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Schreyer 304 Schreyer
gerade auf seinem speciellsten Gebiete ist
der Blick und das Urtheil der Franzosen
durch eine Reihe der bedeutendsten Mei
ster, welche ihre nationale Kunst darin
ausweist, wir nennen: Vernet, Bel»
langer, Bougnereau, Fromen»
tin, Boulanger, Bel ly , Raffet ,
ganz besonders geübt, geschärft, das
Echte und Große zu erkennen. So hatte
Schreyer, wie einer seiner Kritiker
ganz richtig bemerkt, nur nöthig gehabt,
er selbst zu bleiben, um zu der hohen
Stufe künstlerischen RuhmeS durchzu»
dringen, welche ihm heute Kritik, Genos»
sen und Publicum widerspruchslos unter
dm Zeitgenoffen anweisen. Man hat und
nicht mit Unrecht seinen leider zu früh
verstorbenen Landsmann und Kunstge»
nossen Teutwart Schm! tson sBd. XXX,
S. 327^ ihm zur Seite gestellt, und in
der That sind sie im Vielen sich ähnlich.
Wie dieser, besitzt auch Schreyer die
Gabe eines wunderbaren, künstlerischen
Gedächtnisses, das leden, in der Natur
empfangenen Bildeindruck, eine eigen»
thümliche Bewegung von Thier und
Mensch, die feinste Besonderheit der Form
und Farbe, die zartesten, flüchtigsten
Tonwirkungen, wie solche Wetter, Luft
und Licht in der unbegrenzten Mannig'
faltigkeit ihrer Stimmungen auf die
Landschaft und was sich in ihr bewegt,
äußern, unverlierbar zu bewahren, ver.
mag; dazu eine Kraft der Phantasie,
auch die nicht selbst gesehenen Scenen in
vollendeter Realität anzuschauen, wie er
dieß in dem Bilde,- „Verwundung deS
Fürsten Thurn und Taxis" in wahr.
haft genialer Weise bewiesen hat. Das
Bild ist von dem Künstler zehn und mehr
Jahre nach dem Treignisse gemalt, und
welche Wahrheit in der Haltung des als
Reiter einzig in seiner Art in Europa
bekannten Prinzen, der thatsächlich trotz des zerschmetterten Schädels weder Zügel
noch Sitz verlor! Keinem Menschen
würde es einfallen, zu denken, daß der
Künstler in seiner Phantasie die Natur»
Wahrheit so wiedergegeben, als wäre die
Sache erst gestern geschehen und er selbst
dabei unmittelbar thätig gewesen. Ein
Blick in die Mappen des Künstlers gibt
uns annäherungsweise einen Aufschluß
über seine Gabe, waS er im Geiste sieht,
in Bildern zu verkörpern. Landschaftliche
Scenerien. Prospecte von Städten, Lager-
scenen. Trachten, das Alles ist skizzenhaft
mit künstlerischer Hand hingeworfen, um
dann später auf einem Bilde mit einer
Wahrheit wieder zu erscheinen, daß wir
uns mitten darin, waS wir im Bilde
sehen, selbst zu befinden scheinen.
I l lus t r i r te Zeitung (Leipzig, 3 3 Weber,
tl, Fol,) Nr. ?<3, 2«, Februar <8»7, S, !92.'
„Adolph Schreyer",' — dieselbe, Nr. M ,
2l. September 1«L<, S, 203: „Die 2. allge»
meine deutsche Kunstausstellung in Köln"; —
dieselbe. Nr. 1«2, «I.März 18«,»: „Kosaken.
Pferde im Schneegestöber. Gemälde uon Ad.
Schreyer". — Mi t the i lungen der Vefell<
schüft für vervielfältigende Kunst. Beilage zur
„Zeitschrift für bildende Kunst" (Leipzig. E.
A. Seemann, 4°.) I. Jahrg. (l8?3). Nr, 4,
25. April, Sp. «8. im MbuM'Texte, — Faust
(Wiener Fnchulatt, 4°.) l«»ä, Nr. 8! „Ein
Nesuch in einem MaleoAtelier". — Wiener
Zei tung lüssl, Nr, l?, S, 243, — Die
Künstler aller Zeiten und Völker. Negon>
nen von Prof. Fr. Mü l l e r , fortgesetzt von
!>r. Karl Klunzinger (Stuttgart l«LO,
Ebner u. Seubert, gr.8°.) Bd. IV, S. 3«9
Düitgllnz unbrauchbaren Quellen-Nachweisen).
— Breslauer Zei tung l8«3, Nr. 24«,
im Feuilleton in den „Pariser Plaudereien",
— Neue« Wiener Tagb la t t <368.
Nr, 293, im Feuilleton: „Die Oestcrreicher
auf der dritten deutschen Kunstausstellung".
— Kölnische Zeitung!8S«, Nr, 340, im
Feuilleton: „Die zweite deutsche allgemeine
und historische Ausstellung", uon Hermann
Neckei;— dieselbe !864, Nr. l<53, im Feuil.
leton: .Die Pariser Ausstellung"; — dieselbe
««4, M . 28t, in der Beilage- „Belgische
Kunstausstellungen, I I I . " — No natö'Ver,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon