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Scheither 476 Scheither
alt, in ein englisches Reiter-Regiment,
aber nach mehrjährigem Dienste in
der englischen Armee im Jahre 4799
als Rittmeister bei der Stabsdragoner-
Division in die kaiserliche Armee über.
Noch in englischen Diensten hatte sich S.
in der Schlacht bei Famars im Jahre
1793 hervorgethan, wo er erst nach
sieben Säbelhieben und eben so vielen
Stichen sich gefangen gab; später bereits
englischer Rittmeister, wuide er im Jahre
4796 dem Armeecorps des Herzogs Fer-
din and vonWürtternb erg am Unter«
rhcm als Generalstabs.Hauptmann zu«
gewiesen, und hat in dieser Stellung am
6, Juni einer bei Altenkirchen geschlagenen
Colonne der Unseren Fußtruppen, Reiter
und zwei Geschütze aus eigenem Antriebe
eiligst zugeführt, in Folge dessen die
Franzosen geworfen und die verlorene
Verbindung wieder hergestellt wurde.
Seit 1799 in österreichischen Diensten,
vollführte S. eine Reihe der wackersten
Waffenthaten. Am 4. October 4799
führte er, zum Schutze unserer bereits
zurückgedrängten Truppen, bei höchst
unaufgefordert vier Geschütze vor, deren
Feuer den Feind zum Rückzüge zwang.
— Am folgenden Tage deckte er bei des
FeindeS erneuerten Angriffen lange Zeit
die Passage bei Nidda; als er dann die
Absicht des Gegners, unser an der Nidda
aufgestelltes Corps zu umgehen, errieth,
vereitelte er durch trefflich ausgeführte
Dispositionen diesen Plan; als dann die
feindlichen Truppen den Brückenkopf, den
unsere Truppen eben passiren sollten,
bereits besetzt hatten, führte S. ein Ba»
taillon Fußtruppen, zwei Cavalleriege«
schütze und einen Sechspfünder herbei,
und griff mit dieser Verstärkung dieFran«
zosen an, welche bald den Brückenkopf
läumen und auch das nahe Frankfurt,
wohin sie sich gezogen, verlassen mußten. — I n den letzten Tagen des Oclober zeich«
nete sich S. bei der Besetzung des Oden-
Waldes, welcher zur Erhaltung der Ver«
bindung mit unserer Armee nothwendig
war, besonders aus. Die Vertheidigung
des Odenwaldes war aus mannigfachen
Ursachen sehr erschwert und doch uner«
läßlich. Aber S. gelang es in den Tagen
des 26. und 27. Oclober, in der Gegend
von Mudau einen Haufen von 10.000
Bauern, die er theils durch Bitten, theils
durch List zu gewinnen wußte, zu ver«
sammeln, den er noch mit 3000 Würz»
burger Bauern bei Haynstadt verstärkte.
Aber nun galt es. diesen ordnungslosen
Haufen militärisch zu organisiren und
auch zu verpflegen. Kaum hatte er nur
die oberflächlichste Ninlheilung in Ba-
taillone und Compagnien durchgeführt,
als die Kunde vom Herannahen des
Feindes, der bereits bis Waldmichelbach
und Fürlh vorgedrungen war, sich ver»
breitete. Aber schon am 28. October
stellte S. eine Abtheilung von 4000
Bauern bei Strümpfelbrunn, am 30.
eine zweite von 6000 Bauern bei Wald«
michelbach auf. Am 4. November griff
S. mit seinen Bauern den in der Nähe
postirten Feind an und warf ihn mit
starkem Verluste zurück, machte viele Ge«
fangene, große Beute an Pferden, und
imBirkenauerThale wurde das feindliche
2. Cavallerie-Regiment fast ganzlich zu
Grunde gerichtet. Nun bedrohte er mit
seinen Bauern den Feind längs des
Neckars im Rücken, besetzte am 7. No-
vember Eberbach, am 8. Hirschkorn,
marschirte am 12. nach Schönau, griff
Nachts den bei Neckarsteinach und Neckar-
gemünd postirten Feind an. trieb ihn über
den Neckar zurück und bestand mit
seinen muthlosen Bauern noch glücklich
mehrere Gefechte. Bis zum 27. Novem-
ber dauerten alle diese theils glücklichen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Band 29
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sax-Schimpf
- Band
- 29
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1875
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 374
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon