Seite - 170 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Band 32
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über die Intentionen gewisser Kreise
mußte ich allmälig als irrige insofern
erkennen, als mir klar wurde, sie sei
nicht die römische. Das papstliche
Breve Inas lidenwr vom 21. December
4863 an den Erzbischof von München«
Freifing, welches in unos die Scholastik
canonisirt, das Schreiben des Nuntius
mit den für Männer und öffentliche 3eh-
rer wahrhaft unwürdigen Bedingungen,
von welchen fernere Versammlungen ka>
tholischer Gelehrten abhängig gemacht
wurden, das, was ich von verschiedenen
Bischöfen und der römischen Frage kundi.
gen Männern erfuhr — dieß Alles mußte
an die Stelle jugendlicher Hoffnung die
stumme, kalte Resignation treten machen.
. . . Aber bei dem heutigen Zustande der
Kirche halte ich für Pflicht, daß Jeder,
der den Muth und die Fähigkeit dazu
hat, offen auftrete. Ein Mandat hat
Niemand nöthig. Der Wah rheit Zeug»
niß zu geben, ist Pflicht; für meine Kirche
zu thun, was ich noch in meinen schwa»
chen Kräften kann, steht mir ebenso gut
zv, als dem Papste, den Bischöfen und
Priestern, denn die Kirche ist nicht
gesetzt, dami t die Hierarchie re-
giere, die Laien gehorchen, son«
dern der Herr hat seine Kirche
gegründet, auf daß jeder in ihr
den sicheren Weg f inde, für sein
Hei l zu wirken." Mit diesen Worten
sagte stch S. von den Römlingen los.
I m Verlaufe der Schrift packt er, wie er
eS selbst als seine Aufgabe bezeichnet:
den Stier bei den Hörnern, und er weist
in Thatsachen nach, wie viele Päpste sich
selbst für persönlich fehlbar bekannt und
sich in dieser Erkenntniß an den Aus«
spruch von Concilien gewendet und dem-
selben unterworfen haben. Er weist nach,
wie keine frühere Zeit von päpstlicher
Unfehlbarkeit, als einem Lehrsatze, etwas! gewußt, wie nicht nur Bibel und Tra»
dition von ihr schweigen, sondern auch
viele kirchliche Acte geradezu das Gegen«
theil behaupten, und was allgemeiner
Glaube war: die Unfehlbarkeit als eine
Gabe der Kirche, als solcher nicht aber
des einzelnen römischen Bischofs gelehrt
haben. Schließlich, als letzten Schlag
gegen Rom. führt S. den Beweis, daß
das letzte vaticanische Concil kein öku-
menisches gewesen und die OouLti-
wtion äoZiuatioa vom 18. Juli 1870
also keine bindende Glaubensnorm sei.
Daß unter so bewandten Umständen daS
Werk: „Die Macht der römischen Päpste
u. f. w.° in Rom Sensation erregte,
begreift sich leicht, und diese gipfelte
darin, daß es nicht gleich anderen, der
Curie mißliebigen Schriften unmittelbar,
auf den Inder gesetzt, sondern daß gegen -
dasselbe ein eigenes Decret, datirt vom
13. Mai 1871, von Iuvenal Pe lami ,
Notar der h. römischen und allgemeinen
Inquisition, unterzeichnet, erlassen wurde,
worin es heißt, „daß nach eingeholtem
Votum der Herren Consultoren Ihre
Eminenzen die Cardinale General-Inqui-
sitoren bestimmt haben, daß das erwähnte
Buch zu verdammen und zu verbieten
sei, wie es mit diesem Decrete verdammt
und verboten wird, und daß eS auf den
Index verbotener Bücher gestellt werde".
Im November 1872 erhielt Professor
Schulte eine Berufung als Professor
an der juristischen Facultät der Universi»
tät Bonn.
Ritterstands'Diplom ääo. 24. Jänner
4869. — Wappen. Von Silber und Roth
quadrirter Schild. 1 und 4: in Silber ein
schwarzer, rothbezungter, golden bewehrter
Adler; 2 und 3: in Roth ein aufgeschlagenes
Buch in schwarzem Einband mit goldenem
Schnitt, schrägrechtS überlegt mit einer weißen
Schreibfeder. Auf dem Schilde ruhen zwei
zueinander gekehrte gekrönte Turnierhelme.
Auf der Helmkrone zur Rechten steht ein dem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon