Seite - 298 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31
Bild der Seite - 298 -
Text der Seite - 298 -
Schrenck 298 Schrenck
daten, al« von Interesse, und dieß um so
mehr, al« er wie alle leidenschaftlichen Men°
schen — und das war er im hohen Grade —
auch verschiedenartig beurtheilt wurde. Wenige
Sterbliche hatten so viel Verstand, so hohen
Verstand, wie er, so schärft VeurtheilungS-
kraft und zussleich so wenig Selbstbeherr-
schung. Er ließ sich hinreißen, war starr,
eisern in vorgefaßter Meinung, Im Aeuhe-
ren war « kalt, trocken, schroff, einsylbig;
seine Worte aber waren Maik, Er halte
häufig Zerwürfnisse, heftige Scenen, grelle,
rigorose Auftritte, S. war das völlig, was
man „ein Gelehrter" nennt. Noch in frischen
Jahren lebte ei einsam und still, im höchsten
Stockwerke der tiefsten Straße (auf dem Salz-
grieS), der Literatur und den Wissenschaften.
Da bereitete er sein „Sonntagsblatt" oar.
Durch Verhältnisse ward er Kunsthändler, Er
gefiel sich nicht in solcher Sphäre. Nun ge»
wann ihn die Kunst; und das Hoftheater gc>
wann in ihm einen bahnbrechenden Umbild-
ner, einen kundigen, kräftigen Gestatter, ein«
mächtige Säule; neues Leben, neuen Geist,
neue duftige Blüthen und Früchte. Schrei-.
uogel's Wirken war eine neue Aera, eine
Epoche, Die ganze Kunstwelt weiß und ehrt
es. Dichter war, er nicht, es gebrach ihm an
Phantasie, aber gewandter Uebertrager, um-
sichtiger, tactuollec Anordner. Er war ein
eiskalter Verstandeskopf; für Genialität hatte
er, keinen Sinn; sie war ihm ein Greuel. Als
theoretischer Aesthetiker war er etwas arrierirt,
al« Dialektdichter, als Kritiker fein und glück-
lich. Den Dichtern und Schauspielern, selbst
seinen Obern, war er eine Art Orakel, Sie
suchten und fanden Rath und Auskunft. Er
war Dictator und verdiente es zu sein.
Werner fragte ihn häufig um Nath. er hat
gar Manches Uon ihm gelernt, Schrei uo>
gel's Feder war Lessing's Feder.
Schrmck auf Rotzing, Alois Joseph
Freiherr (Fürsterzbischof uon Prag,
geb. zu Zbenic in Böhmen 24. März
1802. gest. zu Prag 8. März 1849).
Entstammt einem alten Münchener Ge>
schlechte, das bereits im 13. Icchrhun.
berte in den Münchener Rathsbüchern ur»
kundlich aufgeführt erscheint, ftas Nähere
S. 299 in d. Quellen). Freiherr Alois
Joseph ist ein Sohn des k. k. Majors
und Frecherm Franz Seraph Sch. aus dessen zweiter Ehe mit Theresia Ca>
jetana Freiin von Aßfeld und
Widrzi. Früh verwaist, begann er im
Jahre 482t im bischöflichen Seminar zu
Königgrätz das theologische Studium,
wo er sich das besondere Wohlwollen
seines Bischofs Alois Joseph Grafen
Kolowrat IM. XII, S. 376. Nr. 7)
erwarb, durch den er bereits im Jahre
1823 eine Domicellarstelle im Olmüher
Domcapitel erlangte. Am 22. Mai 1828
erhielt er die Priesterweihe, ging nun als
Hilfspriester nach Schabelin bei Olmütz,
kam später in die höhere Bildungsanstalt
in Wien und wurde bald darauf Pfarrer
zu Gmünd in der St. Pöltener Diöcese.
Daselbst schenkte ihm der dortige Bischof
Jacob Frint fBd. IV, S. 366^ bald
solches Vertrauen, daß er ihn schon im
Jahre 182!) — also in einem Alter von
erst 27 Jahren — zum Dechant des
Weitraer Decancits und bischöflichen Eon-
sistorialrathe ernannte. Im Jahre 1832
vertauschte S. seine Pfründe mit der
Pfarre Mödritz bei Brunn, erlangte da>
selbst 1834 die theologische Doktorwürde
und trat nun am 16. September 1838,
nachdem er die gesetzlich erforderlichen
zehn Seelsorgerjahre hatte, als Nestden»
tial'Domherr in das Olmützer Capitel.
Am 14. November d. I . wurde er Di>
rector der philosophischen Studien in
Mähren und wenige Tage später Propst
der Stadtpfarrkirche St. Mauriz. Drei
Jahre später bestellte ihn der damalige,
Olnu"cher Erzbischof Freiherr von So»
mecau'Boeckh zum Erzpriester. und
Dechant des Olmützer Archiprcsbyte.
rats und Decanats, und erbat sich ihn
nach Gnde desselben Jahres zu seinem
Weihbischofe, zu welchem er auch mit
dem Titel eines Bischofs von Ptolomais
am 12. Februar 1838 ernannt wurde.
Am 20. Juni d. I . erfolgte seine Beru-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon