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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Band 32
Seite - 281 -
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Seite - 281 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Band 32

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Schwanthaier 281 Schwanthaler siüffe des Erzherzogthums verdankt. Franz hatte offenbar im Elternhause die erste Anleitung in der Kunst erlangt, in welcher sein Sohn epochemachend da- steht. Dann kam er, noch ziemlich jung, nach Gmunden am Traunsee und darauf nach Salzburg, wo er einige Zeit arbei« tete. Von Salzburg begab er sich zu« nächst nach München und nach längerem Aufenthalte daselbst nach Augsburg, wo er bei dem berühmten Bildhauer Ignaz I n g e r l , von oeffen Meißel mehrere schöne Grabmonumente in Augsburgs Kirchen. unter anderen das durch Schleich's Stich bekannte des kais. ruf- fischen Gesandten von Peterson in der evangelischen St. Annakirche herrühren, einige Zeit arbeitete. I n Augsburg besuchte Scdwant Haler auch die da« mals dort bestandene Kunstakademie, auf welcher er nicht weniger denn drei Preise errang. Von Augsburg kehrte er nach München zurück und ließ sich da» selbst 1783 bleibend nieder; da er bald reichlich Arbeit hatte, berief er seinen jüngeren Bruder Anton aus Ried zu sich und führte in Gemeinschaft mit ihm zahlreiche Aufträge aus, daher die Zahl seiner selbststandigen Werke eben keine große, aber immer noch groß genug ist, um das nicht unbedeutende, bahn« brechende Talent des Künstlers, der noch m der Zeit crassen Zelotismus zu schaffen berufen war, zu würdigen. Durch seine Werke, deren bedeutendere sogleich näher bezeichnet werden sollen, wuchs sein Ruf und S. erhielt wiederholte Be. rufungen in's Ausland, so 1795 eine nach Weimar, welche alle er bei seiner Anhänglichkeit an seine zweite Heimat, wo er seine Ehegefahrtm gefunden und sich seine Häuslichkeit begründet hatte, ablehnte. Ein Holzrelief: „Nie Gngel ner< künden dm Hirten die Geburt Ghristi", war die letzte Arbeit, er schnitzte es sich zur Feier seiner letzten Weihnachten, sollte es aber nicht mehr vollenden, da ihn vorher noch der Todesengel abrief. Er starb irn Alter von 60 Jahren. Zu Franzens Zeit fand die Bildhauerkunst in München verhältnißmäßig wenig Beschäftigung, und auch diese wäre noch geringer gewe» sen, wenn nicht Franz einen neuen Brauch begründet und an Stelle der bisherigen düsteren eisernen Grabeskreuze, mit denen bis dahin die Münchener Friedhöfe besäet waren, die freundlichen Grabmonumente aus Stein und Marmor eingeführt hatte. Es sollte ihm aber der Sieg über diesen durch Jahrhunderte von Mönchen und Geistlichen genährten Glaubensfanatismus nickt leicht gemacht werden. Im Jahre 1790 hatte S. das erste steinerne Denkmal, eine über eine Urne gebeugte trauernde weibliche Gestalt, auf einer Grabstätte des Münchener Fried« Hofs aufgestellt. Das war eine Verwegen»' heit, die nicht ungeahndet bleiben durste. Das war Graberfrevel. I n nächtlicher Weile wurde das Denkmal zerstört und eines Morgens fand man nur mehr Trümmer vor. welche von Menschen hel- leren Sinnes gerettet und als traurige Trümmer geistiger Befangenheit aufbe« wahrt wurden. Vielleicht war diese Un- that von einem Schlosser begangen, der sich in Anfertigung seiner Grabeskreuze beeinträchtigt sah. Aber damit war auch der Bann gebrochen; man fand die Idee des Künstlers weder umeligiös noch sonst unangemessen, und der ersten Be> stellung mit unglücklichem Ausgange folgten alsbald mehrere, welche unange- tastet blieben und noch heute auf dem älteren Münchener Friedhofe in freilich schon stark verwahrlostem Zustande zu sehen sind. Wohl an ein halbes Hundert und vielleicht auch mehr solcher Grab-
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Schrötter-Schwicker, Band 32
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Schrötter-Schwicker
Band
32
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1876
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
406
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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