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Schüler 188 Schuler
brauchte, ihn benutzte, wo es Schwie
rigkeiten gab, seinen Rath und seine Hilfe
in Wort und Schrift suchte, ging ihm
der Hochmuth, ging ihm die Mißgunst
mit Ostentation aus dem Wege. Weil er
seinen eigenen geraden Weg ging, weil
- er seine Ueberzeugung nicht beugte vor
dem Fufthauche der Gunst und der Ta
gesmeinung, hatte der edle Mann Feinde
und Gegner genug. Auf der einen Seite
vom Mißtrauen wegen seines Freisinns
gemieden, auf der andern vom Spotte
wegen seiner Besonnenheit verfolgt, ging
er unerschütterlich mitten hindurch im
Bewußtsein, das Rechte zu wollen und
zu thun und gestählt durch den Panzer
der Ueberzeugung. Hochherzig in Allem,
vergalt er seinen Feinden nie mit Miß«
gunst, und tolerant selbst gegen seine
Gegner, ehrte er auch ihre Ansichten.
Voll Ehrfurcht dor dem Göttlichen, voll
Pietät für Alles Heilige und Ehrwür-
dige, fest und gediegen in seinen Grund»
sätzen, dem Vaterlande ein aufopfernder
Bürger, treu seinen Freunden, edel selbst
gegen seine Feinde, fremd jeder Verstel»
lung und Heuchelei, durchaus tüchtig und
bieder, menschenfreundlich, ohne Neid,
immer hilfreich, mit Lehren und Erm.un>
terung zur Hand bei jedem guten Ge<
danken,' der nach Verwirklichung strebte,
fei es im poetischen, im prosaischen, im
politischen Felde oder in Angelegenheiten
der Gemeinde, der Vertraute der tiroli«
schen Jugend, wie des tirolischen Alters,
war er durch und durch ein Charakter
und dabei ein l iebenswürdiger
Charakter. Wenige Jahre nach seinem
Tode erschienen, von seinen Freunden
herausgegeben, die „GeSllMNtlten Schritten
nun Johannes Schlller" (Innsbruck t86i ,
Wagner, 8».). Es ist ein mäßiger Band
dieser Nachlaß des edlen Todten, er ent<
hält — nichts Rechtswiffenschafiliches — s sondern politische, literarische Abhand-
lungen und drei Novellen. Unter ersteren
befinden sich die „Tirolischen Gedanken",
welche, im Jahre 5832 in der Innsbrucker
„Schützenzeitung" erschienen, großes Auf»
sehen machten. In den literanschen Auf«
sätzen sind viele freie und feine Bemer-
kungen über die neuere Literatur, darun»
rer über Heine, Gr i l lparzer und
3enau, niedergelegt. Lena u im Jahre
484!) in Tirol zu feiern, dazu gehörte
viel Muth, denn eS ist nicht unwichtig, zu
erfahren, daß man nach Lena u's Tode
seinen Wahnsinn als Strafe Gottes von
den Kanzeln herab zu schildern wagte!
So weit vergaßen sich Die, so sich Diener
Gottes nennen. Von den drei Novellen,
welche der Nachlaß enthalt, haben zwei
das Glück, die Beute literarischer Piraten
geworden zu sein. Die Novelle: „Liebes.
Wahnsinn" wurde im Jahre 4864 mit
kleinen Veränderungen in einem nord«
deutschen Blatte, und „Jacob Stamer"
in einem Wiener Blatte von einem Drit>
ten als Originalarbeit veröffentlicht. Im
Gafthause „zur frommen Scholastica"
am Achensee lebt heute noch Schule r's
Andenken, Vom Jahre 1838 an vstegte
er seine herbstliche Muße daselbst zu ver>
bringen. Bald folgten ihm, .wie St eub
erzahlt, die Gelehrten und Dichter aus.
Innsbruck, bald auch erschienen die gei«
stesverwandten Freunde aus Bayern und
dem Reiche. Schuler war ln den deut»
schen Landen gar wohl bekannt und besaß
im Reich gar viele Freunde. Oester war
es, als wenn daS damals nock kleine
Häuschen vor lauter Celebritaten bersten
sollte. Namentlich wurde dieWeltweisheir
viel besprochen, da S. selbst, dann der
früh verstorbene Schönach ^Bd. XXXI,
S. 413^, der poetische F l i r Md. IV,
S. 267). sowie der tiefsinnige Verfasser
der „Okronioa* von Thales an biS
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon