Seite - 224 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31
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Scholz Wenzel 224
kurze, hastig, sich urplötzlich versteinernde
Nlwlgung de« Armee folgte nach, und nach
»in paar energisch herausgtstotterten Worten,
durch welche er seine Meinung bündig und
«schöpfend kundgab, kehrte er in die erhabene
Muhe esnel sinnende» Weisen wieder zurück.
Der Tisch, an dem er saß und spielte, war
stets von zahlreichen Zuschauern umstanden,
die jede Bewegung, jedc Miene, jeden Laut
de« in Rauch gehüllten Kartenspiel«« begie.
rig auffingen und die von Zeit zu Zeit in
»ben da« schallende Gelächter, wie solches im
Iarl<Theater vorlani, würde auszebrochen
sein. wenn die Rücksicht der Schicklichkeit ihre
Stimmen nicht gedämpft hätte. Da« ist die
Willun« einer lomischen Natur. Scholz
brauchte nur, wie er ging und stand, auf
die Bretter zu steigen, er brauchte nur auf
die Bühne herauszukommen »nd stehen zu
bleiben und da« Publicum war iür den gan.
zen Abend in eine heitere Stimmung verseht.
Ei war eine lebendige Aufforderung zum
Lachen und der Mann hatte Einen schon fo
olt zum Lachen gebracht, daß man ihn schlech»
teioingt nicht mchr anschauen tonnte, ohne
eint« Ntiz in den Lachmuileln zu verspüren.
Scholz und Nestroy — sie allein find
das Carl Theater gewesen. Die Lücke, welch«
Scholz gelasseil, ist nicht wieder auszu«
füllen." — Scholz brauchte seine Kriiik bei
Saphir nichi zu bezahlen; Schulz hatte
das Vulilicum hinter sich und war auf solche
Art gegen Saphir 's Feilheit gefeit. In
solchen Fällen, aber nur in solchen, ist S a<
phir's Kritit echt. schlackenfceies Gold. Als
Scholz sich zur Nuh« gelegt, widmete ihm
auch Saphir einen Nachruf uoll goldener
Wahrheiten. „Jede große Stadt', schreibt
Gaphir. „hat ihre Wahrzeichen, histo.
rische. architektonische, persönlich« u, s, w.
Lcholz gehörte seit 30 Jahren zu den Wahr>
zciche» Wiens, wie der Stephanechurm. wie
d«r Stocl am Eisenplah. ... Wenn Schol ,
lam, bei seinem bloßen Erscheinen nahmen
die Grillen und Mücken Reißaus, da« Zwerch»
fell siieg auf den Thron des Verstandes, die
Lustigkeit occupirte die beiden Fürsteltthünier
Sehen und Hören . . . und Sieger war
Wenzel Scholz. Und welches waren seine
SiegeSwaffen? Ja. wer das wüßte! Man
lass« sich ja nicht uon den gewöhnlichen Ne>
krolog-Schablonen ine machen, dieser Schi.
toleth von „Komit" — „Mimik" — „Auffas.
jung" — „Studium" - „deutendem Künst.
l«r" - „correctcc Zeichnung", Alle« dns ist Schob, Wenzel
leeres Klinglling, Jede k»n st kritische,
ästhetische Bezeichnung oder Definition
von Scholz alSKomlter ist Unsinn. Scholl
«ntrann als Typus des Lachenerlegenden der
Hano der Natur, es läßt sich so wenig sagen,
wodurch Sch ° lzdie Convulsion de« Lachen«,
die peristaltische Bewegung de« Zwerchfell«
hervorbrachte, als sich sagen läßt, wodurch
die wogende See die peristaltische Bewegung
der Magennetven hervorbringt. So lange
man Scholz und Meer vor sich hat, dauert
die unbegreifliche Naturwirkung, kaum sind
beide vorüber, so hört die Wirkung auf, ur<
plötzlich, ohne Uebergang. Wenn Scholz
spielte, lachte Alle«, das Publicum sah sich
gegenseitig an und lachte und fragte sich nun:
worüber? E« lachte über Scholz, e«
war gleichgiltig, was er sprach, was ihn
der Dichter sagen ließ, es war gleichgiltig,
ob er einen Charakter darstellte und welchen,
es war gleichgiltig, ob er in eine Situation
kam und in welche, seine Erscheinung ge>
nügte, sein Vortrug lag in seiner Person und
Niemand wie Scholz konnt« von seinem
Erfolge sagen: „Das ist Fleisch uon mei>
nem Fleisch"; er war die ei ng efleischte
Personal «Komik. — Al« Species ist
Scholz, wie der letzte Phönii, axö der Asche
jenei Gat tung Komiker hervorgegangen,
welche die Frau Äeuberin verbrannte. Üir
war der «letzte Lustigm acher" aus der
guten alten Zeit der Strani tz ly und Pce>
hauser. El war der als dummer Bedienter
wieder aufgestanden« Ritter hallstaff; er
war einer derjenigen lustigen Wrllerheiterer,
welche Luther mit den Worten bezeichnet!
„Sie sind durch Gottes Gabe start, fett und
völligen LeibeS", . . . Nicht nur um die
guten Possen hat Scholz ei» großes Ver>
dienst, sondern »och mehr um die schlech«
ten! Et war die lebendige Versicherung«'
anstalt elender Stücke, er der elektrische Wet<
terableiter, der das pfeifende Donnerwetter
vom Haupte deb unglücklichen Verfassers ab>
lenkte und das Grollen des Donners in ein
freundliches Wetterleuchten umwandelte. Es
war bekannt, eine »Scholz'sche Venefize"
brachte ein miserables Stück, die Wiener
wußten da« im Voraus, aber man ging doch
hinein und lachte schon im Voraus darüber,
wie man lachen wird, wenn am Ende des
durchgefallenen Stücke« Scholz herauskom»
men wiro und mit einer Miene, mit einer
Prosa, mit der bekannten „Charivarl>Wban<
lung" da« PiU'licum in ein Weltmeer von
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon