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Nößler 261 Nößler
beffen literarische und poetische Geschäft!»
gung bisher nur in befreundeten und
Literaturkreisen bekannt war, ausdrück-
lich genannt erschien. N. hatte sich lange
geweigert, aus seinem Incognito heraus»
zutreten, und sich auch dazu nur durch
seinen Freund Klar überreden lassen.
Da ferner K lar den Cyklus aucb beson-
ders, u. z. zum Bchen seiner Blinden
he: ausgab, so wulden, da die Poesien
,alü Zeitproduct reißend abgingen, auch
für den humanen Zweck mehrere Tausend
Gulden erzielt. Eine poetisch bei weitem
gehaltvollere Arbeit brachte Mocb der
Jahrgang 18!>6 des von Ko l lmann
herausgegebenen belletristischen Jahr»
bucds „Album der Erinnerungen" in
dem lyrisch»epischen Gedichte: „Milada'ü
Lieder an Milorod", in welchem R. die
einfachen Ereignisse zweier Ziebenden in
ungemein sinniger Weise verherrlicht. Als
Rößler im Jahre ^862 nach Linz über.
siedelte, wurde er Publicist, und zwar
Hauptmitarbciter des Linzer Abendblat»
tes. Ueber R ö ßle r's poetische Begabung
schreibt sein bereits genannter Biograph:
in Roßler überwiegt das epische und
episch'lyrische Element vor dem rein lyri«
schen. Darum gelang ihm Ballade und
Romanze besonders; für das komische
Epos und den komischen Noman würde
er das beste Z.'ug in sich gehabt haben.
Epigramm und Satyre lagen ihm nahe,
Beides pflegte er in den „Kanthariden"
^worüber die Biographie keine weiteren
'Aufschlüsse enthält, wahrscheinlich sind es
beißende Epigrammes voll zeitgemäßer
Anspielungen. WaS R. den Menschen im
-Verkehre, im gesellschaftlichen Leben an»
belangt, so wkiren es zwei Seiten, die
ihn in guten Tagen äußerst gesellig mach«
ien; die eine: seine humoristische Ader, die
andere: seine wie ein Kunstwerk abgerun»
dete Gelehrsamkeit, die auch wahrend des Gespräches rasch in Fluß kam und
bald schlag» und citatfertig wurde. Sein
Vortrag und seine Rednergabe waren
fließend, und er hatte die Art und
Weise eines nicht in einen bestimmten Ty>
pus von Menschenclaffen einzureihenden
Mannes. Man konnte nicht gleich beim
ersten Anblicke sagen: „Er ist ein Indu-
strieller!" oder „Er ist ein Schriftsteller'."
Er gehörte in die Gilde der schwer ein»
Anreihenden Menschen, deren hohe, aus-
geglichene, echt humane Bildung eine
Art von „Rittern des Geistes" schaffl.
und alles Zunftmäßige verbannt. Bei sei»
ner industriellen — Stellung besuchte R.
öfter Wien, wo er mit den Dichtern Ca>
stelli und Ioh. Gabr. Seid l befreun»
det war. Als vortrefflicher Schachspieler
war scin Name auch in den Schachkreisen
deö Auslandes bekannt und mit dem
berühmten Berliner Schachspieler Han«
stein, der überdieß auch als ausgezeich-
neter .Uebersetzer englischer Dichtungen
bekannt ist, stand N. in den freundschaft»
lichstm Beziehungen. Da R. als Indu-
strieller durch Ausstellungen der unter
seiner unmittelbaren Leitung stehenden
Glasfabriken einen guten Namen besaß,
überdieß für Kirche und Schule semer
Heimat als Humanist sehr thätig war.
so wurde er, als seine „Lieder von der
Tafelrunde" erschienen, im Jahre 4834
mit dem goldenen Verdienstkreuze mit
der Krone aufgezeichnet. Von dieser Zeit
an aber fesselten sich Mißgunst und Neid
an die Felse des zu Ehren gelangten
Mannes, und führten jcncn Wechsel in
seinen Verhaltnissen herbei, dessen oben
in der Lebensskizze gedacht worden,
schließlich sei noch bemerkt, daß unter
dem Kar l Nößler, der im I I . Bande,
S. 321. des Werkes: „Oesterreich im
Jahre 1840" (Leipzig l840, O.Wigand.
gr. 8".) mit mehreren Anderen alü No»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Band 26
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rhedey-Rosenauer
- Band
- 26
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1874
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 436
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon