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tete er eine ausgezeichnete Thätigkeit,
wofür ihm mehrmals die Anerkennung
schriftlich ausgesprochen wurde. Für sein
Stift entwickelte er eine väterliche Sorg
fält; selbst bedeutenden Kostenaufwand
nicht scheuend, war er für die Verschöne«
rung der vielen stiftlichen Pfarrkirchen,
für die Herbeischaffung werthvoller kirch»
licher Paramente und Geräthschaften,
für die Erhaltung und Renovirung der
Pfarrhöfe und zahlreicher Pfarrschulen
sorgfältig bedacht. Unter den kostspieli«
gen Neubauten, welche durch seine Für»
sorge begonnen und vollendet wurden,
ist namentlich das schöne Gotteshaus der
Pfarre Platt zu erwähnen. Sowie seine
Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse der
Seelsorge gerichtet war, blieb seine Sorg»
fält nicht minder der Förderung des
Gymnafialunterrichts zugewendet. Als
im Jahre 4849 für die österreichischen
Gymnasien ein neuer Lehrplan angeord»
net wurde, war das Stift in der glück,
lichen Lage. das ganze Gymnasium von
acht Classen mit Lehrern auS dem Stifte
besetzen zu können; denn seit Jahren
schon war der Stiftsabt darauf bedacht,
taugliche Lehrkräfte für das Gymnasium
heranzuziehen. Ferner scheute er keine
Kosten, um sowohl die nöthigen Oertlich«
keiten, als auch die neuen kostspieligen
Lehrmittel, namentlich für den physikali«
schen und naturgeschichtlichen Unterricht,
'herbeizuschaffen und alljährlich noch zu
bereichern, so daß gegenwartig das
Schotten-Gymnasium in Wien zu den
ersten Anstalten dieser Art im Kaiser-
staate zählt. Hierbei muß erwähnt wer»
den. daß die Bestreitung aller Auslagen
für den Gymnasialunterricht einzig und
allein aus den Stiftsrenten erfolgt, deren
Quellen durch das Jahr 4848 bedeutend
geschwächt worden sind. Dieses verdienst«
üche Wirken fand auch die Allerhöchste Anerkennung, indem ihm bei Gelegenheit
der siebenten Säcularfeier des Stiftes
im Jahre 1888 das Ritterkreuz des Leo-
pold'Ordens verliehen wurde; das Jahr
zuvor aber überreichte ihm der Convent
anläßlich seiner 23jährigen Amtswirksam«
keit einen silbernen Hirtenstab von künst-
lerischer Ausführung'. Priester und Mensch
in des Wortes edelster Bedeutung, lebte
er für sich im höchsten Grade einfach,
wirkte aber desto reichlicher für wohl»
thatige Zwecke. Unzählige Arme und
Hilfsbedürftige fanden seine Hand stetK
mild und offen zum Geben, doch so, daß
er selbst vor seinen Vertrautesten seine
Liebeswerke verbarg. Allen, die zu ihm
kamen, trat er mit gewinnender Freund»
lichkeit entgegen; mit engelgleicher Güte
und Milde aber den Hilfe- oder Rath-
suchenden. I n die Zeit seiner abtlichen
Regierung fällt ein großes Unglück, des»
sen Ausdehnung nur durch Se. Majestät
den Kaiser selbst glücklicherweise auf die
engsten Grenzen beschränkt wurde. Am
24. Juli 1834 brach Nachts auf dem
Dache des Schottenftiftes ein verheeren-
des Feuer aus. durch welches das schöne
und ausgedehnte Kupferdach des mach»
tigen Baues vernichtet wurde. Als der
Monarch Kunde erhielt von dem gewal-
tigen Brande, eilte er noch in der Nacht
aus Laxenburg an die Brandstätte, und
nur die energischen Befehle und Anord-
nungen des Kaisers retteten das Stift,
dessen Brand ein furchtbar prächtiges,
nie gesehenes Schauspiel darbot, vor
gänzlicher Vernichtung.
Wiener Zeitung (ar. 4<>.) I86l. Nr. 73,
S. 1221: „Dr. SigiSmund Schuttes". —
Salzburger Kirchenblatt (4o.) j86i^
Nr. 15, S. 117: „Dr. Sigismund Schulte«".
— Sonntagsblatt für alle Stände (Wien,
8°.) 486l, Nr. 45: ,vr. Sigismund Schul,
teö". — Haus Wirth (ErnestDr.), Abrlh
einer Geschichte der Benedictiner.Abtei U. L. F.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon