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Schwarz Ioh. Georg 298 Schwarz Ioh. Georg
wordene Gegenden und Volksstamme
um Iahrzehnde früher gegeben und die
Aufmerksamkeit wissenschaftlich gebildeter
Reisender auf dieselben gelenkt haben.
Wie bemerkt worden, lebte S. als nord-
amerikanischer Consul in Wien und
machte als solcher, da er ein ansehnliches
Vermögen besaß, ein großes HauS. Er
bildete bei seiner Stellung als Mitglied
des diplomatischen Corps, und doch ohne
eigentliche Bildung, sondern nur mit den
auf seinen weiten Reisen und im Verkehr
mit Menschen aller Völker abgeschliffenen
Manieren, in denen er aber niemals den
einstigen Handwerker ganz zu verläugnen
im Stande war, eine ganz eigenthüm
liche. durch sein sonst imposantes Aeußere
Aufmerksamkeit erregende Erscheinung.
Herausgeber dieses Lexi-kons, der. seinen
vielen Aufforderungen, ihn zu besuchen,
eines Tages nachkam, war überrascht von
.der Mannigfaltigkeit und dem Reichthum
der Sammlungen, die ihm der Consul
zeigte, und von der Weift, mit welcher
derselbe seine für sich selbst sprechenden
Kunst- und andere Schätze mit Worten
noch mehr herausstaffirle. S. würde
wohl trotz seiner diplomatischen Position
und seines großen Vermögens, das er in
seiner Art zur Schau trug, wohl kaum
viel beachtet worden fein, wenn er nicht
im Jahre 1848 aus seiner bisherigen
Passivität getreten wäre. S. gründete
nämlich im genannten Jahre mit I . Em.
Vei th den Wiener Katholiken.Verein.
Es war das in Anbetracht der damaligen
Verhältnisse ein ebenso muthigeS als ver«
dienstliches Unternehmen, denn es han>
delte sich dabei ni'cht um ein jesuitisches
Angriffsheer auf Freiheit und Fortschritt,
sondern um eine rein defensive Phalanx
gegen die geradezu niederträchtige Terro»
risirung, welche die damalige „Gassen»
journalistik" gegen die Kirche jeder Form ausübte. Deßhalb betheiligjen sich da«
mals an diesem Vereine auch alle fort»
schrittsfreundlichen Katholiken, die heute,
wie es dem edlen Monta lembert
erging, verketzert werden. Erst später
wurde aus dem ganz anständigen und
EdleS fördernden Katholiken«Vereine der
bald anrüchig gewordene Severinus»
Verein, aus dem sich nach und nach unter
dem Hochdrucke der ultrarömischen jesui»
tischen Fanatiker alle denkenden Kräfte
zurückzogen, so daß er nach und nach
dem plarenden Blödsinn verfiel und end»
lich in der Michaelsbruderschaft aufging.
Das Auftreten des Consuls Schwarz
im Jahre 1848 bewies unter allen Um«
standen Tapferkeit und offenen Freimuth,
wofür er natürlich wenig Dank und von
einer Seite, von der es am wenigsten
zu erwarten war/ schlimmen Lohn ein»
heimste. Die Vereinigten Staaten in
Nordamerika, die bei sich daheim einen
Jeden in seiner Fayon selig werden
lassen, die sich daheim um Religion und
was darum und daran hangt, nicht küm»
mern, machten bei Schwarz, sonderbar
genug, eine Ausnahme, nahmen ihm die
Consularvertretung ab und bewiesen mit
diesem Vorgange eine Inconsequenz, die
dem gelobten Lande der Freiheit nichts
weniger denn zur Ehre gereicht. Frei«
lich hatten die politischen Flüchtlinge
daS Ihrige dazu beigetragen, indem sie
Schwarz, der mit vielen Tausenden
gegen die überHand nehmende Anarchie
furchtlos ankämpfte, als Reactionär ver>
lästerten. Dabei muß ausdrücklich betont
werden, daß der UltramontanismuS des
Consuls Schwarz übrigens ein ganz
österreichisch gefärbter war, der heute
von den Römlingen gar ni'cht probehaltig
befunden würde, und wenn S. noch
lebte, so würde ihm wohl das Mißgeschick
widerfahren, zwischen zweierlei Stühlen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon