Seite - 165 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sax-Schimpf, Band 29
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430 Grenzern und 100 Reitern um Mit-
ternacht in Urfahr einen Besuch. 3 Ossi»
eiere, 33 Mann nahm er gefangen, an
30 Pferde erbeutete er, alle Brücken-
arbeiten des Feindes zerstörte er, nahm
viele beladene Schiffe dem Feinde ab; in
Linz, wo Kaiser Napoleon sich befand,
machte dieser Handstreich große Bestür»
zung; Kaiser Franz aber beförderte S.
zum überzahligen Major im Regimente. —
Einige Wochen spater, am 29. Novem»
ber, führte er vor Tabor einen ähnli-
chen Handstreich aus. indem er die feind-
liche Vorhut, aus einer starken Huszaren-
Abtheilung bestehend, welcher in einiger
Entfernung die Infanteriecolonne mit
mehr als 300 Packwagen folgte, sofort
mit seinem Detachement angriff, den
Schwadronschef mit 21 Mann gefangen,
an 30 Pferde als Beute mitnahm und
solche Bestürzung bei dem Gegner hervor-
brachte, daß die ganze Infanteriekolonne
in der Flucht ihr Heil suchte. — Am
17. April 1809 bestand er bei Pfaffen-
Höfen gegen daS weitüberlegene CocpS
des Generals, nachmaligen Marschalls
Oudinot ein Gefecht, wodurch der-
selbe drei Tage lang von der Vereinigung
mit der französischen Armee abgehalten
wurde', am 2l . April d. I . stand or bei
Maßburg einem zehnfach überlegenen
Feinde gegenüber und hielt denselben
zum Nutzen unseres fünften und sechsten,
im Rückzüge begriffenen Armeecorps
lange auf, erbeutete auch bei dieser
Gelegenheit 42 Pferde; am 1. Mai
nahm er dem Feinde zwei unserer Ka>
nonen wieder ab; am Schlachttage von
Aspem führte er eine glänzende Attaque
auf die feindliche Recognoscirung auS
— Gine seiner glänzendsten, mit seltener
Bravour ausgeführten Waffenthaten ist
die in der Nacht vom 8. Juli 13N9 er-
solgts Erstürmung der feindlichen Schanze. welche auf der von der Enns bei ihrem
Einflüsse in die Donau gebildeten Land-
spitze aufgeführt, mittelst eines tiefen
Grabens abgeschnitten und mit Pallisa«
den verstärkt war. Die Schanze war.von
Bayern besetzt und wurde von ihnen
auf das Hartnäckigste vertheidigt; aber
ungeachtet des ununterbrochenen feindli«
chen Geschützfeuers wurde S. mit den
Seinen Herr der Scbanze; nun aber ent-
spann sich in der Schanze selbst der
Kampf mit der Besatzung, welche vcr-
zweifelte Gegenwehr leistete. Aber S.
blieb Sieger, nahm einen Officier mit
44 Mann gefangen, wahrend der Rest
der Besatzung theils todt, theils ftwec
verwundet war. außerdem hatte er zwei
Geschütze sammt Bespannung und Muni«
tion erbeutet. Sein eigener Verlust be-
tiug im Ganzen 12 Todte und Ver«
wundete. — Scheibler'S letzte Waffen-
that fällt in das Jahr 1813. Damals
bereits Oberst, hatte er am 22.December
Befehl erhalten, mit 130 Hnszaren,
90 bayerischen CheveaurlegerS und zweien
400 Mann starken PullS Kosaken über
Colmar vorzudringen und die Festung
Schlettstadt zu beobachten. Mit dieser
im Ganzen schwachen Truppe wurde S.
vor Saint Cloix nächst Colmar von
einem französischen, 4000 Mann starken
Reilercorps, welches General Mi lhaut
befehligte, in einen furchtbaren Kampf
verwickelt. Die Darstellung dieses merk-
würdigen Kampfes, in welchem S. von
allen Seiten'von feindlicher Iavallerie
umschlossen war, sich durchschlagen und
endlich gegen das Gros der feind»
lichen Cavallerie lange vertheidigen
mußte, entzieht stch unserer Aufgabe. S.
hatte stch durcbgcfcl lagen und dem Feinde
mit seiner Tapferkeit so imponirt, dnß
dieser den weiteren Kampf aufgab u„o
ftinm Rückzug autrat. Scheiblcr hallo
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Band 29
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sax-Schimpf
- Band
- 29
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1875
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 374
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon