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Schumacher 210 Schumacher
— Journal Wiens öffnete ihm mitleidig
die Spalten. Für dasselbe überfetzte der
begabte, tüchtig gebildete und mannig-
fach unterrichtete S. Romane aus dem
Englischen und Französischen, welche ihm
mit einem halben Kreuzer C. M. für die
Zeile bezahlt wurden! Unglaublich, aber
wahr. Endlich im Jahre 4834 fand er
bei der Redaction des
statistischen Blat-
tes „Austria" eine dürftige Unterkunft,
bis er wenige Jahre vor seinem Ableben
in der Bibliothek des Finanzministeriums
eine Anstellung erhielt, die ihn wenigstens
vor aller Noth sicherte. Im Herbste 1867
sing ei an, nachhaltig zu kränkeln, als-
bald zeigte sich das Leiden als Wasser»
sucht, welcher er nach fünfmonatlichem
Krankenlager im Alter von 63 Jahren
erlag. Welche Schmerzen von Kummer,
Mangel, häuslicher Sorge, als nickt
minder spitze Dornen in diese kummer-
volle Lebenslaufbahn sonst noch hinein«
geflochten sind, wer weiß es? Doch soll
es diesem traurigen Leben nicht an Licht«
blicken gemangelt haben: er besaß zwei
Töchter, Kinder der Arbeit, aber brav
und gut, dem Vater treffliche Kinder,
den jetzigen Männern wackere HauS-
frauen. Und nun eine Uebersicht der Ar»
beiten Schumacher's. Die Titel der
selbstständig erschienenen sind: „Ner ewige
Hom. Muelle ans den Seiten Markgraf Allpulb
iles Heiligen" (Wien 1834, Mechitaristen.
8".); in Folge der Preisausschreibung
deS Vereins zur Verbreitung guter katho»
lischer Bücher geschrieben, erwies
sie sich
als die beste der eingegangenen Arbeiten
. und wurde ihr auch der Preis zuerkannt.
Welch eine vielversprechende Kraft war
S., wenn sich ein Verleger gefunden
hatte, der ihn in das rechte Fahrwasser
zu leiten verstand. Aber im Vormärz,
wie war das möglich! Nun gab erden
»Wiener Gesellschafter, zur Erheiterung für Gebildete' enthqltend: Erzählungen,
Märchen, Legenden, Novellen. Lieder,
Balladen, Curiosa aus dem Leben be»
rühmter Künstler u. s. w., und im An-
hange: Pach.hueber'S Leben und Mei.
nungen in vertrauten Briefen an Zeit«
genossen; unter Mitwirkung vieler Belle«
tristen" heraus, wovon in den Jahren
1833 und 1834 sechs Hefte, die den
ersten und einzigen Band (gr. 12".) bil-
deten, erschienen sind. Zunächst folgten
die „Erinnerungsblätter. Eine Samm-
lung von Erzählungen und Novellen",
welche S. in Gemeinschaft mit Bernh.
Iäkle m 4 Bändchen (Wien 1839,
Kaulfuß' Witwe, 4".) herausgab. Nur
das erste Bändchen enthält eine Arbeit
Schumacher'S, die Erzählung: „DaS
Ende eines Dichters", in den übrigen
sind Arbeiten von Iakle, I . H. Mi-
rani und William Fitzbarth abge«
druckt. — Im Jahre 1840 gab er einen
„Oesterreichischen Musen-Almanach" und
in den Jahren 1842—1844 einen „No<
vellen« Almanach" heraus; letzterer, mit
nur einigem Geschicke redigirt, hatte für
Oesterreich werden können, was die
„Urania" damals für Deutschland war,
zeigte aber bei allem anerkennenswerthen
Willen nicht eben den besten Geschmack
und wurde von S. im eigentlichen
Sinne des Wortes zu Grunde redigirt.
Stifter'S Novellen sind die unver-
gänglichen Perlen diefeS Jahrbuches; —
zum Besten der bei dem Brande verun-
glückten Familien von Steyr erschien
von ihm ein Album, betitelt: „Abens-
bilder anZ Oesterreich. Oin Nenkbuch vaterlän»
tnZcher Erinnerungen unter Mitwirkung 2inn>
uerumndter Schrittsteller nnll Künstler" (Wien
4843, Tauer u. Sohn. Lei. 8"., mit
Mufikbeil.), ein guteS, inhaltreiches, noch
heute schatzbares Buch. — DaS nun fol«
gende „Wiener Novellenbuch" kam nicht
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon