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lalogischen Museums, war gestorben.
Der damalige Oberstkämmerer Graf
Wrbna brachte für die vereinigten Stel»
len vr. v. Schreibers in Antrag und
nach Genehmigung desselben trat S. sein
neues Amt, das ihm einen wohl längst
gewünschten Wirkungskreis eröffnete, an
und wirkte durch 46 Jahre in wechseln-
den Zeiten zur Ehre und Förderung der
Wissenschaft, die er liebte und in deren
Studium er unablässig sicd vertiefte. Als
Hauptmomente seiner Thätigkeit als Di>
rector der kaiserlichen Museen sind zu
bezeichnen: die Bergung der Kunst' und
Naturschätze der kaiserlichen Museen,
Bibliotheken Wiens, der Schatzkammer
und sonst werthvollst^n Gegenstande des
Hof» und Staatseigenthums vor dem im
Jahre 1809 vordringenden Heere Na.
p o leon's. Für die umsichtsuolle Ausfüh»
rung dieses Auftrages erhielt S. im
Jahre 1810 den kaiserlichen Ralhstitel.
Im Jahre 18l3 wurde S. nach Paris
entsendet zur Uebernahme der von den
Franzosen im Jahre l8(w weggeschlepp.
ten Kunstschätze, Bücher u. dgl. m., deren
Rückerstattung in den Frieoensbedmgun»
gen ausdrücklich festgesetzt war. Vom
Jahre 18l? bis zu Natterer's im
Jahre 1836 erfolgter Rückkehr führte 2.
das Referat über die brasilianische Gifte»
dition, an deren Organisation er den
wesentlichsten Antheil hatte. Ein Haupt-
verdienst S.'s aber ist die Organisation
der seiner Zeitung anvertrauten Anstal-
ten, die bis dahin in einer weder den
Anforderungen der Wissenschaft, noch
ihrem Titel als kaiserliche Sammlungen
entsprechenden Weise aufgestellt waren.
Vornehmlich sind die botanische Samm>
lung und die mit den Museen verbundene
naturwissenschaftliche Bibliothek ein Er-
gebniß seiner Bemühungen. Wohl wur>
den durch die Kriegsjahre 1809, 1813 bis 1818 die Organisirungsarbeiten ge.
stört, um aber alsdann einen desto er-
freulicheren Fortschritt zu nehmen. Durch
S.'s Bemühungen erlangte das kaiser-
liche Museum sowohl wegen der reichen
Schätze, welche es besaß, wie wegen der
zweckmäßigen Aufstellung einen ausge.
zeichneten Ruf. Im Jahre W23 erhielt
S. den Titel eines Regierungsrathcs, im
Jahre 1838 jenen des HofratheS. Nun
schritt sein amtliches Wirken nach Außen
gleichförmig und" ruhig dahin — nach
Innen, wie einer seiner Biographen be>
richtet, ohne die Ursachen näher zu be»
zeichnen, freilich oft gestört und verbittert
— und selbst die Gewitter des Jahres
!8i8 schienen machtlos drohend, vo.rüber>
gezogen, dc> — im letzten entscheidende»
Augenblicke, als AlleS schon gesichert
schien — schlugen die Flammen aus de,m
Dacde des Museumögebäudes hervor,
mit genauer Noth entrann ihnen der
Greis mit seinen Angehörigen, und als
er einige Tage darauf die von geistigem
Leben durchdrungenen, von den herzer»
frischenden Erinnerungen der strebenden
Jugend und des thatkräftigen Mannes-
alters durchwehten Räume besuchte, da
fand er eine öde, formlose, von schwarz«
gebrannten Mauern umgrenzte Stätte,
und die Asche, welche sie deckte, sie war
Alles; waS noch übrig geblieben von den
Früchten vierzigjährigen Sammler» und
Foischersieißeö, von dem reichen Brief»
wechsel mit den Besten seiner Zeitgenos»
sen, von seiner auserlesenen Büchersamm»
lung. Die Huld des Monarchen verlieh
dem schwer Getroffenen die vollen Be>
züge des HofralhrangeS, dessen Namen
er bisher nur als Ehrentitel geführt.
Wohl leitete S. noch fürdec sein Amt,
aber das Alter forderte sein Recht, zu
Ende deö Jahres 1851 trat er in den
Ruhestand, aber schon wenige Monate
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon