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Schosser 244 Schosulan
hinblasend. „Jetzt hat's ihn wieder«,
flüstert der reiche Braumeister am Fenster»
tische vorne dem Pfarrer zu. der zustim-
mend den Kopf neigt, und der Herr
Pfleger versetzt: „Schad' um den Toni,
daß er ein Lumperl ist. Aber er will nicht
gut thun. Immer durch's Gebirge zieh'n
— was soll das heißen! Ich habe es
ihm oft angetragen, er soll sich in die
Kanzlei setzen, in den Katastralarbeiten
war er so fest — das Andere hätte sich
bald gegeben. Längst wäre er Amtsschrei,
ber — und jetzt!" Das ist das ganze
Glück, welches sie einer Dichterseele zu
bieten wissen, das ist die Stätte, die sie
dem Genius bereiten, der Menschen.
Blume! Ein Buch Papier, ein Tinten»
faß, eine Streusandbüchse, zwölf Amtg.
stünden täglich und jeden Sonn» und
Feiertag einen Braten'. Lo ehren.die
Menschen die Schönheit ihres eigenen
Geschlechtes, so jenen Adel, welchen Gott
— und nicht der Zandesfürst verleiht."
Zum Schlüsse seien aus den ohnehin
nicht nummernreichen zwei Sammlungen
die schönsten Lieder angeführt: ,,'sHoam-
weh", ,,'sHoamtreibe", „Der Urlauber",
,'s Hnschrehrn", „Der Stieg in'S Gams»
bin", weitaus das schönste von Sch of-
f er's Gedichten, und der „Abschied von
Lossta'n". Daß S. sich auch in hoch.
deutscher Sprache versucht, erhellt aus
dem einzigen bekannt gewordenen hoch»
deutschen Gedichte: „Sehnsucht nach Lo>
senstein", einem sinnigen Liede, das uns
Schindler in deS Dichters Lebensskizze
S. 81 mittheilt. Schofser ruht auf
dem Kirchhofe zu Steyr,
Ergänzung« blatter. Herausg. von Dr.
Fr. Steg ei (Leipzig und Meißen,Ler, 8«,)
Vd. VI I , S. 237. — Meyer (I .) , Da«
große, Conuersations'LcMon für die gebildeten
Stände (Hildburghausen, Vibliogr, Institut,
gi. s°:) V. Supplement'Bd. S. 623. — Die
"österreichischen Dialektdichter. Von Cllrl Gre is tor fer , im .Programm des
k, k, Gymnasiums zu Linz für das Schuljahr
1862/67« (Linz 1863, 4°.) S. 17. ^Dieser
Aufsatz sei Herrn Cmanuel Geibel, die.
stm Meister des deutschen Liedes, auf das
Nachdrücklichste empfohlen. Als Preisrichter
für den von der Goethestiftung ausgesetzten
Ehrensold für Volksdichtung in mundartlicher
Sprache hat er denselben dem Dichter Klau«
Groth zuerkannt. Dagegen ist nun nicht«
einzuwenden. Wer wird K laus Groth die»
sen Ehrensold nicht gönnen? Aber die Art
und Weise, wie Herr Cmanuel Geibel leln
Votum mit einem Gutachten begründet, diese
zwingt uns, ihn auf den erwähnten Aufsatz
aufmerksam zu machen. Er, der Preisrichter,
beginnt mit der sonderbann Erklärung: dnß
er der süddeutschen Dialekte nicht genug mäch'
tig sei, um sich nuf diesem Gebiete ein ent>
scheidendes Nrtheil zu erlauben i es sei ihm
aber auch außer Hebel überhaupt kein süd,
deutscher Dialektdichter bekannt, dessen for>
melle Vielseitigkeit den Uon der Goethestif,
tung aufgestellten Anforderungen entspräche.
Emanuel Geibel kennt also nicht Seid l ,
Lindem ayr, S ic lzhammer, Kalten»
brunner, Misson, Ferdinand Sauter,
Anton Schosser, er kennt aber auch nicht
den alten kmnnen Grübel , den köstlichen
Kobel l , den sinnigen Baumann und den
neuesten^ den liebenswürdigen Rosegger!
Wenn also Herr Emanuel Geibel in der
süddeutschen Dialektdichtung, wie er selbst
bekennt, nicht Bescheid weiß, dann war es
seine einzige Sache: sich zu einem Urtheile
auf diesem Gebiete der Literatur, und na<
mentlich, da es sich um Zuerkninung eines
Ehrenpreises handelt, für incompetent zu er>
klären)
Schüsulail, Johann Michael (Arzt,
geb. zu Waidhofen an der Thaya
28. April 1743, gest. zu Wien 26.Iän<
ner 1798). Ueber Lebens» und NildungS»
gang dieses seiner Zeit vielgenannten
ArzteS, der namentlich auf zwei gewaltige
Uebelstände, auf daS Falschen der Kinder
und die so nachtheiligen Schnürbiüste,
aufmerksam gemacht und dagegen geeifert
hatte, ist nur sehr wenig bekannt. In
Wien beendete er die Studien und e»
langte daselbst 1767 die medicinische
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon