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Schener 232 Scheuer
deS deutschen Buchhandels geradezu bei-
spiellosen Erfolg. IustuS Li eb ig bezeich,
nete in einem Schreiben an Scherzer
dieses Werk „als eine Naturgeschichte der
merkwürdigsten Art. als ein Monument
für die Novara-Reise und für den deut-
schen Geist, denn nur ein Deutscher konnte
es zu Stande bringen". Eine gleich
glänzende und ehrenvolle Aufnahme fand
der ebenfalls von S. bearbeitete stati-
stisch.commercielle Theil, zwei große
Quartbände, welche spater auch als
Volksausgabe in einem Bande unter
dem Titel: „ Statistisch.commercielle Er«
gebnifse einer Reise um die Erde" bei
Brockhaus in Leipzig erschienen. Als
Erzherzog Ferdinand Max den für
ihn so unheilvollen Entschluß faßte,
die ihm drängend angebotene mexika»
nische Kaistrkrone anzunehmen, erinnerte
er sich auch des Dr. Scherzer und ließ
ihn auf telegraphischem Wege zu sich
nach Miramare rufen. Eine kurze Unter»
redung in dem berühmten, einer Schiffs»
cabine nachgebildeten Arbeitscabinete zu
Miramare genügte aber, um den Erzher-
zog zu überzeugen, daß S. das Unter»
nehmen mit dem Auge des Verdachtes
und des Mißtrauens betrachtete und sich
viel zu rücksichtslos gegen LouisNapo-
leon und die schwarze Partei in Mexiko
äußerte, um für die mexikanische Expe-
dition gewonnen oder auch für dieselbe
nützlich werden zu können. Scherz er
hatte durch seinen zweijährigen Aufent«
halt in Centralamerika genug Anlaß
gehabt, auch die mexikanischen Verhält-
niffe zu studiren; er entwarf ein sehr
abschreckendes Bild von den dortigen
Zuständen, dem Bcubarenthum, der In-
dolenz und Ignoranz der Bevölkerung,
und hatte den Muth, mit aller Entschie»
denheit von einem Unternehmen abzu»
rathen, daS die Theiluehmer nur in'S sichere Verderben führen könnte. Der
Erzherzog ließ den Forscher wieder ziehen.
Aber am Tage. wo er von Wien für
immer schied, ließ er S. in die Hosburg
bescheiden und ihm eröffnen, daß er ihn,
für den er nun nichts mehr persönlich
thun könne, dem Minister des Aeußern
für eine Stelle im Staatsdienste, und
zwar speciell in der Consularbranche,
dringend empfohlen habe. Auch aus
Mexiko erhielt S. wiederholt Briefe von
seinem „wohlgewogenen" kaiserlichen
Gönner. Der letzte Brief war der Aus»
druck der Freude darüber, eine öster»
reichische Expedition in seinem Reiche
empfangen und ihr daselbst die Honneurs
machen zu können. Leider waren die
Pelotonschüffe gefallen, welche dem edlen
Leben gewaltsam ein Ende machten, noch
ehe die ostasiatische Erpedition die Gestade
Mexiko'S am stillen Ocean erreichte.
Scherz er aber sollte auf der Heimkehr
von seiner letzten Weltreise, wo er in
Acapulco einige Stunden landete, das
traurige Schauspiel erleben, daß ihm von
halbnackten Indianern in den Straßen
der Hafenstadt kleine Statuetten äei
emperadoi- Naximiliano aus Gypsthon
zum Verkaufe angeboten wurden. —
Außer der Bearbeitung des oberwähnten
statistisch<ommerciellen Theiles lieferte
S. auch Material zum ethnographischen,
linguistischen, anthropometrischen und
kraniologischen Theile, welche von Fach»
gelehrten bearbeitet wurden, während S.
neben dem Minister Freiherrn von Wül .
lerstor f -Urbair (1866. Mai), wel«
cher als Befehlshaber der Novara-Expe-
dition Scherzer'S Kenntnisse und Cha»
rakter kennen gelernt hatte, mit dem
Titel und Range eines Ministerialrathes
in's Handelsministerium berufen und mit
der Leitung deS Departements für Han»
delsstatistik und volkswirthschaftlich.publi'
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Band 29
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sax-Schimpf
- Band
- 29
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1875
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 374
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon