Seite - 230 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sax-Schimpf, Band 29
Bild der Seite - 230 -
Text der Seite - 230 -
230 Scheuer
vador und Guatemala nach allen Rich«
tungen, oft unter den gefährlichsten Um»
ständen, bestieg Vulcane, um Höhen und
Vegetationsgrenzen kennen zu lernen,
legte naturwissenschaftliche Sammlungen
an. machte sich mit den Sitten und der
Sprache halbwilder Stamme vertraut,
suchte die Neste indianischer Denkmäler
in den Wildnissen von Honduras auf
und beutete wahrend der Regenzeit die
Archive und Bibliotheken der Hauptstadt
aus. Während seines Aufenthaltes im
letzteren Staate ward S. die ehrenvolle
Mission, die Ruinenstätten von Guirigna
am Montaguastuffe von Petea (Provinz
Vera Paz) auf Kosten des britischen Mu-
seums in London zu besuchen und so viel
möglich tragbare Theile dieser classischen
Ueherreste für das genannte Institut zu
erwerben. In Guatemala trafen die Rei»
senden auch wieder zusammen und schiff«
tcn sich hierauf nach Westindien ein. Sie
besuchten Iamaica, Haiti, San Thomas
und Cuba, gingen dann auf kurze Zeit
noch einmal in die Vereinigten Staaten
und kehrten endlich im Frühlinge 1836
nach Europa zurück. Sie hatten einen
Flächenraum von etwa 30.000 eng»
lischen Meilen — Land und Waffer —
vom 30." bis 9." nördlicher Breite be«
rührt. Die Frucht ihrer Fahrten war die
zum ersten Male unternommene wissen-
schaftliche Durchforschung vieler Puncte
des centralamerikanischen Isthmuslandes
und die Verbreitung neuen Lichtes über
die Natur» und Volkszustände dieser Ge>
genden. Sie hatten gegen 40.000 Exem«
plare wirbelloser Thiere, viele Pflanzen,
Mineralien und Fossilien von Nordame-
rika gesammelt, und Scherz er bedachte
seinerseits die wissenschaftlichen Anstalten
seines Vaterlandes. Es kann hier nicht
Übergängen werden, daß Scherz er
diese Reisen ohne Unterstützung von irgend einer Seite, blos in Begeisterung
für die Wissenschaft und ganz auf eigene
Kosten machte. Bei seiner im Juni 1833
erfolgten Rückkehr nach Wien wurde S.
neuerdings vom Kriegsgerichte wegen
„unbefugter Abwesenheit" zur Verantwor»
tung gezogen! Daß S. diese „unbefugte
Abwesenheit" dazu benützt, um auf seine
Kosten und unter den größten Anstren«
gungen und Entbehrungen noch wenig
bekannte Lander der Erde zu durchfor»
fchen und eine ihm und seinem Vaterlande
zur Ehre gereichende wissenschaftliche
Thätigkeit entfaltete, darum kümmerte
sich das Kriegsgericht nicht. S. wurde
zu sechs Wochen Gefängniß verurtheilt,
ein Urtheil, das im Wege der Gnade
durch den Gouverneur Freiherrn von
Welden auf acht Tage Hausarrest,
welche S. in der gemeinschaftlichen Be«
hausung seiner Schwester in der Prater«
strahe absaß, abgeändert wurde. Die
Jahre 1833—1837 brachte S. mit der
Ausarbeitung des reichen, von ihm mit»
gebrachten wissenschaftlichen Materials zu,
das er theils in selbstftandigen Werken,
theils in kleineren Abhandlungen ftaS
chronologische Verzeichniß von S.'s Schrif-
ten siehe auf S. 233 u. f.^ niederlegte.
Während dieser Zeit entwickelte S. auch
eine große Thätigkeit als Mitarbeiter
der Augsburger „Allgemeinen Zeitung"
und von Peschl's „Ausland". Mehrere
Correspondenzm, die er im Jahre l836
über die damals zwischen Katholiken und
Protestanten entbrannte Begräbnißfrage
in der „Allgemeinen Zeitung" veröffent«
lichte, machten so großes Aufsehen und
einen solchen Eindruck, daß dieselben auf
Einschreiten der österreichischen Gesandt-
schaft in München eine polizeiliche Haus«
durchsuchung im Nedactions-Nurcau der
„Allgemeinen Zeitung" in Augsburg zur
Folge hatten, um nach den Manuscripten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Band 29
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sax-Schimpf
- Band
- 29
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1875
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 374
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon