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Schöner 234 Scheyer
sie daS Steuerruder verlor und auf den
Sandwichinseln einen Nothhafen auf-
suchen mußte, um ihre schweren Havarien
auszubessern, vereitelte indessen dieses
beabsichtigte Zusammentreffen. Der Ad-
miral mit seinem Adjutanten und einigen
Beamten kam erst vier Wochen später
auf einem Postdampfer in Guatemala
an. Hier wurde nun mit der Regierung
ein Vertrag geschlossen und sodann die
Reise nach Lima. Valparaiso fortgesetzt,
in welch letzterem Hafen erst die restau«
rirte Fregatte die Mission wieder einholte.
Scherzer verließ in Folge seiner durch
vieljährige Strapazen und geistige An-
strengung angegriffenen Gesundheit in
Panama die Expedition und kehrte über
Wesiindien nach Europa zurück. Den
Winter 4870 und daS Jahr 1871 be«
nützte S. zur Ausarbeitung des von
seiner dritten Weltreise mitgebrachten
volkswirtschaftlichen und wissenschaft-
lichen Materials. Ein starker Octavband
mit fachmännischen Berichten über die
österreichisch«ungarische Expedition nach
Siam, China und Japan in den Jahren
1868—187!. in Stuttgart bei IuliuS
Maier erschienen, ist das literarische
Ergebniß seiner handelspolitischen Mis-
sion. Im Jänner 1872 reiste S. auf
seinen Posten nach Smyrna ab, wo der»
selbe zum Leiter des dortigen General»
Consulates ernannt wurde. Auch in die«
ser neuen Sphäre wußte S. bald nach
allen Richtungen hin seine Fähigkeiten
und seine humanen Strebungen zur Gel.
tung zu bringen. Seinem energischen
Auflreten bei der Localregierung ist es
zu danken, daß eine Ende März 1872
während des Paffahfestes ausgebrochene
Judenverfolgung ohne ernste blutige
Folgen blieb und die Aufwiegler exem«
plarisch bestraft wurden. Auf seine Ver«
Wendung spendete der Baron Anselm Rothschild 1000 Pfund Sterling zur
Herstellung eines neuen Hospizes für
arme kranke Israeliten; bald darauf trat
er, nicht ohne Gesahr für seine Stellung
den Prätensionen des französischen Cle«
rus entgegen und ließ auf der neuerbau«
ten katholischen Kirche in Magnesia, als
von den unter österreichischem Schutze
stehenden Franziskanern administrirt,
trotz der anfänglichen energischen Ein«
spräche des Erzbischofs und katholischen
VicarS von Kleinasien, die österreichisch«
ungarische Flagge hissen; dem Mechitari«
steN'Collegium verschaffte er einen jähr«
lichen Zuschuß von 300 st. zu ihrer jähr«
lichen Subsidie unter der Bedingung,
daß in ihrer Schule dem Unterrichte in
der deutschen Sprache besondere Sorg.
fält zugewendet werde; er berief die
Notablen der österreichisch.ungarischen
Colonie zusammen, berieth mit ihnen die
Mittel zur Hebung des vaterländischen
Handels mit der Levante, und als die
Wiener Weltausstellung zu einem Zusam»
menwirken aller patriotischen Kräfte her»
ausforderte, da erschien Scherz er auf
dem Kampfplatze wirthschaftlicher Thätig,
keit mit einer Monographie der Provinz
Smyrna, welche von der ganzen europäi«
schen Presse einstimmig als mustergiltig
bezeichnet wurde und von welcher ein be«
rührnter National-Oekonom sagte: „daß
man die ganze Erde wie sein eigenes Vater«
land kennen würde, wenn man über die
verschiedenen Länder gleich vorzügliche
Monographien besäße". I n jüngster Zeit
(Mitte Februar 1873) meldeten die
Journale, daß S. von seinem Posten in
Smyrna abberufen und nach dem noch
wichtigeren in London versetzt worden sei.
Es ist nur Weniges noch über S. zu sagen,
dessen eingreifende Thätigkeit in ' die
mannigfachsten Interessen Großösterreichs
nur mit Anführung der Thatsachen selbst
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Band 29
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sax-Schimpf
- Band
- 29
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1875
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 374
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon