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Schob, Wenzel 213 Wenzel
tige war fast in allen beschäftigt. Die
Mutler war schon daran, die Bude zu
schließen, als ihr der Sohn auS der Noth
half. Gr erklärte zur nicht geringen Ueber»
raschung der Mutter, die Rolle des
Flüchtigen spielen zu wollen. Ward auch
das Gewagte seines ersten Versuches
nicht verkannt, so galten doch die Um»
stände für eine Entschuldigung des Wag»
nisseS, daS überdieß gegen alle Erwartung
vollkommen gelang. Der junge Scholz
hatte seine Sache ganz gut gemacht und
dem Publicum gefallen. Nun wollte er
auch nicht länger mehr Kaufmann wer<
den, wozu er, da er schon 28 Jahre
zählte, überhaupt längst keine Just in
sich verspürte. Da er unleugbares Talent
zum Schauspieler in seinem ersten Debüt
an den Tag gelegt, so trat er denn auch
bei der Truppe seiner Mutter als solcher
«in und machte mit derselben die ver»
schiedenen Wanderungen. Drei Jahre
hatte er bereits gespielt, sich in der Zwi>
schenzeit am 9. September 1811 mit
Antonia Rupp, der Tochter eines
Nuchdruckerei-FactorS, verheirathet, als
ihn ein Hofrath Ful jod, der zu jener
Zeit die Geschäfte des Wiener Hofburg»
Theaters leitete, dem als Dramaturg so
rühmlich bekannten Schreyvogel em»
pfähl und Scholz zu Anbeginn des
Jahres 4818 die Einladung erhielt, auf
Engagement im Burgtheater zu spielen.
Scholz folgte dieser Ginladung. Am
42. März 1818 trat er als Räuber
Garbanok im „Wald bei Hermann»
stadl" zum ersten Male auf, dieser Rolle
folgten die alSSchu steige selleTiau»
gott in Kohebue's „Bruderzwist"
und als Bedienter Heinrich in
Elaurens' „Brauttanz". Der Erfolg
war ein so günstiger, daß S. als k. ?.
Hosschauspieler anfänglich mit dem Ge>
halte jährlicher 800 st. angestellt wurde. Schreyvogel hatte die Nbsicht.Sckolz
für dag Fach der Naturburschen und für
komische Parthien derberer Gattung als
Ersatzmann des trefflichen Roose
M . XXVI, S. 338, im Textes heran-
zubilden. Aber Scholz selbst fühlte sich
daselbst nicht am rechten Platze. Da der
feine Menschenkenner bald Scholz ens
Unbehaglichkelt erkannte, suchte er ihn
durch Aufbesserung seiner Gage, die er
ihm schon nach drei Monaten auf 1000 ff.
erhöhte, zu gewinnen. Abci auch dieß
nützte nichts, der tägliche Besuch des
Leopoldstädter Theaters hatte in S cholz
den Beruf des Volkäkonukers geweckt.
Im August 1818 reichte er bei der Di>
rection sein Gesuch um Entlassung ein.
Abgewiesen, bat er wieder um dieselbe.
Endlich wurde ihm dieselbe gegeben und
am 23. September verließ S„ der d»r>
über mit seinem Vater sich entzweit hatte,
daS Burgtheater. „Also, du willst durch»
auS ein Kaspert — ein Bajazzo wer»
den?" drohte ihm der erzürnte Vater.
„Ja, Vater! 'S ist einmal so", erwiederte
der entschlossene Sohn, und er wurde ein
KaSperl. Aber welch ein KaSperl! Am
28. September 1818 gastirte er noch,
sich Mitglied des Klagenfurter Theaters
nennend, im Leopoldstädter Theater als
Käsperle in der „Teufelsmühle am
Wienerbecge", was jedoch zu keinem
Abschlüsse geführt zu haben scheint, denn
auf den Bühnen von Steiermark und
Kärnthm setzte S. zunächst seine drama»
tische Laufbahn fort. I n Grab, wo er
von 1819 bis 1826 spielte, hatte der
friedfertige Scholz das Unglück, und
zwar durch seinen Pudel, in ein Duell
verwickelt zu werden. DaS Warten des
Pudels vor der Hausthür«, wo seme
Geliebte wohnte, verrieth dem eben
zufällig vorübergehenden Nebenbuhler,
einem Ofsicier, die Anwesenheit deS Ko-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon