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Schwär). Wilhelm
der kais. Regierung zum ersten Cornmifsär
für die im Jahre 1862 in London statt-
findende Weltausstellung ernannt und
mit den Bearbeitungen und der Durch»
führung der Betheiligung Oesterreichs
an diesem Wettkampfe aller Nationen
betraut. Die kön. großbritannische Regie«
rungs-Commission der Ausstellung er»
nannte ihn zum Präsidenten der 4. Classe
der internationalen Jury. Nach dem
Schlüsse der Weltausstellung in London
hatten die österreichischen Aussteller eine
Geldsammlung eingeleitet, in der Abficht,
ihm „als Zeichen dankbarer Anerkennung
seiner außerordentlichen Verdienste um
die österreichische Industrie, sowie für die
energische und wirksame Vertretung ihrer
Interessen in London ein Ehrenge»
schenk zu widmen". S. lehnte diese
Ehrengabe ab mit der Bitte, die zu dem
eben erwähnten Behufe verfügbaren Sub«
scriptionsbeträge zu capitalisiren und die
Zinsen zur Förderung der österreichischen
Industrie zu verwenden. Er errichtete in
Folge dessen für immerwährende Zeiten
eine Stiftung, deren Zweck erreicht werde
erstens: „durch Verleihung von Reise-
stipendien an talentvolle, strebsame, un»
bemittelte österreichische Staatsbürger,
gleichviel welcher Nationalitat, welchem
Kronlande, welcher Religion und wel«
chem Gewerbe und Kunstgewerbe ange«
hörig; zweitens durch Gewährung von
unverzinslichen Vorschüssen zur selbst«
standigen Etablirung an die aus dem
Auslande zurückkehrenden Stipendiaten".
Dieser Stiftung wurde laut Stiftbrief
vom l t . August 1864 der Name
-„Schwarz'Stiftuug" beigelegt und deren
Verwaltung in Folge seines Wunsches
von der Handels, und Gewerbekammer
in Wien übernommen. Im Jahre 1870,
in welchem die Stiftung bereits das
Capital von 17.000 fi. erreichte, kam Schwarz Wilhelm
dieselbe zum ersten Male in Verwendung.
Im Jahre 4866 hatte S. aus Anlaß
des zwischen Oesterreich und Preußen
ausgebrochenen Krieges zu Gunsten der
in diesem Kriege verwundeten und ar«
beitsunfähig gewordenen Soldaten der
österreichischen Armee — er hatte im
Jahre 1839 ein Gleiches gethan — eine
höchst erfolgreiche Sammlung von Geld>
beitragen in Frankreich veranstaltet. Für
diese humanen Bestrebungen wurde ihm
von der europäischen Oonfsrencs 6.63
mer, welche im Jahre 4867 in Paris
zusammengetreten war, die silberne Me>
d'aille zuerkannt. I n der Zeit von 1860
bis 1866 zu öfteren Malen, und zwar
in den Jahren 1861, t863. 1863 und
1866 von der kaiserlichen Regierung nach
Wien berufen, um in Volkswirthschaft'
lichen und staatswifsenschaftlichen Fragen
seine Ansichten und Erfahrungen mit in
die Wagschale zu legen, wurde er im
letztgenannten Jahre mit den Voreinlei«
tungen zu den am 11. December g. I .
zwischen Oesterreich und Frankreich ab«
geschlossenen fünf Staatsvertragen be«
traut, aber ihm bereits zu Anfang dieses
Jahres, am 4. Februar, Titel. Rang
und Charakter eineS k. k. Ministerial-
rathes verliehen. Als der vor Jahren
gefaßte, dann aufgegebene und wieder
aufgenommene Gedanke einer Weltaus'
ftellung in Wien für das Jahr 1873 der
Verwirklichung entgegenreifte und man
nur noch den Mann suchte, der der Lei-
tung eines solchen riesenhaften OrganiS- -
mus gewachsen war, da gab es kein lan-
ges Suchen, der vielbewahrte, sachkun»
dige, erfahrene AussteNungsmann Herr
von Schwarz war der einzig mögliche.
Noch wahrend der Belagerung von Paris
war Schwarz zum Leiter der Wiener
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon