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Schwarz Gottfried 292 Schwarz Gottfried
Universität vorbereitet, begab er sich
4726 nach Deutschland, und zwar nach
Jena, wo damals Männer wie Buder.
Hamberger. Ho ff mann, Köhler,
Schmelzet. Sto l le u. A. lehrten.
Nach vierjährigem Aufenthalte in Jena
beriefen die Leutfchauer den 21jährigen
S. als Conrector an ihre Schule. Die.
sem Rufe folgend, kehrte S. in sein
Vaterland zurück und schon nach ändert«
halb Jahren wurde er Rector der Leut«
schauer Schule. Mißhelligkeiten und Ver«
drießlichkeiten mit dem dortigen Schul»
Patronate verleideten ihm aber alsbald
sein Amt und freiwillig legte er dasselbe
wieder nieder. Seine Absicht, sofort nach
Deutschland zurückzukehren, wo
sich ihm
während seines mehrjährigen Aufenthal«
tes doch noch eine andere Welt gezeigt
hatte, konnte er wegen Familienangele
genheiten nicht ausführen. Ein Proceß,
den sein Vater bereits t» Jahre geführt,
fesselte ihn an die heimatliche Scholle.
Er begab sich demnach 1734 zunäcbst
nach Pesth. um in der Nähe seines Advo«
caten den Ausspruch des Gerichtes abzu«
warten, der endlich nach dreiviertel Jah-
ren — gegen ihn — gefällt wurde. Nun
begab er sich nur noch nach Leuischau,
um dort seine häuslichen Angelegenheiten
zu ordnen, und nachdem dieß geschehen,
verließ er im Jahre 4733 fein Vater«
land. um es nie wieder zu betreten. I n
der Fremde gelangte S. zu amtlichen
Ehren und bedeutendem wissenschaftlichen
Rufe in der Gelehrtenwelt. Auf seiner
Reise nach Deutschland, die er über Preß-
bürg, Wien, Nürnberg, Frankfurt a. M.,
Marburg, Erfurt, Jena nach Halle
ausgeführt und auf welcher er in den
genannten Städten mit namhaften Ge-
lehrten, so u. A. mit dem Zistoricus
Bel Md. I , S. 234^. mit'dem kais.
Leibärzte und Bibliothekar Pius Niko- laus Gare l l i M . V , S. 89^, mit
dem kaiserlichen Astronomen Mar ino ni
^Bd. XVI, S. 447^ sich bekannt gemacht,'
auch in Marburg ein Jahr aufgehalten,
traf er 1739 in Halle ein. wo er im
Anbeginne die Abficht hatte, fich bleibend
niederzulassen, auch hatte er dort bereits
Vorlesungen zu halten begonnen, die fich
großen Beifalls erfreuten und 1740 zur
Erlangung der Magisterwürde öffentlich
disputirt. Als jedoch im Jahre 1742
seine Berufung als Rector nach Osna«
brück erfolgte, nahm er dieselbe an und
begab fich dorthin, wo er durch sieben
Jahre bis 4749 wirkte. Im genannten
Jahre aber berief ihn der Landgraf von
HesseN'Caffel als Superintendenten der
Grafschaft Schaumburg, Heffen.Caffel.
schen Antheils. Beisitzer des Confisto«
riums und ersten Professor der Theologie
nach Rinteln. Da er ohne Doctorwürde
dieses hohe Amt nicht antreten durfte,
bewarb er sich bei der Universität in
Helmstadt um dieselbe, erlangte sie auch
in Hc»36ntia und trat nun sein Amt in
Rinteln an, worauf ihn der Landgraf
alsbald auch noch zum Consistorialrathe
erncmnte. 33 Jahre wirkte S. daselbst
im Amte. von seinen Mitbürgern und in
der Gelehrtenwelt hochgeachtet. Auf wis-
senschaftlichem Gebiete war er in den
Fächern der Theologie, Philosophie und
Geschichte besonders thätig. Auf letzterem
war es insbesondere die Geschichte seines
Vaterlandes Ungarn, die er mit besonde«
rer Liebe bearbeitete. Der Freimuth, mit
welchem er seine Ansichten vortrug, die
nicht immer den Beifall Jener fanden,
für welche sie zunächst bestimmt waren,
zog ihm von mehreren Seiten mitunter
harte, immer aber unbegründete Angriffe
zu, welche später, nachdem Fachmänner
wie Kol lar , Katona, Kerselich,
Pray. seine Arbeiten unbefangen und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon