannover eine Fülle von Briefen, Denk-
schriften und Actenstücken, die einen wah->
ren Schatz für die Geschichte des wissen«
schaftlichen Lebens in Deutschland zur
Zeit des großen Philosophen enthielten,
aufgefunden. Ein Fragment dieser For»
schungen veröffentlichte Rößler in den
Sitzungsberichten der kaiserlichen Akade-
mie der Wissenschaften Phil. hist. Classe in Wien unter dem Tilel: „Beiträge zur
Staatsgeschicdte Oesterreichs aus G. W.
von Leibnitz'scben Nachlasse in Hanno-
vers (Bd. XX, S.267—289); nebenbei
gesagt, hatte R. in denselben Sitzungs-
berichten schon früher eine Mittheilung
über das österreichische Landrecht (Bd.XI,
S. 349 u. f.) drucken lassen. R. hatte
bereits den Plan zur Herausgabe der
werthvollsten Stücke entworfen, viel Auf«
wand von Zeit und Geld an eine Menge
von Abschriften gewendet, die schwer-
leserlicben Concepte des großen Philo»
sophen genau durchstudirt und erklärende
Noten beigefügt; aber es fand sich kein
Verleger für diese Arbeit, an eine Geld»
Unterstützung von irgend einer Seite war
auch nicht zu denken. Da kam ein fran»
zösischer Gelehrter —Foucher de Ca-
reil dürfte es sein — der sich mit höch-
sten Orts ihm gemachten Zugeständnissen
zur Herausgabe der Schriften von Leib-
nitz auswies, und N., um seine mühe»
volle Arbeit doch einigermaßen zu ver^
werthen, verkaufte dieselbe um ein Ge>
ringes dem Franzosen, der nicht nur die
sonderbare Entdeckung machte, daß Leib»
nitz ein Slave von Abstammung sei!
sondern nachdem er mit Rößler's Vor«
arbeiten Preise gewann, auch nicht an
einer Stelle des Mannes gedachte, dem
er dieses Material verdankte. Um nun
doch einigermaßen seine drückende Lage
zu verbessern, nahm R. im Frühjahre
1838 die Stelle eines zweiten Bibliothe-
kars an der Universität zu Erlangen in
Bayern an, welche noch immer dürftig
genug, aber R. geeignet schien, ihn aus
den drückendsten Lebenssorgen zu be>
freien. R. übersiedelte dahin und begann
nun auch da mit Lust und Liebe zu arbei»
ten. Aber mit unzureichenden Mitteln
läßt sich in ein Chaos, wenn man selbst
die Arbeitskraft eines Niesen besitzt, keine
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Band 26
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rhedey-Rosenauer
- Band
- 26
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1874
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 436
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon