Seite - 226 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Band 32
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Schuselka 226 Schuselka
ziger-AuSschuh zu Frankfurt und. als er
von Klosterneuburg in die Paulskirche
gewählt worden, am 20. in d.e deutsche
Reichsversammlung, dessen Linke er ver»
stärkte. Von Frankfurt aus forderte er
die öechen auf. in's Frankfurter Parla«
ment zu wählen, und aus diesem Anlasse
entstand daS öechische Spottlied: „811-
seika nä.m xise" M schreibt Schuselka
unS), deffen Anfangszeile zum geflügelten
Worte geworden und eS bis heute geblie«
ben ist. Nachdem seiner Thätigkeit da»
selbst ein gar geringes Feld sich darbot,
verließ er Frankfurt und kehrte nach Wien
zurück, wo er mehr zu wirken hoffte.
Durch die Wahl in Perchtoldsdorf (bei
Wien) kam S. in den constituirenden
österreichischen Reichstag, in welchem er,
nachdem er am 17. August seinen Austritt
aus der deutschen National-Versammlung
angezeigt hatte, seine Stelle einnahm.
Im Reichstage trat er im Anbeginne
wenig bemerkbar hervor; erst, nachdem
die unseligen Ereignisse in den ersten
Octobertagen die bis dahin unentweihte
Erhebung Wiens zum eigentlich revolu«
tionären Aufstand gestempelt hatten, vom
7. October an entwickelte S. als Bericht«
erstatter des Reichstags-Ausschusses grö-
ßere Thätigkeit. Während die meisten
früheren Koryphäen der Linken sich in
dieser verhängnisvollen Periode entweder
ganz unsichtbar gemacht oder aber sich
völlig passiv verhielten, trat S. mit einer
opferwilligen Energie ein. die wahrhaft
einer besseren Sache würdig gewesen
wäre. aber doch damals wesentlich Gutes
erzielte, wofür er freilich der Gegenstand
der gemeinsten, niedrigsten — nicht An«
feindungen — sondern Beschimpfungen
geworden. Aber diese Angriffe schienen
ihn nur zu stählen, unbeirrt ging er sei»
nen Weg fort. immer neue Blätter
pflückend, die zuletzt zu einer ganz statt» lichen Märtyrerkrone sich rundeten.
dabei seine Popularität wuchs, versteht
sich von selbst. I n Kremsier machte er
sich auch als Redner bemerkbar, insbe»
sondere in der Rede, in welcher er die
Abschaffung des Adels forderte, der frei«
lich, wenn ihn seine Partei durchgesetzt
und diese des Regierungsruders sich be«
mächtigt hätte, in anderer Form wieder
in'S Leben getreten wäre, wie ja dieß noch
an allen Orten und zu allen Zeiten so
gewesen. Nach Auflösung des Kremfierer
Reichstags kehrte S. unangefochten nach
Wien zurück, wo er ausschließlich litera»
rischer Thätigkeit sich widmete. Bis dahin
Deutsch'Katholik, trat er nun zur evan-
gelischenKirche über und heirathete die
Schauspielerin Ida Brünn ing ss. d.
folgenden Artikel S. 233^. Indessen
hatte die täglich fortschreitende Reaction
mit Hilfe des Belagerungszustandes und
der Kriegsgerichte einen Zustand hervor«
gerufen, bei dessen Erinnerung man sich
noch heute schämt. IedeS freie Wort war
verpönt und jede mißliebige Persönlichkeit
wurde internirt; Herr Terzky domici«
lirte abwechselnd zwischen Vöslau und
Brück a. d. Mur; Hawliczek fristete
von einem ihm gnädigst ausgeworfenen
Diurnum in Briien kümmerlich sein Leben;
Si t ter mußte für sein im „Figaro"
geübtes Witztalent „fern von Madrid"
in einer Strafcompagnie des Lebens
Ernst genießen; Schuselka ward da-
mals in Gainfahrn nächst Vöslau, wo er
Besitzer eines Anwesens war, internirt.
Alle Bemühungen, ein eigenes Journal
zu gründen, blieben erfolglos, auch nicht
die Herausgabe einer Wochenschrift wurde
ihm gestattet, sowie fein Ansuchen, poli»
tische Vortrage zu halten, abschlagig be-
schieden wurde. Kein Wunder, daß ihm
unter solchen Verhältnissen der Aufent»
halt in Oesterreich, zunächst in Wien ver-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon