Seite - 177 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31
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Schöps) Alois 177 Schöpf, Ulois
ren Lehrei'Veteranen die nöthige Ruhe
zu gönnen; aber nicht lange sollte ihm
der Genuß derselben vergönnt sein, denn
schon nach wenigen Monaten, noch vor
Antritt seines 70. Lebensjahres, riß ihn
der Tod aus der Mitte der Lebenden.
S. war ein Lehrer, wie sie selten vorkom»
men und wie sich ihn Andere zum Vor-
bild nehmen sollten. Mit vortrefflichen
Geistesanlagen, einem im vorgerückten
Alter noch wunderbar getreuen Gedacht»
niffe verband er ein reges Interesse für
alles Wissenswerthe. Nie verschloß er sich
dem wahren Fortschritte, namentlich auf
dem Gebiete des Unterrichts, und als im
Jahre 1848 auch die Reform der Volks-
schule angeregt wurde, trat er in öffent»
lichen Blättern und in den Lehreicon»
ferenzen dem Schlendrian entgegen. Seine
Ausarbeitungen über Fragen aus dem
Gebiete des Unterrichts und namentlich
seine gediegenen Urtheile über Lehrbücher
fanden in den Lehrerversammlunge'n all»
gemeinen Beifall. Die Pflichten, die ihm
sein Beruf als Lehrer auferlegte, waren
ihm heilig und ihrer Erfüllung widmete
er sich mit ungetheiltem Eifer. Seine
Methode war keine schablonenhafte, die
Alles über einen Leisten schlägt, sie be»
ruhte auf sorgfältiger Beobachtung seiner
Zöglinge, deren noch schlummernde Fähig-
keiten er zu wecken und ihnen die Gegen»
stände auf eine ebenso gründliche, als
faßliche und angenehme Weise beizubrin»
gen verstand. Seiner vieljährigen Praxis
im Schulfache verdankte er auch die
Sicherheit, ,mit welcher er die Anlagen
und Charaktere der Schüler zu beurthei»
len wußte. Demgemäß richtete er auch
sein Verhalten dem einzelnen Zöglinge
gegenüber ein. Derselbe Eifer aber, den
Schöpf in der Weckung und geistigen
Bildung der Jugend bethätigte, beseelte
ihn auch in der sittlichen Erziehung der»
u.Wurzbach, biogr.L«iton. XXXI. selben, und hierin war er eine verläßliche
Stütze der Katecheten, Seelsorger und
Wein. Aufrichtig bemüht, den jugend»
lichen Gemüthern einen echt religiösen
Sinn einzupflanzen, gab er doch seinen
liebevollen Ermahnungen dadurch den
entscheidenden Nachdruck, daß er selbst
ein Muster strenger Sittlichkeit und Got<
tesfurcht war. Dafür hing aber auch die
Jugend mit Liebe an ihrem Lehrer, der
oft von seinen ehemaligen Schülern noch
in späten Jahren die rührendsten Be»
weise von Verehrung und Dankbarkeit
erhielt. Auch sein Auftreten außerhalb
der Schule war kein sich überhebendes,
aber immer würdevolles. Er verstand
selbst Erwachsene zu belehren, ohne sie
zu verletzen. Gegen Jedermann wohl-
wollend in Wort und That, seinen Colle»
gen im weiten Umkreise ein warmer Freund
und Rathgeber, trat er ohne Menschen»
furcht jeder Schlechtigkeit mit Entschie»
denheit entgegen und verstand dabei
ebenso klug als schlagfertig, die sicher-
sten Waffen zu wählen, unter denen
ihm nöthigenfalls auch immer ein treffen»
der Witz zur Verfügung stand. I n ge-
selligen Kreisen war er die Seele der
Unterhaltung und wußte auf Veranlas.
sung aus seinem reichen Schatze von
Erfahrungen und Erlebnissen die inter»
essantesten Mittheilungen zu machen,
daher auch sein HauS nicht nur wegen
der dort geübten herzlichen Gastfrcund-
schaft, sondern noch mehr wegen der ange-
nehmen Konversation mit dem „Vater
Schöpf" von einheimischen und fernen
Bekannten so gern besucht wurde. Gern
ergoß sich dann auch seine gleichmäßige
Heiterkeit in Gedichten und es leben viele
von ihm verfaßte, durch ihren heiteren Ton
unb kernigen Volkswitz bemerkenswerthe
Lieder und Gedichte, wie z. B. „Wer die
deutsche Treu' und Redlichkeit" u. dgl. m..
2. Dec, l8?3,^ 42
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon