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Schöpf) Joseph 1
geführte „Madonna", ein Bild voll An-
muth und Lieblichkeit; ein Herr S e»
wald mehrere Skizzen von Altarblättern,
einen, H. Joseph" und einen „H. Anton mit
dem Jelnkinde"; und ein Herr Welg.
hofer eine „Madonna mit l,em WM«,
einen „Ohlistn« in üe? Ginie" und eine
„Nmzende Mazdalena". Nach S.'s Gemäl»
den sind auch ein paar Blätter gestochen
worden, so von R. M. Franz .der schon
erwähnte „Amor, vor Psyche knieend'
tgr. Fol.), im Kataloge der Sammlung
des Grafen Sternberg irrthümlich
"bem Johann Adam Schöpf beige«
legt; von G. Zancon: „Die den Amor
unter einem Zelte liebkosende Venus",
gleichfalls im erwähnten Kataloge I .
Adam S. zugeschrieben. S. als Künstler
zählt nicht nur zu den bedeutendsten sei»
neS engeren Vaterlandes, sondern über-
Haupt zu den besten in seiner Zeit, der
ebenso Vortreffliches im Staffeleibilde,
wie al lrssoo leistete, in welck letzterem
aber ihm der Vorzug einzuräumen ist.
Correcte Zeichnung, die den geschulten,
aber nicht pedantischen Akademiker ver»
räth, schöne, anmuthige Formen, ein
besonders lieblicher Ausdruck in den
Köpfen seiner Figuren, Leben und Har»
monie in der Farbe, welche letztere in
seinen Oelbildern etwas verschwommen
erscheint, zeichnen seine Arbeiten aus.
Einer feiner Biographen skizzirt sein
Künstlerstudium in Rom und bemerkt:
,S. studirte bei seinen Kompositionen
vorzüglich die Gruppen des Michel
Angelo Buonaro t t i , milderte aber
die kühnen und ungewöhnlichen Gruppi»
rungen und Punzirungen desselben nack
Raphael 's gemäßigteren Zusammen»
stellungen; benutzte dabei die herrliche
Beleuchtungsweise des Correggio und
die Wahrheit der Coftume nach Ra-
phael MengS. So suchte er daS Vor» >1 Schöpf, Joseph
treffliche von Allen in seinen Compositio»
nen zu benutzen, sein eigener Geist aber
fand neue Vorzüge, die er denselben zu
geben wußte und die man oft in den
Werken der größten Meister vermißt. -
In feinen früheren Jahren erhielt S.
wiederholt Anträge, seine Kunst im frem»
den Lande auszuüben und sich bleibend
in der Fremde niederzulassen. Des einen
von dem Grafen Devil leS an ihn ge»
stellten Antrages haben wir bereits ge»
dacht; Schöpf lehnte ihn ab, weil «
als kaiserlicher Pensionär es für unange»
messen hielt, sein Vaterland zu verlassen;
ein glänzendes Anerbieten, daö Lord
Bristol ihm 1790 gemacht, mit ihm
nach England zu gehen, um dort seinen
Landfitz mit Fresken auszuschmücken,
wofür ihm der Lord außer einem reichen
Honorar eine lebenslängliche jährliche
Pension von 400 fl. anbot, schlug S.
aus Gewissenhaftigkeit aus, da er sein
Versprechen, in dieser Zeit und in be»
stimmtet Frist die Kirche zu Bruneck au«»
zumalen, nicht brechen wollte. Gewissen»
haftigkeit, verbunden mit großer liebens>
würdiger Bescheidenheit — bei großen
und kleinen Künstlern, besonders bei letz»
teren, eine iaii88ima avis — bilden einen
Grundzug in seinem Charakter, von
dem manche Züge in der Erinnerung
seiner Landsleute leben, die ihn in feiner
ganzen Bescheidenheit und HerzmSgüte
darstellen. Sein Gemüth war ungemein
weich und läßt einigermaßen erklären,
wie er so leicht der Schwermuth verfiel,
die durch verhältnißmäßig geringfügige
Ursachen hervorgerufen wurde. Der
Künstler hatte sich ein kleines Vermögen
ermatt, er befaß in Innsbruck ein eigenes
Haus am Innrain neben der Johannes-
kirche. was heute einem Herrn Mutsch.
lechner gehört. Am 22. Juli 1806
heirathete er die Gert rud geborn«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon