Seite - 239 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31
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Schor 239 Schorlemmer
Gump verheiratet hatte und feinen blei«
benden Aufenthalt nahm, außer wenn ihn
Arbeiten, die vielfach von ihm verlangt wur<
den, auswärts riefen, Aegyd war Maler
Ornamentiker und Architekt. Sein Geschick
im Rococostyle machte ihn besonders den
Kunstgewerbsleuten, wie Goldschmieden, Cbe,
nisten u. dgl. m. beliebt, und die Stad
Augsburg, für deren Goldschmiede er viel
Zeichnungen in besagter Manier entworfen
hntte, verlieh ihm ohne Entgelt aus freien
Stücken das Bürgerrecht. Groß ist die Zahl
feiner Arbeiten, denn er malte in Palästen,
für Kirchen, Theater, und wenn es große
Festlichkeiten gab, Triumphbögen, sogenannte
OaLti-a, äoloi'i« zu errichten, Feuerwerke ab
zubrennen galt u. dgl. m., so wurde Schor
berufen und eu selbst mit der Ausführung
betraut, oder es wurden von ihm Entwürfe,
Zeichnungen u, s. w. dazu verlangt. So
hatte er in Linz für Kaiser Leopold I. ein
kleines Opernthcater, für das Slift in Götb
weih desgleichen eines genialt. Der Churfürst
von Bayern, Max Emanuel , berief ihn
nach München, um die zum Neilager des
Churfürsten angeordneten Festlichkeiten, als
Theater,'Triumphbögen, Feuerwerke u. s, w.
zu entwerfen und deren Ausführung zu lei>
ten. I n Innsbruck selbst malte er die Decken»
bilder in den erzherzoglichen Gemächern, die
Decorationm des Theaters, verfertigte die
schönen Grnbvoistellungen für die Charwoche
im königlichen Stifte zu Hall, in der Pfarr»
kirchr, und wurde zur Ausführung eines sol»
cheu nach Passau berufen. AlS dle Heilig»
sprechung des Jesuiten Franz Borgias in
Scene gesetzt wurde, machte er im Auftrage
der Iesuitm die für dieses Kirchenfest be<
stimmte Dccoration, die Zeichnungen zur sil>
berneu Statue und zu dem Antipendium des
h. Ignaz, wie er überhaupt für die Gesellschaft
viele Entwürfe zu Monstranzen, Lampen,
Kirchenornamenten, Nüchereinvänden u. s. w.
ausführte. Auch als Oelmnler thätig, malte
er für die Pfarrkirche in Innsbruck zwei
Altarblätter: „Die H. Anna" und „Der H.
Philipp Neri", für das Stift zu Wiltau das
Hochaltarblatt, für das Kloster zu Neustift:
das Leben des h. Augustin in zwölf Bildern,
al trüsoa die Kuppel der Frauencapelle da<
selbst, wie er in gleicher Weise viele andere
Kirchen, Capellen, Säle und Festraume au«,
fchmückte. Nach Aegyd's und feines Bru<
ders Johann Pau l Zeichnungen hat I .
de RubeiS fünfzehn Darstellungen: „Die Wunder des h. Thomas de Mllanullva".
ausgeführt; auch hat Aegyd einige Blätter
selbst radirl. Aber noch in anderen Künsten
und Wissenschaften war Negyd wohlbewan-
dert,- an ihn, als geschickten Mathematiker,
wieS der damalige Professor dieser Wissen»
schaft feine Schüler zur Repetition; Schor
verstund Musik, spielte gut Violine, war
Meister auf dem Contrabaß und versuchte sich
mit Glück in der Compositioni er war ein
gewandter Stück- und Scheibenschütze, ein
sehr geschickter Pyrotechniker, der seine Kennt»
nisse bei vielen Feuerwerken, welche anläßlich
großer Festlichkeilen abgebrannt wurden, in
Anwmdmig brachte. Eine echte Künstlernatur,
die weniger das Erwerben, als das Schaffen
und Erfinden im Auge hatte, hinterließ er,
obgleich er, wie wenige Künstler, viel befchäf»
tigt und gut bezahlt war, nur ein kleines
Vermögen. Aus seiner Ehe hntte er eine
Tochter, die bald nach ihm starb, und einen
Sohn Johann Napt. Ferdinand, welcher
der Erbe seiner vielseitigen Talente war und
dessen Lebensskizze bereits S. 234 mitgetheilt
wurde. s.Note für Tirol und Vorarlberg
(Innsbruck, kl. Fol.) 1822. Nr. 4-8 : „Kün>
stlerfamilie Schor".)
Schorlenimr, Karl Maximilian von
(k. k. Oberst und Ritter deS Maria
Theresien'OldenS, geb. zu Münster im
Jahre 473t, gest. zu Brüssel 3. De-
cember 1769). Aus einer alten, einst viel»
Uerzweigten, noch heute in zwei Linien
blühenden westpbälifchen Adelsfamilie.
Trat im Jahre 1749. damals l8 Jahre
alt, als Volontär in daS Infanterie-
Regiment Karl Herzog von Lothringen
Nr. 3, mit welchem er in den stcbenjähn-
gen Krieg zog und sich bei Dresden das
höchste österreichische militärische Ehren-
.eichen «kämpfte. Es war im Juli 1760,
als König Friedrich II. die Belage.
!ung DieSdenS begann und Daun die
Anstalten zum Entsatze der Stadt traf.
Schon einmal hatte er sich mit den unter
seinem Befehle
stehenden
zwei Bataillons
seines Regiments bei der Erpedition
gegen den weißen Hirschen ausgezeichnet;
noch größere Bravour aber bewies er am
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon