Seite - 204 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31
Bild der Seite - 204 -
Text der Seite - 204 -
Scholl 204 Scholl
die Ercentricität deS Feuers möglichst zu
vermindern, wobei er die Flügel an
Puncte anlehnte, die dem Angriffe ent-
weder schon von Natur aus größere Hin-
derniffe in den Weg legten oder die er
durch sehr starke,
zuweilen sogar über die
Frontlinie hinausgeschobene Werke zu
sichern wußte. I n der Ueberzeugung, daß
kein Platz uneinnehmbar sei. war er der
Ansicht, die Vertheidigungskraft dessen
liege einzig in der Summe der Verzöge»
rungen, die man dem feindlichen Angriffe
entgegensetzen könne. Ein vorzügliches
Augenmerk verwendete er auf Anbriw
gung zweckmäßig geformter Reduitsan»
lagen, die bis dahin sehr wenig berück«
sichtigt wurden. Gine charakteristische
Seite von S.'s Befestigungsweise ist die
Sichelstellung der Eingänge, die er der
feindlichen Tinsicht gänzlich entzog und
durch Kreuzfeuer zu decken suchte. I n
Ansehung seiner Anlagen, welche für den
Gebrauch offensiv wirkender Kräfte
eingerichtet sind, ist S. der Erste gewesen,
der Befestigungen in Ausführung brachte,
welche eine massenhafte Anwendung der
Offensiv'Vertheidigung zulassen. So hat
S< die Befestigungükunst auf eine Höhe
gebracht, welche diese seit dem Aufhören
der altitalischen und der gleichzeitigen spa»
Nischen Befestigungsweise nicht mehr er>
reicht hat, und er hat nicht nur den An»
spruch, sich Oesterreichs Vnuban nennen
zu lassen, er steht, was die Grundsätze
der Nefestigungskunst betrifft, weit über
diesem. Außer von Oesterreich, das ihm
wie bereits erwähnt, den Leopold-Orden
verlieh und in Folge dessen sein Sohn
nach dem Tode des Vaters den Frei«
Herinstand erhielt, besaß S. noch von
Rußland, Preußen. Bayern, Sachsen,
Sicilien und Großheizogthum Hessen
Ordensdecorationen.
Fleiherrnstande.Diplom üüo. 26. April 1833. — Hir ten fcld (I.), Oesterreichischer
Soldatmfreund (Wien, 4».) Jahrg. i8°z
Nr. »3—«?- „Franz von Scholl, Oesterreichs
Vnuban", — Wappen. Gin von Silber, Roth
und B!cm halb in die Länge und quergetheil«
ter Schild, In dem oberen rechten Felde
eine schrügrechtö nufwärtg gekehrte Scholle
(Fisch) in ihrer natürlichen Fmbe; in dem
oberen linken drei sechsblättrige, durchbrochene
und grün bespitzle silberne Rosen, zwei und
eine gestellt,- in dem unteren Felde endlich
auf einem Nasenplatze ein uon natürlichen
Quaderstücken erbauter runder Thurm mit
drei Zinnen, einem geschlossenen schwarzen
Thore und zwei Fenstern, zu beiden Seiten
mit einem silbernen Stern begleitet.
Scholl, Heinrich Freiherr (k. k. Lan>
deSver the id igungs-Min is te r ,
Geburtsort und Jahr unbekannt). Zeit»
genoß, Sohn des Freiherrn Franz S.
ss. d. Vorigen^. Zeigte von frühester
Jugend schon große Vorliebe für archi«
toktonische Arbeiten, wozu ihm wohl die
Thätigkeit seines Vaters, der, wie aus-
dessen Lebensskizze ersichtlich, sich viel mit
foctlsicatorischm Arbeiten, insbesondere
mit tzestunggbautm beschäftigte, die erste
Anregung gegeben haben mag. (5r trat
in die kaiserliche, Armee, begann als-
Wen!e>Offici,er seine militärische Laufbahn
und wurde ihm immer die Ausarbeitung
vonFestungöplämn zugetheilt. Im Corp«
rückte er stufenweise zum Hauptmnm
vor und am 1. December 1881 wurde er
zum Major im Ingenieur>GeograplM'
corps befördert. Im Jahre 1838 wurde
er Oberstlieutenant und Commandant in
der Stabsstation Verona, am 18. Octo>
ber 1860 Oberst im Geniestabe und kam
als solcher als Geniedirector nack Venedig,
im Jahre 1864 als M latu» des PraseK
vom Genie-ComitL zum Geniestabe. In-
dem er bald darauf zum Gsneral-Majoi
avancirto und im Kriegsministerium a»
gestellt gewesen, wurde er im Februar
1871 im Ministerium Ho henwarth>
Zandesverlheidigungs'Mmister, bekleidete
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon