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Schöps, Joseph 489 Schöpf, Joseph
-zu thun und einen geschickten Gehilfen
nöthig hatte, nahm sofort S. in seine
'Dienste. Nach einiger Zeit begab sich S.
>in das Kloster Stams zueück, wo er ein
paar kleinere Arbeiten, das Speisezimmer,
ein Altarblatt und ein Frescobild in der
von dem Abte V ig i l ius neu erbauten
«Capelle des Krankenhauses vollendete.
Auf Verwendung des Stiftes, das ihm
schon einmal sein Fürwort hatte ange»
deihen lassen, kam S. nun zu Martin
Kno l le r >M. XI I , S. 160), bei wel»
chem er durch sieben Jahre eine tüchtige
Schule machte und dem Meister bei seinen
-großen Werken zu Neresheim. Steinach,
im Kloster Ettal, im Bürgersaale zu
München, im Paläste des Grafen Taxis
-zu Innsbruck, zu Gri.es nächst Botzen
u. s. w. mithalf. Ferner, fallen in diese
Zeit die Arbeitszimmer im ehemaligen
Stamser», nackmaligen HormaNr'schen
Hause in Innsbruck, wo gegenwärtig
die Kanzleien des Magistrats unterge-
bracht find, und die Seruitenkirche nächst
der Brücke bei Valders, wo die Gut»
würfe der Zeichnungen sein Werk sind.
So tüchtig vorbereitet und zu> schonen
Hoffnungen berechtigend, ging S. im
Jahre 1776 als kaiserlicher Pensionär
nach Rom, wo er bis 1784 unter Ra»
-phael Mengs durch volle acht Jahre
zu einer Zeit studirte, als Künstler wie
Dav id , Füger, Zaun er daselbst ar>
beiteten. Seine Aufgabe war, alljährlich
«in Probestück nach Wien zu senden.
Sonderbarer Weise befindet fich kein
Werk Schöpf'S in der kaiserlichen Gal-
lerie aufgestellt, und mag wohl ein
und das andere in den Kellern der Gal>
lerie nach Vollendung der kaiserlichen
Museen seiner Auferstehung warten. Dem
Künstler wendete insbesondere Karl Io»
seph Graf F i rm!an, damals General'
Gouverneur der Lombardie, der Freund Winckelma nn's und Gönner der Un>
gelika Kaufmann, sein Wohlwollen
zu. Im Auftrage deS Grafen malte S.
damals zwei mythologische Bilder: „Äm«
mit Psyche", daS später in den Besitz des
Grafen Sternberg kam, und „Nie
uun Aktaron erblickte Nmim", deren Vollen»
düng der Graf (gest. 1782) nicht erlebte.
Für letzteres bot ihm Grnf Devi l ler ,
der den Künstler, jedoch vergebens, für
Frankreich zu gewinnen suchte, fünfzig
Louisd'or, wofür eö S. nicht feil war,
hingegen malte er für den Grafen eine
„Diana im Nabe" um den erwähnten Preis.
Von S.'s während feines Aufenthaltes
in Rom ausgeführten Wecken sind noch
ein Frescobild in der Sakristei der Haupt»
kirche in Genezzano und für die Kirche
selbst das Altaiblatt: „GIMtnL im Nnnp",
anzuführen, welches er später für die
Domkirche in Brixen wiederholen mußte,
wo er mit Nesselthaler zugleich malte
und den großen Mittelplafond vollendete.
S. wäre wohl noch ferner in Rom ge>
blieben, wo scine Gemälde Aufmerksam»
keit erregten und es ihm an Beschäfti»
gung nicht fehlte, aber feine Gesundheit
schien unter dem dortigen Klima zu lei»
den. und als er gar von schwerer Krank»
heit befallen, von derselben sich nicht
ganz zu erholen vermochte, sondern viel»
mchr in eine Schwermut!) verfiel, deren
Opfer er seither von Zeit zu Zeit und
endlich vollends in seinen letzten Lebens»
tagen wurde, verließ er Rom und kehrte
1783 in seine deutsche Heimat zurück, die
er nun nicht wieder verließ. Von 1783
bis kurz vor seinem Tode arbeitete S.
unablässig an den verschiedensten Orten,
vornehmlich seines Vaterlandes Tirol,
Fresken., Altar» und StaMeibilder,
selbst Porträte, in denen er doch am
wenigsten glücklich war. So verweilte er
denn längere und kürzere Zeit an den
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon