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Schuster, Joseph 239 Schuster, Joseph
rückte General Gontreu i l Abends in
Tarvis ein. Am 6. März 1799. als der
Feind in Graubündten, ohne den Waf>
fenstillstand gekündet zu haben, die Vor«
posten überfiel, erhielt Schuster Befehl,
die Position bei Erns zu vertheidigen.
S.'s Abtheilung bestand auS 18 Grena
dieren von Brechainville-Infanterie und
16 Dragonern. Da er mit dieser Truppe
gegen die andringenden feindlichen Ba
taillone sich nickt halten konnte, munterte
er die in Waffen stehenden Bürger und
Bauern auf. sich ihm anzuschließen, setzte
die Tambours auf Pferde, ließ sie durch
die ganze noch unbesetzte Position spren
gen, Lärm schlagen, so daß der Feind
glaubte, die Stellung sei bereits von
einem übermächtigen Gegner genommen;
' indessen machte er selbst mit seinen Dra«
gonern eine Attaque auf die gegen das
Dorf vordringende feindliche Cavallerie,
warf sie, wahrend die Infanterie sich
schon früher, durch die Kriegslist ge-
täuscht, zurückgezogen hatte. Nun ließ
S. die naheliegenden Waldungen durch
die Landleute besetzen. Am folgenden
Tage griff der Feind in aller Frühe die
Hauptposition bei Chur an. ohne die
von Schuster behauptete Stellung zu
beunruhigen. Als Schuster davon
Nachricht erhielt, ging er selbst nach Chur,
um sich von der Lage der Dinge durch
den Augenschein zu überzeugen. In der
That fand er Chur besetzt, unseren Gene»
ral Baron Auffenberg gefangen und
unsere Truppen im vollen Rückzüge be-
griffen. Die Position bei ErnS war nun
von den Unseren ganz abgeschnitten. Sie
bestand aus einer Division Grenadiere
von Brechainville-Infanterie, 300 Mann
Grenzern, einem Flügel von Modena«
und einem Zuge Erzherzog Iohann-Dra«
goner und einer großen Menge bewaffne«
ten Landvolkes. S., der die Gegend üm ' Chur herum kannte, bot sich nun an, die
ganze Mannschaft durch Gebirgswege zu
führen und so vor feindlicher Gefangen«
schaft zu erretten. Zuvor noch ließ er die
Kanonen vergraben und die Munition
vernichten. Glücklich führte er die Tcup«
pen, ohne einen Mann zu verlieren,
durch's Gebirge und rettete sie so vor
Gefangenschaft. I n der 66. Promotion
(vom 13. August 180^) wurde S. für
seine Waffenthaten mit dem Ritterkreuze
des Maria Therefien-Ordens ausgezeich.
net. Im Jahre 1803 focht er bei
Lambach. dann bei Olmütz und in der
Schlacht bei Austerlitz; 1809 in jener bei
Aspern, wo er schwer verwundet wurde.
Im September g. I . rückte er zum
Major, vor Beginn der russischen Cam»
pagne zum Oberstlieutenant vor. Auch
in den Feldzügen der Jahre 1813 und
1814 kämpfte sein Regiment mit der
Bravour. durch welche es fich immer
ausgezeichnet hatte, und im October.
1815 wurde S. dessen Oberst. Er blieb
in dieser Charge, bis im Jahre 1824
seine Ernennung zum ersten Wachtmeister
in der Arcieren-Leibgaide erfolgte, wel«
chen Posten er durch 26 Jahre bekleidete.
Im März 1850 trat er, 81 Jahre alt,
in den Ruhestand, den er noch drei Jahre
genbß. Schon im Jahre 1810 war er
den Statuten des Maria Theresien-Or»
dens gemäß in den Freiherrnstand erho«
ben worden.
Freiherrnstands'Diplom ääo. Wien
2. März 1810. — (Thür heim, Andreas Gf.)
Die Reiter«Regimenter der k. k. österreichi«
schen Armee (Wien 1862, Geitler, gr. 3o.)
I. Bd.: Die Kürassiere und Dragoner, S. 223,
228, 236 u. 237. — Oesterreichischer
Militär<Kalend er, herausg. von H ir»
tenfeld (Wien, 8°.) Jahrg. 1835. S. 125.
— Oesterreichischer Soldatenfreund
(Wien. 40.) VI. Jahrg. (1833). S. 7t9: Ne-
trolog. — Hirtenfeld (I.). Der Militär.
Maria Theresien»Orden und seine Mitglieder
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon