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Schosser 243 Schosser
„Naturbilder" eine schöne goldene Me
daille bekam. Er öffnete daS angelangte
Päckchen gleich vor dem Postmeister,
brach über das schöne Geschenk in Freu»
denthränen aus und sagte: „Siehst du,
Freund, so ist daS Künstlerleben. Seit
acht Tagen hab' ich keinen warmen Bis»
sen gegessen und jetzt bekomme ich eine
goldene Medaille". Von da an unter«
stützten ihn seine Freunde lebhafter und
an seinem inzwischen erschienenen Buche
erlebte er manche Freude. Als er sich
nun im Sommer 1849 von Neuem an«
schickte, sein Heimatthal zu verlassen, um
wieder Arbeit und Nahrung zu suchen,
da fühlte er bereits den Wurm, der schon
an seinem Leben nagte, und in seinem
.Abschied von Losstan" (Losenstein) ist
diese Vorahnung seines nahen Endes voll
Wehmuth ausgedrückt. Er kam in Steyr
an, verdrossen, leidend, lebensmüde, zog
sich von seinen Freunden zurück, suchte
wie ein verwundetes Wild die Einsam«
keit' wurde endlich bettlägerig, aber blieb
es nicht lange, schon am nächsten Tage
starb er an der Nerstung eines Lungenge'
schwürs. Schon ein Jahr nach seinem Tode
gab sein Freund Julius Alex. Schind-
ler (als Dichter bekannt unter dem
Pseudonym Iu l i uS von der Traun)
sNd. XXX, S. 12) daS Büchlein her>
auS: „Anton Schosser'S nachgelassene
Gedichte in der Volksmundart des Traun«
kreiseS. Sammt einer LebenSgeschichte
deS Dichters und den oberösterreichischen
Nationalmelodim zu allen Liedern des«
selben« (Steyr 1830, Franz Sanoböck,
12«.), welches außer den anziehend ge«
fchriebenen Nachrichten über Schosser's
Leben und Dichten noch 17 neue Gedichte,
darunter wahre Peilen der Volkspoeste,
enthält. Außer diesen in den genannten
zwei Sammlungen enthaltenen Poesien
soll S. noch mehrere Gedichte hinteilas« sen haben, die sich im Besitze eines Nagel-
schmidgesellen, eines guten Sängers, be-
fanden, der für den Poeten große Vor-
liebe hatte und dem dieser daher gern
seine Manusciipte übergab, da er selbst
seine Producte alle auswendig wußte.
Dieser Nagelschmidgeselle mußte später
Soldat werden und kam zur Armee im
südlichen Ungarn. Da Schindler im
Vorworte zu S.'s Nachlaß ausdrücklich
bemerkt, in einer neuen Auflage dieses
Buches die Beiträge aus des Freundes
Sammlungen in dieselbe aufnehmen zu
wollen, was aber nicht geschah, so ist die
Vermuthung nahe: daß Schofser's
Freund im Felde geblieben und die Lie>
der wohl für immer verloren seien.
Schosser trug erst in den letzten Lebens«
jähren seine Lieder selbst vor; früher
hatten sich einige der besten von selbst im
Volke verbreilet, allmälig aber, als dec
Poet und seine Dichtungen bekannter
wurden, wünschte man sie von ihm vor>
getragen zu hören; aber nicht in Concert»
sälen vor einem hohen, verehrungswür.
digen Publicum trat S. auf, sondern in
der Schenke vor den Söhnen und Töch»
tern des Gebirges, die dann jodelnd den
Chor bildeten. Dieser Unabhängigkeitg.
sinn des Dichters schützte ihn aber doch
nicht vor den Stichen der Welt, die an
jeder edleren Natur zerrt und mackelt.
„Noch seh' ich ihn sitzen", schildert ihn
sein Biograph, «in der weiten, rauchigen
Gaststube des Brauhauses auf der brau.
nen Ofenbank, die Arme auf daS abge»
riebene Tischchen gestemmt, das sonnver»
brannte Gesicht mit seinem schlichten
Schnurbarte und dm braunen, gutmüthi»
gen Aeuglein, halb von seinen Händen
verdeckt, den grünen Leobenerhut mit
dem schmucken Geieistaum tief in die
Stirne gedruckt und auS der Kohlen»
brennerpfeife schwache Wölkchen vor sich
ili
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon