Seite - 338 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schnabel-Schrötter, Band 31
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erntete, war auch ihr Beruf entschieden
sie sollte Sängerin werden. Ihrem erste:
Meister im Gesänge, G r ü n w a l d
folgte nun der Italiener Mozatt i
während in Declamation, Action und
Mimik ihre Mutter Lehrerin und Vorbild
war. Sie machte bald glänzende Fort
schritte und ihr angeborner Genius hal
ihr bald, sich selbstständig auf der ein
geschlagenen Bahn zu orientiren. Ihre
weiteren Antrittsrollen waren Emme
line mWe i g l's „DieSchweizelfamilie'
und Marie in Gretry's „Blaubart".
Als Weber's „Freischütz" zum eisten
Male in Wien gegeben werden sollte,
wurde ihr die Parthie der Agathe
zugetheilt. Am 7. März 1322 wurde die
Oper zu WilHelm inen's Benefize zum
zweiten Male gegeben. Weber dirigirte
die Oper persönlich und Wilhelmine»
Agathe theilte seinen Triumph. Der
Enthusiasmus kannte feine Grenzen.
Weber selbst sagte von der Sängerin:
„Sie ist die erste Agathe der Welt und
hat Alles übertroffen, waS ich in die
Rolle hineingelegt zu haben glaubte".
Noch im Sommer desselben Iahreg be>
gab, sie sich mit ihrer berühmten Mutter
nach Dresden, wo ihr Talent wie ihre
Schönheit allgemeine Bewunderung ern»
teten. Als sie von Dresden nach Wien
zurückkehrte, wurde zu der Ramensfeier
der Kaiserin die seit einiger Zeit zurück-
gelegteOper „Fidelio" vonBeeth ouen
wieder gegeben und Wi lhe lm inen die
Titelrolle zugetheilt. Beethoven sprach
sich im Anbeginn sehr unzufrieden da»
über aus, daß die schwere Rolle der
Leonole „einem solchen Kinde" —
Wilhelm ine zählte damals 17 Jahre
— anvertraut wurde, kam aber nach der
Aufführung von seiner vorgefaßten Mei»
nung zurück. Den Ton ihrer Stimme,
da ihm das Gehör versagt war, konnte
ient. Wilhelmine 338 Schröder-Zeurient) Wilhelnune
er freilich nicht hören, aber die Seele
ihres Gesanges offenbarte sich ihm in
jeder Miene deS von Geist durchleuchteten
Gesichtes, in dem glühenden Leben der
ganzen Erscheinung. Nach der Vorstel-
lung ging er zu ihr, seine sonst so finsteren
Augen lächelten ihr zu, er klopfte ihr auf
die Wangen, dankte ihr für den „Fidelio"
und versprach, eine neue Oper für sie zu
componiren — ein Versprechen, das lei»
der nicht erfüllt werden sollte. Wilhel»
mine kam nie wieder mit dem Tonheros
zusammen, aber unter allen Huldigungen,
die der berühmten Frau später zu Theil
wurden, blieben ihr die Worte der Aner»
kennung, die ihr Beethoven gesagt
hatte, die liebste Erinnerung. Aber wie
der Meister, so waren auch Hof und
Publicum in der Anerkennung über ihre
unvergleichliche Leistung im Gesänge und
Spiele dieser Rolle eins. Mit der Rolle
Fidelio's hatte sich Wi lhe lm ine den
Platz neben den ersten Sängerinen ihrer
Zeit ersungen. Bis Hieher gehören die
Schicksale der berühmten Sängerin dem
Kaiserstaate an, deßwegen glaubte Her»
ausgeber auch etwas ausführlicher sein zu
muffen. Ihre ferneren Schicksale sollen
kurz zusammengefaßt werden. Im Jahre
11823 ging sie nach Berlin. Früher schon,
aber um diese Zeit hatte sie den Schau-
spieler Karl Devr ient kennen gelernt.
Die beiden jungen Leute gewannen sich
lieb und noch im Sommer genannten
Jahres wurde der Ehebund in der Ieru»
alemerkirche in Berlin geschloffen. I n
der eisten Zeit, da durch zwei schwere
Wochenbetten ihre Stimmmittel stark
geschwächt warm, gelangte die Künstlerin,
die einem Rufe nach Dresden gefolgt,
war, nicht zu voller Geltung. Aber, nach»
dem sie sich erholt und ihre frühere Voll»
raft wieder erlangt hatte, nun erst be»
gann ihr Stern zu glänzen. Ihre aus
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon