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Doctorwürbe. Zu Ostern 1864 habilitirte
sich S. an der Wiener Universität für
altdeutsche Sprache und Exegese, später
auch für deutsche Literaturgeschichte und
Alterthumskunde. Seine geistvollen Vor-
träge erweckten bald die Aufmerksamkeit
in den maßgebenden Kreisen, und nach
Franz Pfeiffer's ^Bd. XXII, S. 469)
im Mai 1868 erfolgten Tode wurde S.—
.- in einer gelehrten Frage sein entschiedener
Gegner ^vergleiche daS Nähere in S.'S
wissenschaftlicher Charakteristik^ — bereits
mit allerhöchster Entschließung vom 3. Juli
1868 zum o. ö. Professor der deutschen
Sprache und Literatur an der WienerHoch»
schule ernannt. Diese bekleidete er bis zum
Jahre 1872, in welchem er nach einer
von Seite der deutschen Regierung an
ihn ergangenen Berufung an die Straß«
burger Hochschule, welche er annahm,
mit ah. Entschließung vom 24. October
1872 seiner amtlichen Stellung an der
Wiener Hochschule enthoben wurde und
an seinen Bestimmungsort Straßburg
sich begab. Am 24. Juli 1869 war seine
Wahl zum correspondirenden Mitgliede
der philosophisch > historischen Classe der
kais. Akademie der Wissenschaften gmeh«
migt worden. Sowohl in Wien wie in
Berlin hatte S. seiner wissenschaftlichen
Ausbildung eine umfassende Ausdeh«
nung gegeben und sich in Berlin einer
besonderen Anleitung Mül lenh o ff's.
Haupt 's und Homeyer'S erfreut.
Bei Professor Weber hatte er einge-
hende Studien des Sanskrit und der
vergleichenden Sprachforschung getrieben.
I n Gemeinschaft mit Mül lenhof f gab
S. im Jahre 1864 (Berlin, bei Weid-
mann) die „Denkmaler der deutschen
Poesie und Prosa aus dem VII I . bis XI I .
Jahrhundert" heraus. Die Anerkennung,
welche darin liegt, daß S. als Mitar-
beiter eines hervorragenden Fachmannes in die Literatur eingeführt wurde, wird
durch den Werth seinerLeistung im vollen
Maße bestätigt. Mül len ho ff selbst
erklärt in der Vorrede zu dem genannten
Werke, daß die Ausführung des ganzen
Werkes wohl unterblieben wäre, hätte
er Doctor Scherer aus Wien nicht zum
Mitarbeiter, wie er ihn nur hatte wün»
schen können, gehabt. Von Scher er
rührt die kritische Ausgabe des Textes
und die eingehende Besprechung sammt«
licher prosaischer und eines Theiles der
poetischen Stücke — also die größere
Hälfte des Buches her. Auch an einem
anderen Werke Müllenhoff 's, an den
„Altdeutschen Sprachproben" (Berlin
1864, Weidmann) hat S. nicht uner-
heblichen Antheil. Im nämlichen Jahre
erschien dann sein Habilitationsvortrag:
„Veber den Ursprung der deutschen Viteratur"
und im darauffolgenden die Abhand»
lung über Jacob Gr imm. An die ge«
nannten Arbeiten reihen sich noch ein
paar, in den Sitzungsberichten der philo«
sophisch'historischen Classe der Wiener
kais. Akademie der Wissenschaften erschie»
nene, u. z.: „Leben William's, Abtes von
Ebersberg in Bayern. Beitrag zur Ge.
schichte des XI . Jahrhunderts« (l866)
und „Deutsche Studien, I. Svervogel"
(1870), von welchen beiden ziemlich um»
fangreichen Abhandlungen auch Separat«
abdrücke veranstaltet wurden. Im Jahre
1868 veröffentlichteS. ein ftlbstständigeS
großes Werk: „Hur Geschichte der deutschen
spräche", welches von Fachmännern als
eines der bedeutenderen erklärt wird, die
seit Jacob Grimm'S Grundlagen der
Arbeiten auf dem Gebiete der deutschen
Sprachgeschichte erschienen sind. In neue-
ster Zeit aber erschienen seine „Vortrüge
und Aufsätze zur Geschichte bes geistigen Uebrns
in Deutschland und Oesterreich" (Berlin 1874.
gr. 8".), welche eine Sammlung der be>
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Band 29
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sax-Schimpf
- Band
- 29
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1875
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 374
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon