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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sax-Schimpf, Band 29
Seite - 228 -
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Scheuer 228 Scheuer er. namentlich in Leipzig, die wichtigsten Fachstudien machte. Bei einem Ausfluge nach Berlin machte er die Bekanntschaft der englischen Humaniftin und Quäkerin MrS. Elisabeth Fry. der Schwester Samuel Gurney'S. welche eben die preußischen Gefängnisse besuchte, um deren Einrichtungen kennen zu lernen. Den freundschaftlichen Verkehr mit dieser Frau sehte S. bei seinem späteren Aufenthalte in London fort. Sie war es auch, die ihn während seiner Bereisung Englands mit den wohlwollendsten Empfehlungs« briefen versah. Im Sommer 4840 machte S. eine Reise durch das südliche Deutsch» land, Belgien und Holland, und ging hierauf nach Paris, wo er den Winter zubrachte. I n der nächsten Zeit bereiste er Frankreich, England, Irland und Schottland, machte sich mit allen Ge« heimnifsen der Typographie vertraut und knüpfte interessante Verbindungen in höheren Kreisen und mit Notabilitäten der Wissenschaft an. Als er im Jahre 4842 sich in Liverpool auf dem Dampf- schiffe „Great Western" nach New-York einschiffen wollte, riefen ihn schwere Unglücksfälle in seiner Familie nach Wien zurück. Es bedürfte längerer Zeit. bis er sich zu sammeln vermochte, dann aber war er zunächst bedacht, seine auf jenen Reisen gesammelten Erfahrungen zu ver- werthen, und er bereitete sich vor. eine großartige Buchdruckerei in seiner Vater« stadt zu errichten. Als aber dieser Plan an der Ungunst äußerlicher Verhältnisse scheiterte, zog er sich von 1843 bis 1846 in Abgeschiedenheit zurück und betrieb wahrend dieser Zeit national-ökonomische und philologische Studien. Später über« nahm er die Leitung eines Wiener Hand» lungshauses, der er sich eine Zeit lang hingab; aber bald faßte er, im Unmuthe über so viele gescheiterte Hoffnungen, den Entschluß, Wien für immer zu verlassen und in England sich anzusiedeln. Indes« sen kam das ereignißreiche Jahr 1848 heran, das ihm neue Gelegenheit gab, seine humanistischen Zwecke zu verfolgen. Er gründete nämlich den Gutenberg« Verein, dessen Aufgabe es war. die Verhalt« nisse der in den Buchdruckereien beschä'f» tigten Arbeiter zu verbessern. Er bot sein Streben nicht vergebens auf, denn ihm verdankt das Gremium die Regulirung der besseren Arbeilspreise, sowie die Ein« Haltung des Sonn« und Feiertages als eines Ruhetages in den Druckereien. Zu gleicher Zeit war er auch für die mora» tische Bildung und Veredlung seiner Fachgenoffen bedacht; er legte für die- selben eine rasch anwachsende Bibliothek an und vereinigte sie zu wiederholten Besprechungen im Interesse der Kunst und Wissenschaft, um sie mehr und mehr vom Gemeinen abzuziehen und mit dem Bewußtsein ihrer schönen Aufgabe zu er» füllen. Leider ward derWirksamkeitdieses Vereins mit einem Stande von 800 Mit- gliedern und einem Fonde von 3009 fl. durch Aufhebung des Vereinsgesetzes vom Jahre 1848 auf immer der Todesstoß versetzt. Die Bestrebungen S.'s zu Gun» sten dieses Vereins zogen ihm, der über» dieß der liberalen Partei angehörte, Mit» glied des juridischen Lesevereins und des Sicherheitsausschusses war, sogar kriegs« gerichtliche Verfolgung zu. Obwohl S. mit den Führern der Bewegung des Jahres 1848 befreundet war und die Solidarität dieser Gesinnungen in seiner Weise kundzugeben nicht unterließ, so war doch nicht er, sondern sein Bruder Deputirter. Ordner des Reichstages und Obercommandant der Nation,algarde (6. October). Es ist dieß ein Irrthum, der sich in mehreren Werken auS jener Epoche, namentlich auch inRefchauer's,
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sax-Schimpf, Band 29
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Sax-Schimpf
Band
29
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1875
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
374
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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