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und sein Erfolg war ein glänzender.
Jetzt war sein Virtuosenruf begründet.
Schulhof unternahm zunächst eine grö<
ßere Kunstreise, auf welcher er Frankreich,
Spanien und England besuchte, und so»
wohl mit seinem Spiele, wie mit seinen
Compositionen überall reichen Beifall ein«
tete. Im Winter 1849/30 kam Schul«
Hof nach Wien, wo er den ihm voran»
gegangenen Künstlerruf in mehreren Con<
certen, die er gab, glanzend bewahrte.
Hansl ickin seiner , Geschichte des Wie«
ner Concertwesens" berichtet: ,Zu An
fang dieser,Periode (1849—1869) war
es der Pianist Julius Schulhof, der
daS Publicum am meisten erwärmte und
interesfirte. Sein Spiel und seine Kunst-
richtung gehören nicht zu den epoche«
machenden; das Große, Erhabene, das
Dämonisch - Leidenschaftliche stehen ihm
fern, allein die reizende Anmuth, das
unübertrefflich Gesangvolle seines Spie»
les bezauberien das Publicum. Schul«
Hof gab sechs Concerte im Jahre 1830,
mehrere seiner kleinen Clavierstücke, wie
„^.H okant äu Ler^er") die ,Phantasie
über böhmische Volkslieder" kamen sn
voxue und erhielten sich lange Zeit be>
liebt." Auf den Wiener Besuch-folgte
eine Reise nach Norddeutschland und
Rußland. Nach Deutschland zurückgekehrt,
ging er 1833 wieder nach Wien, wo er
abermals sechsmal concertirte. Dann be.
reiste er Südrußland und die Krim, ging
1854 zum zweiten Male nach Paris, wo
er neue Triumphe feierte, und concertirte
im folgenden Jahre wiederum in den
Hauptstädten Norddeutschlands. Gesund«
heitsrückfichten bestimmten ihn dann,
längere Zeit in völliger Zurückgezogen«
heit' vom Concertgeben zu leben', und
zwar in Dresden — seinem mehrjähri»
gen, vielleicht auch jetzigen Domicil —
wo ihn Familienbande fesseln. Diese Ruhezeit widmet-S. zugleich dem Com<
poniren und dem tieferen Studium clas»
sischer Pianofortemeister, wie Bach und
Beethoven. Seit mehreren Jahren
bringt er den Winter in Paris zu und
gibt dann auch ein paar Concerte, die
ebenfo Zeugniß seiner alten Meisterschaft,
wie seiner unausgesetzten Studien sind.
DaS Spiel Schulhof'S hat die ge«
wohnlichen Vorzüge des Spieles mit
anderen Componisten gemein, wo er
aber eigenartig dasteht, das sind die
Größe, Schönheit und detaillirte Aus-
prägung seines TonS und der einem
hohen, besonderen Tonsinne entsprin-
gende Wohlklang seines Spieles; seine
mit intensiv kräftigem, feurigem Zuge
und regem Accente belebende, scharfe
Rhythmik; schließlich jene gebundene, poe-
fievolle Wärme, spirituelle, männliche
Frische und liebenswürdige Anmuth sei»
nes Vortrages, der immer neu, eigen«
thümlich und sympathisch zu fesseln weiß,
ohne je Natürlichkeit, maßvolle Einfach-
heit und innere Wahrheit und Styl ein«
zubüßen, ohne je dem Einflüsse der Ma-
nier, der Effecthascherei und einer rafsi-
nirten, speculativen Behandlung zu ver«
fallen. Seine Compositionen bezeichnet
die Musikkritik als melodisch, reizvoll,
innig empfunden, geistreich und interes-
sant in den Motiven, ebenso künstlerisch
fein und correct, als geschmackvoll und
elegant, in der Form gestaltet; schön im
Klangeffect und durchaus claviermäßig
gedacht, behaupten sie einen schönen Rang
im sogenannten Salongenre; die meisten
tragen einen gedanklich ernsten Charak«
ter, keines leidet an der Gehaltlosigkeit,
welche dergleichen Bravour auf die Dauer
widerwärtig macht. Seine Pianoforte»
Transscriptionen classischer Tonwerke
bewähren ein außerordentlich feines Ton-
gefühl für Beherrschung wohllautender
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon