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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31
Seite - 228 -
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Seite - 228 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31

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Scholz, Wenzel 228 Scholz Wenzel laum ein Zweitem wie Scholz. Auf einem seiner Costumebüder (Nr. «) ist er durch des Künstler« Ttift im Momente festgehalten, al er eben tiefen so blühenden Gallimathias uor bringt, der unter dem Namen: „Der Scholz sche Wrnoloü" weltliekannt ist und den e wol'l unzählige Male an dns Publicum ge richtet hat. Derselbe bildet die Unterschrift des Vüoes und wird, um die Wiederholung z» vermeiden, auf die Porträte und Costume» bilder T. 223 hingewiesen. — In ciner Passe, wo in einer Versammlung Gutgesinnter Jede, angab, was er im Jahre 1848 für sein Vater land gethan habe. erzählte Scholz: ,,I» Iahte !848 hab' ich für mein Vater- land gezittert". Das homerische Geläch ter, das diesem Bekenntnisse folgte, ist nicht zu schildern. — Eine nicht weniger komische Wirkung erzielte er, wenn er als Tyrann Lacrizüwclu« mit komischem Pathos befiehlt: „Schlagt sie in Keden (Ketten)", und nach einer Pause wiederholt: „Schlagt sie in Kc den, ab?l mit einem weichen D, damit es iht nicht so weh' thut". — Bei dem Einzüge eines Gutsbesitzers, dem auf einem nicht ganz reinlichen Kopskissen die Schlüssel seines Schlosses uon dem Amtmann entliefen ae bracht werden, hielt Scholz die Ämeüe und entschuldigte den Mauge! nn Sauberkeit des Kissens damit: „daß der Mann kleine Kinder habe". — Als Scholz eines Abents, da er ror Schluß des Theaters für mehrere Woche» zum letzten Mnle auftrat, vom Puulicum wie gewöhnlich mit Beifall überschüttet und-immer wieder gerufen wurde, trat er wieder hcruor, verneigte sich, machte die Pantomime, dab er, was er fühle, bereits gesagt und nichts üilhr hervorzubringen wisse. AIs aber dir B.ifall des Publicums nicht«. ocsiowenigei kein Ende nahm und gleichsam Alles zu fordern schien, daß Scholz einige Worte sage, da lirß sich denn auch Scholz zu einem Zugeständnisse, herbei, machte ein Zeichen, dab er sprechen wolle, und als Alles mit einem Male stille blieb, um keines seiner Worte zu überhören, rief er, mit tragisch» komischer Bewegung einige Tropfm aus dem Auge wischend und schluchzend: „ I werd's Ihnen schreiben". Die Wirkung war ungeheuer, — Z!e« Kaiser» AiiiVcrschuli. Ein schöner Zug von Scholz's fast kindlicher bliebe und Anhänglichkeit zum Kaisechause ist der folgende: Eines Tages im Sommer <832 gewahrte S, auf seiner gewöhnlichen Glaci«. Promenade eine Hosequipage, die vor einem Palais stand und in welche nach einiger Zeit ein Kind gehoben wurde. Er eilte nach der Stelle, um zu sehen, wer es sei, ehe er doch an Ort und Stelle kam, war der Wagen bereits fortgefahren, aber dort, wo der Wagen gestanden, lag ein kleiner, kaum zwei Zoll langer Schuh Don schwarzer Seide, den wahr. scheinlich das kleine, eben in den Wagen ge> hobcne Kiudlein uerluren hatte. Scholz steckte den Schuh zu sich. Auf sein Nachfra, gen — ohne jedoch die Ursache zu «errathen — erfuhr er, daß der Schuh dem erstgebor. neu, damals zwei Jahre alten Prinzen Franz Joseph, dem Sohne des Erzherzogs Franz Kar l , gehöre, denn in der That, als an dem uon Scholz angegebenen Tage der Prinz nach Hause kam, hatte man an dem einen Fiche de» Schuh vermißt. Als Scholz den Schuh zurüctgebcn wollte, erbat er sich die Erlaul'nift, ihü behalten zu dürfen, die ihm auch gewährt wurde. Von dicsem Tage an trug Tcholz den kleinen Schuh, sorgfäl» tig in Papier eingewickelt, in seiner Brieftasche an seiner Vrust, gleichsam wie ein Amulett, uon welchem er überzeugt war, daß es ihm Glück bringen müsse, Nach Jahren, im März <»!>l>, n>s er zur Feier seines 7», Geburt«, tages auch oou Seite des ah. Hofes und namentlich l'on Sr, Majestät dem Kaiser Beweise der Huld empfangen, und nun in einer erbetenen Alidienz Sr, Majestät seinen Dank anssprechen wollte, nahm er auch den kleinen Seidenschuh mit sich, um ihn dem Monarchen, der ihn als zweijähriger Prinz uerloren, zu zeigen. Als Scholz aber uor dem Kaiser stand und dieser an den hochbc> tagten Künstler Worte »oll Huld und Güte richtete und der junge Monarch dem greisen Künstler Glüct wünschte, daü er in so hohem Aller »och so lüstig seinen Beruf erfülle» könne, da war Scholz so tief ergriffen, daß er ganz auf seinen Schuh ucrgab. Der Schuh fand sich nach des Künstler« Ableben in der Brieftasche, die Scholz immer bei sich trug. Auf der fast ganz neuen Sohle standen die uon Scholz eigenhändig geschriebenen Worte: „Ligenthum Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph, oun mir im Jahre 18!>2 gefunden, als der kleine Prinz eben iu den Wagen ge, stiegen war". Das Kleinod ging als Erbtheil an die Witwe über, in deren Besitze es sich noch besinden soll, — Ichol^s Chemisette«» knöpft. Eine der köstlichsten Verhöhnungen der Wiener Aäckergilde, als 184« diese täglich ihr Gebäck verkleinerte, ging in ebenso ori>
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Schnabel-Schrötter, Band 31
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Schnabel-Schrötter
Band
31
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1876
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
402
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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