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gingen verschiedene Versionen. Nach
Einigen konnte er sich mit dem Kaiser
nicht über dessen liberale Auffassung der
religiösen Fragen einigen, nach Aride«
ren war es der überwiegende Einfluß
eines Belgiers (Blo in, Eloise und
Eloine genannt), den König Leopold
von Belgien seinem Schwiegersohne em>
pfohlen, den deS Erzherzogs (Kaisers)
Gemalin Char lot te protegirte und der
als Cabinetschef des Kaisers Herrn
Scherzenlechner's Einfluß bei dernsel-
ben wesentlich beeinträchtigte, wodurch S.
veranlaßt worden, seinen Platz zu räu>
men. Nach S.'s mündlichen Aeußerungen,
die er bei seiner Ankunft in Europa hie
und da gethan, hätten die Journale
Manches über ihn veröffentlicht, was
nicht richtig sei, und nur Gefundheits«
rücksichten ihn dazu bestimmt, Mexiko zu
verlassen. Jedenfalls aber dürfte S. der
Mann sein, der über die erste Epoche des
mexikanischen Kaiserthums und über den
Beginn jener Conflicte. welche einen so
tragischen Ausgang nahmen, authentische
und interessante Aufschlüsse zu geben im
Stande wäre. Sein Bildniß erschien in
der Pariser „IIwLtrNtäon" und in der
„Leipziger Illustrirten" im Jahre 4864
in einer Gruppe, auf welcher die dem
Kaiser Max imi l i an zunächststehende
Umgebung — so zu sagen sein Privat»
cabinet — dargestellt war.
Presse (Wiener polit. Vlatt) l865, Nr. 93,
105, 114, in der „Kleinen Chronik" unter
den Personal'Nachrichten. — Neue freie
Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 218,
an gleicher Stelle.
Scherzer, Karl Ritter von (Reisen-
der und Naturforscher, geb. zu
Wien am I.Mai 1821). Sohn bürger-
licher Eltern. Sein Vater, der zu Ende
des vorigen Jahrhunderts aus Nürnberg
nach Wien eingewandert und erst vor einigen Jahren im hohen Alter als einer
der geachtetsten Wiener Bürger, der stch
namentlich um die beiden dortigen prote«
stantischen Gemeinden große Verdienste
erworben hatte, gestorben ist, ließ ihm zeitig
den Segen einer sorgfältigen Erziehung
angedeihen. Den größten Theil seiner
Jugend brachte S. in einem Privat»
Erziehungsinstitute in Wien zu. welches
in jener Zeit unter der Leitung des be«
kannten Pädagogen Franz Kudlich in
großem Rufe stand. Dort sollte Scher«
zer bis nach vollendeten juridischen Stu«
dien verbleiben und für den Beamten«
stand herangebildet werden. Allein er
zeigte wenig Lust für diesen Beruf, und
selbst der väterliche Rath eines alten
Freundes der Familie, deS damaligen
Directors der Staatsdruckerei, Edlen von
Woh l fahr t , vermochte Scherz er
nicht zu bewegen, die bureaukratische
Laufbahn einzuschlagen. Wohl aber be»
stimmte zuletzt der wohlwollende Einfluß
des genannten Directors den jungen
Mann. in der genannten Anstalt die
Laufbahn eines Typographen zu betreten,
und dieß um so mehr, als ihm seine
eigenen Mittel die Aussicht gewährten,
in der Folge selbstthätig und an der
Spitze einer ähnlichen Anstalt unabhängig
und energisch zu wirken. In der That
gründete er auch bald eine Musteranstalt
für Typographie und die verwandten
Fächer und gab sich seiner Aufgabe mit
Ernst und Begeisterung hin. Scherzer
fühlte, daß die Kenntniß fremder Länder
und Institutionen seinem Berufe die
letzte Weihe und Vollendung zu geben
habe. Er unternahm daher nach einander
und schon wahrend seiner Studien (1833
und 1839) größere Reisen, die erste in's
lombardisch-venetianische Königreich und
nach Südtirol, die zweite, mit der er drei
Jahre ausfüllte, nach Deutschland, wo
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Band 29
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sax-Schimpf
- Band
- 29
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1875
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 374
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon