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Schulz Leopold Karl 192 Schulz Leopold Karl
er den Sinn für Mathematik zu heben
und zu beleben-. so z. B. machte er in
seinem „Handbuch der besonderen und
allgemeinen Arithmetik für Praktiker"
viele Schätze der Wissenschaft, zu denen
man bisher nur mit Hilfe des Insinitesi-
mal-CalculS gelangen konnte, einem grö«
ßeren Publicum dadurch zugänglich, daß
er sehr viele Beweise auf elementarem
Wege führte. Eine Arbeit, die oft mit
außerordentlichen Schwierigkeiten und
Zeitaufwand verbunden und mit der weit
weniger Ruhm einzuernten war, als mit
glücklichen Resultaten specieller Unter»
suchungen, für die ihm aber die Männer
der Praxis besonderen Dank wissen muß«
ien. I n demselben Geiste geschah es, daß
Schulz sich anbot, für Künstler und
Handwerker an Sonn« und Feiertagen
populäre Vorlesungen über Geometrie
und Arithmetik „unentgeltlich" abhalten
zu wollen, welchem Antrage von Seite
der Regierung auch willfahrt wurde.
Auch bei diesen Vorlesungen bewahrten
sich Schulz's große Zehrbefähigung und
der praktische Tact, der ihn in seinem
Berufe immer und überall auszeichnete.
Neben diesen Vorträgen über Elemente
der Arithmetik und Geometrie, die von
dem zahlreiKsten Auditorium besucht und
für die gewerblichen Classen von den
heilsamsten Folgen wurden, hielt er auch
Vorlesungen über den Gebrauch des
englischen Rechenschiebers, auf den er in
Oesterreich und Deutschland zuerst auf«
merksam machte und den er besonders in
dem Handwerksstande einzubürgern sich
bemühte. Auf seine Angaben hin wurde
dieses Instrument von einem Wiener
Mechaniker angefertigt, worauf dann bei
Rohr mann im Jahre 1343 seine An-
Weisung zum Gebrauche desselben erschien.
Er selbst erfand einen Rechenschieber, ein
Instrument, das für jede Art von Bau« rechnungen sehr geeignet ist und unter
dem Titel: „Professor Schulz von
Straßnitzki 's Rechenschieber, heraus«
gegeben von Anton Schefzik" (Wien
4843, Rohrmann) im Drucke erschien.
Die bereits in Laibach und 3emberg ab»
gehaltenen Vorlesungen über populäre
Astronomie nahm er im Jahre 1830
auch in Wien auf. Es strömte zu ihnen
eine außerordentlich große Menschen«
menge, Alt und Jung hinzu, so daß sich
Schulz entschloß, da selbst ein großer
Saal nicht alle Zuhörer fassen konnte,
denselben Vortrag zweimal in der Woche
abzuhalten. Seine aus diesem Anlasse
gehaltene Antrittsrede erschien auch ab«
gesondert im Drucke. Im März 1848
erhielt Schulz noch die Erlaubniß, un-
entgeltliche Vorlesungen über Universal-
Geschickte am Institute abhalten zu dür«
fen. Aber auch weitere Forschungen und
Entdeckungen in der Mathematik gingen
von ihm in seiner jetzigen Wirksamkeit
aus, wie Sachkundige aus seiner Arith»
metik und Geometrie, die reich an ganz
neuen, von ihm erfundenen Beweisen
sind, wie aus seinen „Grundlehren der
Analysis" ersehen können. Neben so
manch anderen muß hier besonders auf
das zweite Capitel dieser letzten Schrift:
„Ueber Involutionen, Evolutionen. Zer«
legung in Partialbrüchen", aufmerksam
gemacht werden, das durchaus originell
ist. Ihm. verdankt ferner die mathema«
tische Welt auch die einfachste Methode
zur Aufsindung der reellen Wurzeln ho»
herer numerischer Gleichungen, die d.ann
von seinem Schüler, Professor Simon
Spitzer, auf die imaginären Wurzeln
ausgedehnt wurde. Die wenigen Andeu«
tungen Hörne r's in einem englischen
Journal lassen nur so viel entnehmen,
daß dieser eine einfachere Methode ge»
ahnt habe, ohne darüber weiter zu erfor«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon