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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31
Seite - 222 -
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Seite - 222 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31

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Schoh, Wenzel 222 Wenzel ttn>a« Anderes über ihn zu sagen gewußt haben, als- ,,'venn mm' ihn nur ansieht, muß man schon lochen", und dergleichen „geistreiche" Bemerkungen mehr. Wie wenig kennzeichnen solche und ähnliche Worte da« eigentliche Talent unsers Tcholz, DaS Publicum war immer so erfreut, seinen Liebling zu sehen, daß eS oft gar nicht merkte, wie gut er spielte — man sah nur den Lieblingskomiker und doch stand Scho lz -öfter als wahrer Künstler, denn al« bloßer Spaßmacher auf den Vret> tern, (Wie wahr,) Die fingerdick aufgelegte ziegelrothe Schminke war fast da« einzige Ueberbleibsel einer längst entschwundenen Zeit, von dem Scholz sich nicht zu trenne» vermochte. Man braucht blos an die Vec» schiedenheit seiner tomischen Gestallen zu erinnern, um die Behauptung zu rechtferti» gen, daß sein« Hauptleistungen allen Bedin, gungen echter Künstlerschaft entsprachen. Der in seiner Amtsthätigkeit und im Räthselauf» geben geniale Klappeil, der lustige Schalk Vulenspiegel, der immer treuzsidele Zwirn, dei aufgedunsene Parvenu Fettich, der n>ar- cl»»näe äe moäes gewesene Schlosser, der Wassermann'Hutmacher, der classische Haus» lnecht Melchior, die komischen Bedienten in Stadt und Land. Entführung vom Masken» ball, Graues HauS u. s. w., da»n seine Lust, spielrollen Agamemnon Pünktlich, Magister Lassen,!!«, Pachter Grauschimmel, Secretär Puffmani,' im Unbedeutenden n, s. w., nlle diese und noch unzählige andere Rollen waren sprechende Beweise dafür, daß Tcholz nicht blos durch den Zauber seiner drolligen Per, sonlichkeit und durch stereotyp gewordene Manieren zu wirken wußtf. Trotz seiner zur stereotypen Darstellungsweise geeigneten Per» svnlichkeit, trotz der Menge gleichartiger, für ih» geschriebenen Nullen, vermochte er es ganz gut, wie die eben angeführten Aufgaben beweisen, eine Rolle von der andern zu un> terscheiden, jeder die ihr zukommende Färbung zu geben, überhaupt eine solche Aufgabe in charaktervoller Auffassung consequent durch' zuführen. Zu diesen echt künstlerischen Eigen, schuften gesellte sich jener eigenthümliche öster» reichische harmlose Humor, jene trockene Drol< ligkeit uo» unfehlbar hinreichender Wirkungs« kraft, welche Scholz befähigten, wahre Musterbilder nicht blo« localer, sondern all> gemein faßlicher Komik zu schaffen, dann noch die unerschütterlichste Ruh« in allen Lagen dee Nühnenwirken«, die Vermeidung allei «lffetthascherei, aller Uebertreibung «nd aller cynischen Nohhcit und noch viele andere Vo> züge. Di?ser Verein von speciellen und all. gemeinen Fähigkeiten, und zwar gerade dos Ueberwienen deS künstlerischen Instincts, be» fähigte ihn noch i» den letzten Jahren feine« Wirkens, im Grciseualter, bei steter Abnahme seiner körperlichen Kräfte, trotzdem er seine Rollen fast gar nicht mehr zu memoriren im Stande war, Charakterbilder zu schaffen, welche seinen köstlichsten Schöpfungen frühe» rer Zeit ebenbürtig waren. Wir erinnern an „KrämeiS Töchterlein", „Unrecht Gut", „Zwei Testamente" u. s. w, In allen diesen Rollen bewies er, was ein ursprünglich rei» ches, gut ausgebildetes, liebevoll gepflegtes, von Comüdianterie und Virtuosenthum nicht angestecktes Talent noch an der Neige des Menschenlebens zu leisten vermag -» als wollte er uns «u-H im letzten Augenblicke sei» neL Wirkens die Mahnung zurufen, baß nur das Wahre, Reine, Maßvolle, Tchte sich be» währt und Bestand hat im Leben wie in der Kunst," — I)r. Mcyncr t in einer im Jahre l8^!l veröffentlichten Kharakteristit der Wiener Vultsthrater schreibt über Scholz: „Sein, ticferfaiiter Nationalchnrakter, dieser unüber» trefflich bezeichnete Volksdialekt mit allen sei> nen natürlichen Freiheiten und Idiomen, diese behagliche Vreite, dieser phlegmatische Humor, kurz, Scholz'2 ganzes Spiel ist so unuerkexnbnr au« der üsterreiäiischen Natur herausgegriffen, dnß derselbe wohl der natio» »alste Komiker ,^ u nennen sein dürfte, den es überhaupt jetzt geben mcig. Kein anderer Komiker lnfit sich so uiel Zeit, als er; Sprache und Gcberoc tragen bei ihm ganz das Ge> präge der faulen Vequeinlichkeit, und während bei Anderen seines Haches der scherz daher» gebraust und gesprudelt kommt und, auf» leuchtend wie ein Vlii), just in der schnellen Zurückkchr zum Zustande der Ruhe seinen eigentlichen Effect sucht, kommt Scholz's Humor bedächtig mit der Schneckenpost da> hergefahren; selbst in seiner vollsten Cntlci> düng muß er sich zuWeile» auf sich selbst besinnen; er kommt und geht so willenlos, dnß er an keine Zeitbestimmung gebunden ist, und dennoch verfehlt er nie seine Wir» kung. Vei ihm ist nirgends ein Haschen oder Vordrängen nach Effecten, sein Scherz spinnt sich, »nanaefeuert durch Beifall und unge> schreckt durch Kälte, in so fauler Gleichmäßig» keit fort, daß schon diese stoisch>komische Ruhe lustig wird. Aber nicht der burleske Contrnst des scheinbaren Widerwillen« geaen dn«,.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Schnabel-Schrötter, Band 31
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Schnabel-Schrötter
Band
31
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1876
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
402
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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