Seite - 190 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Band 32
Bild der Seite - 190 -
Text der Seite - 190 -
Schulz Leopold Karl 190 Schulz Leopold Karl
einen einjährigen Cursus für populäre
Astronomie eröffnen zu dürfen. Darauf
ward ihm die Bewilligung ertheilt, be»
sagte Vorlesungen nach seinem Antrage
unentgeltlich abzuhalten. Ueber Schulz's
nunmehriges Wirken in Laibach finden
sich die beredetsten Worte in der Schilde-
rung eines Fachmannes, des k. k. Schul-
rathes Dr. Franz Moönik j^Bd. XVII I ,
S. 408^. „Bedauerlich", schreibt er.
«war der Zustand, in welchem damals
das wissenschaftliche Leben an dem Lai»
hacher Lyceum darniederlag. Die Pro-
fefforen beschrankten sich, wie dieß zu
jener Zeit gemeiniglich auch an anderen
Lyceen der Fall war, auf das Herablesen
ihrer Hefte, auf das Erklären und Ab-
fragen der Lectionen, und wenn dessen»
ungeachtet ausnahmsweise ein strebsames
Talent sich emporarbeitete, so war dieß
wahrhaft nur jener inneren Macht zuzu»
schreiben, mit welcher der lebenskräftige
Trieb nach Wissen trotz aller Hindernisse
sich durchbricht. Da kam der geistvolle
Schulz nach Laibach und mit ihm ein
bis dahin nicht gekanntes Regen und
Streben unter die studirende Jugend.
Ergreifend war der Eindruck seiner An«
trittsrede, worin er das ganze Leben
eines Lycealschülers und insbesondere die
erhabene Wichtigkeit des wahren Stu-
diums der mathematischen Disciplin mit
erschütternder Kraftfülle und hinreißender
Beredsamkeit darstellte. Von feuriger
Liebe zur Wissenschaft erfüllt, verstand er
eS vortrefflich, die geistige Wonne des
wissenschaftlichen Erstrebens auch seinen
Zuhörern gefühlswarm einzustoßen. Mit
Hilfe der humoristischen Methode, die er
mit tiefem philosophischen Blicke an«
wandte, machte er diesen Gegenstand zu
einer wahren Gymnastik des Geistes und
die entwickelten Sätze zu einem selbst»
erworbenen, unverlierbaren Besitzthume seiner Schüler. Die Wahrnehmung her-
vorragender Fähigkeiten war ihm die
erfreulichste Entdeckung, die er dazu be«
nützte, um die vorhandenen Anlagen
durch aneifernde, kraftentsprechende Fort»
entwickelung zu einer immer größeren
Thätigkeit und Selbststandigkeit zu ent-
falten. Für diese Talente hielt er vor-
zugsweise seine Vortrage über höhere
Mathematik. Schulz war ein geschwo-
rener Feind jedes todten und geisttödten»
den Mechanismus', dagegen war er stets
eifrig bemüht, auch die praktische Wich-
tigkeit der Mathematik in ihren vielseiti-
gen Andeutungen auf das Leben und-
andere Wissenszweige in ihrem schönsten
Lichte darzulegen. Das bewiesen die
praktischen Vermessungen, die er alljähr-
lich in den Sommermonaten mit seinen
Schülern vornahm und die wahre Freu-
denfeste für sie waren; dieß zeigte er
durch seine ebenso faßlichen als geist.
reichen Vorlesungen über populäre Astro-
nomie, zu denen sich ein zahlreiches Audi«
torium aus allen Classen der Bevölke-
rung einfaud. Seine allseitig ersprießliche
Wirksamkeit, sein umfangreiches Wissen,
sein heiterer, freundlicher und biederer
Charakter gewannen ihm ebenso rasch
die Liebe der studirenden Jugend, als die
Achtung und das Vertrauen der ganzen
Bevölkerung. Schulz war der belebende
Brennpunct, um den sich alle Männer
der Wissenschaft und Kunst schaarten.
Alles suchte seine Freundschaft und seinen
geistreich belehrenden Umgang." I n diese
Zeit fällt auch Schulzen'S Bekannt-
schaft mit dem damals wenig gekannten
Dichter Hilscher > M IX, S. 29), auf
den dieser Verkehr mit dem jungen
geistvollen Professor nicht ohne fördern-
den Einfluß geblieben sein mag. Indessen
war S. für sein Fach auch schriftstellerisch
thatig. Es erschien sein schon in Wien
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon