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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31
Seite - 223 -
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Seite - 223 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31

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Schah, Wenzel 223 Wenzel Lustigftin ist es allein, was Scholz zum Komiler von Veruf macht: es ist seine un< geschminkte Natur, seine fingirte Gedanken losigkeit, welche die närrischesten Sachen von der Welt hinspricht und gleichsam zu zerstreut ist, um zu wissen, daß sie die Leute damit lachen macht. Dieses Pflegma bleibt selbst seinen Trunkenbolden eigen, die er höchst treu und ergötzlich zu copiren weih. Hier ist von keinem Toben, Uon keinem Schreien und Wüthen die Rede, Scholz ist als Trunken» bold eben so faul und bedächtig, wie als Nüchterner, nur seine inneren Lebensgeister erscheinen in einem temperirten Zustande der Anspannung und klopfen um weniges stärker an die körperliche Schranke, welche sich mit gewohnter Widerspenstigkeit vor ihnen spreizt, und just dieses innere lebendige Drängen bei hartnäckiger äußerer Kälte und Bedacht» samkeit bildet den lustigsten Contrast uon der Welt. Ich sah Scholz unter anderem in dem Lustspiele „Kunst und Natur" als b«> trunkenen Bedienten,- da« allmälige Steigen und Umsichgreifen des Rausches in dieser höl> zernen Nedientennatur war meisterhaft nuan» cirt und als die Macht des WeineS endlich so weit gediehen war, daß er beim Einschla» gen in die dargebotene Rechte seines Zech» bruderß fehltraf und dadurch aus dem Gleich' gkwichte kam, als ihm sichllich die Gedanken wirbellen, war er dennoch nach außen ruhig; und — abgesehen, daß er auf keine»! Veine stehen tonnte — lieh er selbst in der höchsten Betrunkenheit da« Bestreben sichtbar werden, seinen Zustand zu bemänteln, was nalürlich Veranlassung zu noch lustigeren Situationen gab. Auch sein gemüthlicher „Geisterkönig" ist sehr lcuinil! und eigenthümlich gehalten." — Nachdem Scholz gestorben, begleitete die „Presse," seinen Nekrolog »,1t folgenden tref» senden Nemerkungen - „Seit seinem frühesten Auftreten al« „Klapper!", schreibt sie, „mit welcher Rolle er zuerst die glänzendsten C» folge in den weitesten Kreisen errang, bis kurz vor seinem Hinscheiden war ihm diese unwiderstehlich magnetische Gewalt über das Zwerchfell seine« Auditoriums fllst ungeschmä- lert treu geblieben. Jenes räthselhafte Ge< heimniß. ohne Aufwand uon Geist und tie. ferem Studium, blos durch das unuertüm» merte Sichgehenlnssen der eigenen Persönlich« keit, jederzeit eine ungeheure Wirkung zu erzielen, und in dieser stereotypen Einförmig» keit dennoch immer pikant, eindringlich, schmackhaft, vor Allem hinreißend, drollig zu sein, besaß nur er allein und er hat dieses Geheimniß'auch mit sich in's Grab genom« men. Unter den großen darstellenden Talen. ten, welche während des Verlaufes von bei» nahe zwei Generationen diese komische Muster, bühne Deutschlands geziert, wozu wir in erster Linie Zgnaz Schuster, Tberes«, Krones, Ferdinand Raimund uno Nestro!) rechnen müssen, war Wenzel Scholz vielleicht der populärste Uon allen, weil seine, sämmtlichen Gesellschaftsclllssen gleichmäßig zugängliche, Darstellungsweise stet« einen directen Druck auf die Luchmuskeln ausübte, ohne, wie bei Nestroy, diesem geistvollsten Volksschauspieler, den die öster» reichische Hauplstadt jemals besaß, oft ein höheres Verständniß von Seite des Zuschauers vorauszusetzen, oder sich wohl gar in jene krankhafte Sentimentalität zu verlieren, die wir an dem liebenswürdigen Raimund in seiner letzten Periode so schmerzlich zu be> dauern hatten. An der Seite N e stroy's, des weitaus mächtigsten Talentes unter den 3o> caldichtern Wiens, der in seinen sür das Wiedner Theater geschriebenen Stücken nie» mals darauf verfaß, den beliebten Collegen stets mit einer durchgreifend dankbaren Rolle zu bedenken, trug er nun wesentlich bei, der Direction Carl 's auf die Veine zu helfen, wie es denn überhaupt nicht verschwiegen werden darf, daß Nestroy und Scholz allein jenem kaltberechnenben Bühnen»Indu< strielleu seine Millionen erwarben, welche später in dem Aufbaue des stattlichen Carl» Theater« zum Theile ihren steinernen Aus> druck gefunden. Seit dem Hintntte deS un< vergeßlichen Scholz beruht die nlte Glorie unserer Voltsbühne, leider nur mehr auf zwei Augen" (welche seither auch bereits erloschen sind). — Ein College von Scholz, wenn ich nicht ine, Franz Wal lner , äußerte sich über ihn: „Scholz war die fleischge» wordene Komik. Mit so einfachen Mitteln so erschütternde Wirkungen, wie er, hervor» zubringen, scheint uns in der Geschichte der Schauspielkunst eine ziemlich vereinzelte Er» schrinung zu sein. Wir haben Scholz mehr als einmal im Cafs Siierböck in der Iä< gerzeil beobachtet, wo er regelmäßig nach Tische seinen Kaffee zu nehmen und Karten zu spielen pflegte. Da saß er mit mürrischem Behagen in einer Ecke, ein Spiel Kurten in der Hand, im Munde eine klobige Tabaks» pfeife mit Wassecsack. Manchmal blitzten seine schelmischen blauen Augen lebhaft auf, eine
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Schnabel-Schrötter, Band 31
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Schnabel-Schrötter
Band
31
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1876
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
402
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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