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Schwant Haler 283 Schwanthäler
Bruders Franzens; die Jugendzeit
verbrachte er im Vaterhause, und schon
bei seinen ersten Arbeiten gab sich eine
Richtung kund, die weit hinaus ging
über das Handwerksmäßige seiner Kunst,
welche in dem Orte, wo er lebte, eben
nicht viel Gelegenheit fand, sich in einer
ihr entsprechenden Weise zu entwickeln.
Als sein Vater starb, ging der junge
Künstler nach München, wo er bei seinem
Oheim Franz freundliche Aufnahme
und auch, freilich nicht immer gerade
solche Beschäftigung fand, wodurch er
sein künstlerisches Talent nach.dessen vol«
ler Bedeutung hätte zur Geltung bringen
können. Denn in der ersten Zeit seines
Münchener Aufenthaltes gab es noch
wenig Beschäftigung und erst, als sein
Vetter Ludwig in den im Auftrage
des Königs Ludwig I. ausgeführten
Arbeiten sein großartiges Talent in einer
Weise bethätigte, daß der König seine
schöpferische Kraft immer wieder in An»
spruch nahm und ihn immer wieder mit
neuen Aufträgen beschäftigte, erst dann,
an feines Vetters Seite, brachte Xaver
auch sein Talent zur Geltung und half
demselben in wirksamster Weise Lei Aus«
führung aller Arbeiten. Dadurch wurde
er freilich dem großen Publicum weniger
bekannt, da sein gut Theil Arbeit in den
Werken seines Vetters steckt, was doch
den jungen Mann, der mit inniger Liebe
und Treue an seinem leider oft kränkeln«
den Vetter hing, weder verstimmte, noch
in seiner Thätigkeit beirrte; der ihm da>
durch entrissene Ruhmesantheil hinderte
ihn durchaus nicht, sich mit ganzer Seele
der Ausführung der Aufgabe zu widmen,
die eben wieder sein Antheil geworden.
In den von Ludwig Sch. ausgeführten
Arbeiten in der Residenz, in der Glypto«
thek, im Kunstausstellungsgebäude, in
der neuen Pinakothek u. s. w. sind auch Xaver's Leistungen versteckt, und nur
die Werke selbst könnten es verrathen,
an welchen Stellen sein Meißel thätig
gewesen. Aber auch noch in anderer
Richtung verdient X. Erwähnung. Als
ausgezeichneter Praktiker stand er bei den
hausigen Krankheitsanfällen Ludwig'S
demselben als Ordner und Leiter des
großartigen Ateliers mit Allem, was
darum und daran hing, in werkthätiger
Weise mit Umsicht und Verständniß zur
Seite. Auch wirkte er künstlerisch und
sonst sehr fördernd auf das Gewerbs«
leben, indem er eine Reihe von zweiund«
zwanzig Jahren hindurch an der Model-
lirschule gründlichen und nutzreichen lln»
terricht im Bossireu ertheilte. Als sein
Vetter Ludwig endlich mitten in Voll»
endung großer Aufträge aus den Leben-
den gerissen wurde, ging, was früher
Xaver für ihn zu leisten hatte, von nun
an auf Wag und Gefahr seiner selbst.
Xaver sehte nun die Arbeiten seines
Vetters zum großen Theile fort. Von
seinen selbsistandigcn Arbeiten sind zu
erwähnen ein großer Theil der Modelle
zu den Ornamenten des königl. Hofthea»
ters; viele Büsten, Statuen und Sta«
tuetten; von seinen in Marmor ausge«
führten Statuen gingen namentlich in
den letzteren Jahren mehrere nach Eng>
land und Amerika; von seinen Statuet»
ten sind aus früherer Zeit, insbesondere
jene Gangkofer"s, des Erbauers der
Frauenkirche, dann deS Königs Ludwig
und W allenstein's, beide aus GypS.
als besonders gelungen bemerkenswerth.
In der Walhalla sind die Büsten des
Kaisers Kar l V., Friedrich Bar-
barofsa'S und Mozart 's Werke fei-
nes Meißels. Eines der beiden Giebel«
felder für die Propyläen führte er im
Auftrage des KönigS Ludwig in Mar.
mor nach dem Entwürfe seines Vetters
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon